Eishockey

"Ich will 100 Prozent Zach sein"

Von Interview: Alexander Mey
Hans Zach steht seit der Saison 2006/2007 an der Bande der Hannover Scorpions
© Getty

Am Freitag wird es heiß. Dann startet das Viertelfinale der DEL-Playoffs. Eine Partie: Das Duell der Überraschungsmannschaften der Saison, die Hannover Scorpions gegen die Grizzly Adams Wolfsburg.

Nicht nur, weil es das Niedersachsen-Derby und die Neuauflage des Pokalfinals ist, steht eine besondere Serie bevor. Auch für Scorpions-Trainer Hans Zach, der vor wenigen Tagen seinen Rückzug aus der DEL im Jahr 2010 angekündigt hat.

Kurz nach seiner Rücktrittserklärung und kurz vor seinem 60. Geburtstag startet Zach mit seinen Scorpions die Mission DEL-Finals. Eine Trainer-Legende auf dem Weg, mit dem Überraschungsteam der Saison noch einmal den ganz großen Wurf anzupeilen.

Zeit für Pathos? Nicht mit Zach. Der Bayer ist Pragmatiker durch und durch und lässt sich vom Trubel um seine Person nicht im geringsten anstecken.

Im SPOX-Interview zeigt Zach eindrucksvoll, was ihm vor dem Playoff-Start wichtig und was ihm völlig egal ist. Außerdem spricht er über Geburtstagsfeiern seiner Frau, die Bedingungen für ein Comeback und den Traum von der NHL.

SPOX: Herr Zach, Sie werden am 30. März 60 Jahre alt. Was ist Ihnen an diesem Tag lieber: Zeit für eine ruhige Feier oder Playoff-Stress im Halbfinale?

Hans Zach: Natürlich ist mir das Halbfinale lieber! Dafür lasse ich auch gerne meine Geburtstagsfeier ausfallen. Feiern tut sowieso nur meine Frau.

SPOX: Im Viertelfinale geht es aber erst einmal gegen Wolfsburg. Eine Neuauflage des Pokalfinals, das Sie verloren haben. Eine Extra-Motivation?

Zach: Was heißt Extra-Motivation? Für unsere Vorbereitung auf die Serie spielt das überhaupt keine Rolle. Logistisch ist Wolfsburg ein sehr guter Gegner. Die Wege für beide Mannschaften sind kurz.

SPOX: Ein waschechtes Niedersachsen-Derby.

Zach: Das kann man wohl sagen. Das wird gerade die Zuschauer in Wolfsburg freuen. Die haben immer die Hütte voll, wenn wir kommen. Die Stimmung wird auf jeden Fall sehr gut sein - und die Fans werden auch gute Spiele sehen.

SPOX: Mit dem besseren Ende für Hannover? Immerhin haben Sie in der Saison auch einmal 0:5 gegen Wolfsburg verloren.

Zach: Das hat überhaupt nichts zu sagen. Wenn die Playoffs losgehen, zählen die Ergebnisse der Hauptrunde gar nichts mehr.

SPOX: Hannover lechzt nach einem großen Erfolg. Glauben Sie an den großen Wurf in dieser Saison?

Zach: Glauben heißt nicht wissen. Alles, was für mich zählt, ist diese erste Serie gegen Wolfsburg. Ausschließlich darauf konzentriere ich mich im Moment.

SPOX: Sie bleiben den Scorpions noch bis 2010 erhalten, dann werden Sie eine Auszeit vom Eishockey nehmen. Welche Ziele haben Sie bis dahin noch?

Zach: Das ist ganz einfach. Ich will jedes einzelne Spiel gewinnen. Ganz egal, wo ich spiele.

SPOX: Aber es wird doch bestimmt einen Höhepunkt geben, den Sie gerne noch einmal erleben würden. DEL-Finals zum Beispiel.

Zach: Natürlich wäre das noch einmal ein tolles Erlebnis. Dagegen hätte niemand etwas, auch ich nicht. Aber das Leben ist nun einmal kein Wunschkonzert. Und einen Finaleinzug kann man nicht planen.

SPOX: Eins ist jedoch sicher: Wenn Sie 2010 Hannover verlassen, wird der DEL etwas fehlen. Oder nicht?

Zach: Das ist mir völlig egal.

SPOX: Wird Ihnen denn die DEL fehlen?

Zach: Nein.

SPOX: Nicht einmal die Arbeit mit den Spielern?

Zach: Das kann schon sein. Aber warum soll ich über Dinge reden, die in zwei Jahren sind? Dann bin ich 61 Jahre alt, vielleicht lebe ich dann schon gar nicht mehr.

SPOX: Das wollen wir doch nicht hoffen! Wird Ihnen vielleicht auch deshalb nichts fehlen, weil Ihnen der Weg nicht gefällt, auf dem die DEL ist?

Zach: Nein. Das interessiert mich auch gar nicht mehr.

SPOX: Immerhin haben Sie kritisiert, dass die DEL in Europa nur die sechststärkste Liga hinter Russland, Finnland, Schweden, Tschechien und der Schweiz ist.

Zach: Das stimmt, das habe ich gesagt. Aber das ist so ein tiefgründiges Thema, das würde zu weit führen. Darüber möchte ich gar nicht mehr sprechen.

SPOX: Dann sprechen wir über die Zeit nach Ihrer Karriere an der Bande. Bleiben Sie in Hannover oder gehen Sie zurück in die bayerische Heimat nach Bad Tölz?

Zach: Ich gehe sicher wieder zurück nach Bad Tölz. Hier in Hannover habe ich zwar ein sehr gutes Umfeld gehabt und auch die Stadt gefällt mir, aber mich zieht es trotzdem wieder zurück in die Heimat.

SPOX: Ein Comeback des Hans Zach nach 2010 ist aber nicht ausgeschlossen, oder?

Zach: So ist es. Allerdings will ich mich nicht mehr langfristig binden. Wenn ich noch einmal irgendwo hingehe, dann als eine Art Feuerwehrmann. Wenn ich einen Vertrag unterschreibe, dann will ich zu hundert Prozent Hans Zach sein. Wenn ich nach einiger Zeit die Lust verliere, dann bin ich das nicht mehr. Und das will ich nicht.

SPOX: Kommt für ein Comeback nur Deutschland in Frage?

Zach: Nicht unbedingt, aber in erster Linie. Auf jeden Fall wäre es im deutschsprachigen Raum.

SPOX: Hat Sie die NHL nie gereizt?

Zach: Nein, das war für mich nie ein Thema. Ich hatte nie ein Interesse daran, in den USA zu leben.

SPOX: Erstaunlich, immerhin ist die NHL für Eishockey-Spieler und -Trainer weltweit ein Traum.

Zach: Schon möglich. Aber ich träume nicht. Ich lebe in der Realität.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung