Streicheleinheiten für das ungeliebte Stiefkind

SID
Mittwoch, 25.02.2009 | 16:30 Uhr
Größter Erfolg der Vereinsgeschichte: Die Grizzly Adams Wolfsburg sind Pokalsieger
© Getty
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Umjubelte Underdogs, frustrierte Favoriten und begeisterte Fans: Der oft belächelte und vor einer ungewissen Zukunft stehende Pokal hat mit einer packenden siebten Finalauflage die Kritiker eines Besseren belehrt.

Der EHC Wolfsburg feierte mit einem 5:3 im Niedersachsen-Derby gegen die Hannover Scorpions seinen größten Erfolg der Klubgeschichte, doch am Ende hielten Sieger und Verlierer ein flammendes Plädoyer für das ungeliebte Stiefkind im deutschen Eishockey.

"Der Pokal muss bleiben", forderte Scorpions-Trainer Hans Zach und stichelte gegen die Kritiker des Wettbewerbs: "Es wird immer eine negative Stimmung gesucht, das ist die deutsche Mentalität. Wahrscheinlich werden wir wieder alles zerreden, und der Pokal wird bis ans Lebensende in Wolfsburg stehen."

Auf die Ehre, als sechster und letzter Pokalsieger in die Annalen einzugehen, wollen die Wolfsburger gerne verzichten. EHC-Coach Toni Krinner, der im Duell zweier Tölzer Trainer gegenüber Zach die Oberhand behielt, sprang dem ehemaligen Bundestrainer zur Seite: "Diejenigen, die den Pokal madigmachen, hätten herkommen und mitbekommen sollen, was für ein Spektakel man daraus machen kann."

Entscheidung über die Zukunft des Pokals fällt Anfang März

Am 3. März wollen die Gesellschafter der Deutschen Eishockey Liga (DEL) über die Zukunft des Wettbewerbs entscheiden. Zumindest in der kommenden Saison droht das vorübergehende Aus, da der Terminplan angesichts der Olympia-Qualifikation der deutschen Nationalmannschaft sehr eng gesteckt ist.

Viele Klubchefs bemängeln den unübersichtlichen Modus sowie fehlende finanzielle Anreize. In Wolfsburg war vor 4500 Zuschauern in der ausverkauften EisArena von mangelnder Motivation nichts zu spüren. Auch die ausgelassene Feier von Außenseiter Wolfsburg nach dem ersten Klubtitel mit Sektdusche und Siegerzigarre zeugte von Pokalfieber.

"So ein Finale ist doch geil. Das war das größtes Spiel in meiner Laufbahn", sagte der überragende EHC-Torhüter Daniar Dshunussow. Bei den Scorpions dagegen schrillen nach der vierten empfindlichen Niederlage aus den vergangenen fünf Spielen mit insgesamt 26 Gegentreffern die Alarmglocken.

Zach kritisiert Defensive

"Jetzt, wo der Druck wächst, suchen wir die Flucht nach vorne und fangen uns damit Tore", meinte Zach und schimpfte zwei Wochen vor dem Playoff-Start: "Du kannst gar nicht so viele Tore schießen, wie du hinten reinbekommst."

Neben der Finalpleite musste Hannover auch noch einen zweiten Rückschlag verkraften. Die Scorpions wurden nach zwei Monaten an der Spitze der DEL-Tabelle von den Eisbären Berlin abgelöst, die die Nürnberg Ice Tigers 7:2 schlugen. "Das war wichtig für unser Selbstvertrauen", sagte Stürmer Daniel Weiß nach dem gelungenen Auftakt des Heimspiel-Marathons mit drei Partien innerhalb von vier Tagen.

Grund zum Jubeln hatte auch die Düsseldorfer EG, obwohl sie am Dienstag gar nicht auf dem Eis stand. Durch die Niederlage der Nürnberger hat der achtmalige Meister als drittes Team nach Berlin und Hannover vorzeitig das Play-off-Ticket gelöst.

Die Hamburg Freezers haben zumindest gute Chancen auf die Pre-Playoffs. Nach dem 5:3 gegen die Augsburger Panther beträgt der Vorsprung auf Platz elf bereits fünf Punkte.

Die Tabelle der DEL

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