Kann einstecken aber auch austeilen: Yannic Seidenberg (r.) vom ERC Ingolstadt
Kann einstecken aber auch austeilen: Yannic Seidenberg (r.) vom ERC Ingolstadt
© Imago

Yannic Seidenberg exklusiv

Donnerstag, 18.12.2008

"Es darf ruhig hart sein"

Yannic Seidenberg hat mit seinem ERC Ingolstadt bisher eine eher enttäuschende DEL-Saison durchlebt. Nach dem Rausschmiss von Trainer Benoit Laporte scheinen die Panther nun jedoch in die Spur gefunden zu haben.

Das Spiel gegen Kanada bei der WM 2007 in Russland wird Yannic Seidenberg so schnell nicht mehr vergessen. Nach einem brutalen Open-Ice-Hit von Verteidiger Shea Weber musste der 24-Jährige auf direktem Weg ins Krankenhaus.

Im SPOX-Interview spricht der Nationalstürmer darüber, wie er die Szene in Erinnerung behalten hat und wie hart Eishockey sein darf.

SPOX: Herr Seidenberg, wenn Sie den Namen Shea Weber hören, brummt Ihnen da noch der Kopf?

Yannic Seidenberg (lacht): Nein, das ist vergessen. Bei der letzten WM ist mir ja gleich das nächste Ding passiert. Ich habe mir das Kreuzband gerissen. Das ist mir noch wesentlich mehr im Kopf als die Gehirnerschütterung von damals.

"Solange kein Ellbogen dabei ist oder von hinten gecheckt wird, ist alles okay"

Yannic Seidenberg

SPOX: War der Check der härteste, den Sie in Ihrer bisherigen Karriere einstecken mussten?

Seidenberg: Auf jeden Fall. So einen harten Open-Ice-Hit habe ich noch nie bekommen.

SPOX: Sie selbst sind auch nicht unbedingt ein Kind von Traurigkeit. Wie hart darf Eishockey sein?

Seidenberg: Solange es fair bleibt, kein Ellbogen dabei ist oder von hinten gecheckt wird, ist alles okay. Es darf ruhig hart sein.

SPOX: Die bisher enttäuschende Situation in Ingolstadt scheint sich nach der Entlassung von Trainer Benoit Laporte zu verbessern. Unter dem neuen Coach Greg Thomson gab es zuletzt drei Siege in sechs Spielen. Sind die Playoffs noch drin?

Seidenberg: Ich denke schon, es sind ja noch genügend Spiele. Eigentlich wollten wir im oberen Drittel mitspielen, wofür die Mannschaft meiner Meinung nach auch das nötige Potential  hat.

SPOX: Ein Aufschwung nach einem Trainerwechsel, wie momentan ja auch beim ERC zu beobachten, ist ein verbreitetes Phänomen im Sport. Wie erklären Sie sich das?

Seidenberg: Meistens geht dann doch noch mal ein Ruck durch die Mannschaft. Nach einem Trainerwechsel gibt es noch mehr Meetings und man spricht viel miteinander. Was den ERC betrifft: Es war nicht so, als hätte davor nur der Trainer versagt. Aber es kam mit dem Neuen auch ein neues System und deshalb, denke ich, haben wir jetzt auch mehr Erfolg. Nicht, dass das alte System schlecht war, aber wir hatten viele verletzte Spieler und haben trotzdem sehr offensiv gespielt. Es war ganz schön anstrengend, mit wenigen Spielern so zu spielen.

SPOX: Also insofern vielleicht doch Kritik an Laporte, dass er zu diesem Zeitpunkt die Mannschaft verheizt hat?

"Es war nicht so, als hätte nur der Trainer versagt."

Yannic Seidenberg

Seidenberg: Nicht wirklich. Wir haben viele Spiele mit einem Tor Unterschied verloren. Hätten wir die gewonnen, hätte niemand ein Problem gehabt mit der Situation oder mit dem Trainer. Ich möchte auf keinen Fall den alten Trainer oder dessen System kritisieren.

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SPOX: Wie geht es Ihrem Bruder Dennis in Carolina?

Seidenberg: Dem geht es ganz gut. Bei ihm läuft es ja auch richtig ordentlich dieses Jahr. Er war jetzt zwar zwei Wochen an der Leiste verletzt, beim letzten Spiel der Hurricanes war er jedoch wieder dabei.

SPOX: Verfolgen Sie seine Spiele?

Seidenberg: Wenn mal eines übertragen wird, schaue ich es schon an. Ansonsten verfolge ich die Ergebnisse im Internet. Wir telefonieren auch fast jeden Tag.

SPOX: Was gibt's denn zu Weihnachten für ihn?

Seidenberg: Nichts. Ich sehe ihn ja ohnehin nicht. Und ihm was schicken? Nein. Wir treffen uns im Sommer wieder, dann kriegt er irgendwas. Grundsätzlich schenken wir uns ohnehin auch eher selten was.

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Stefan Drescher

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