"Die Jungs kannte ich nur aus Videospielen"

Von Interview: Thomas Ziemann
Dienstag, 02.09.2008 | 09:33 Uhr
Florian Busch, Eisbären, Berlin, DEL, Eishockey
© Imago
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Was für ein Knaller zum Auftakt! Mit der Neuauflage des letztjährigen Finals zwischen den Eisbären Berlin und den Kölner Haien (19.15 Uhr im LIVE-TICKER und im Internet TV) startet die DEL in ihre neue Saison. Auch Nationalspieler Florian Busch ist wieder mit von der Partie.

Im Interview mit SPOX spricht der Berliner Stürmer über die kommende Saison, ein mögliches Engagement in der NHL und darüber, warum das Training mit den L.A. Kings an ein Videospiel erinnert.

SPOX: Florian Busch, sind Sie froh, dass es nach den negativen Schlagzeilen rund um die DEL endlich wieder auf's Eis geht?

Florian Busch: Ja! Was da im Sommer so los war, das war schon der Wahnsinn. Nicht nur persönlich für mich, sondern auch für die Liga. Jetzt geht es wieder um den Sport. Wer ist der beste Neuzugang, wer macht die meisten Tore? Es ist schön, dass die Doping-Thematik wieder in den Hintergrund rückt.

SPOX: Mit der Neuauflage des letztjährigen Finals gegen Köln steht direkt der erste Härtetest auf dem Programm. Was erwarten Sie vom Spiel?

Busch: Köln hat eine relativ neue Mannschaft, deswegen sind sie schwer einzuschätzen. Bei uns hat sich nicht viel geändert, wir sind als Team zusammengeblieben. Es wird aber ein gutes Spiel zwischen zwei Teams, die auch um die deutsche Meisterschaft mitspielen werden.

SPOX: Sie haben es bereits angesprochen, Ihr Team muss nicht so viele Neuzugänge integrieren. Wer kann die Eisbären auf dem Weg zum Titel denn überhaupt stoppen?

Busch: Oh...da bin ich jetzt ehrlich gesagt überfragt. Ich denke, es werden die üblichen Verdächtigen: Köln, Mannheim. Und nicht zu vergessen die Duisburger Füchse (lacht).

SPOX: Dann probieren wir es mal mit persönlichen Zielen. Haben Sie sich vielleicht eine bestimmte Marke an Toren gesetzt, die Sie erzielen wollen?

Busch: Also persönliche Ziele sind immer schwierig. Im letzten Jahr habe ich mir eine bestimmte Anzahl an Toren vorgenommen, und es hat überhaupt nicht geklappt. Das lasse ich lieber. Wenn ich gut spiele und wir mit der Mannschaft Erfolg haben, kommen die Tore von ganz alleine.

SPOX: Sie hatten im Prospect Development Camp der Los Angeles Kings die Möglichkeit, NHL-Luft zu schnuppern. Was war es für ein Gefühl, im Trikot der Kings aufzulaufen?

Busch: Es war lustig, weil man es am Anfang nicht wirklich realisieren konnte. Plötzlich stand ich mit Spielern auf dem Eis, die ich sonst nur aus den Videospielen kenne. Das war schon eine coole Erfahrung. Von Vorteil war, dass Philip Anschutz der Besitzer der Eisbären und der Kings ist. So war die Zusammenarbeit kein Problem. Uns hat es viel gebracht und ich hoffe, dass sie in L.A. gesehen haben, dass auch hier viele gute Spieler rumlaufen.

SPOX: Bestand die Möglichkeit, direkt in die NHL zu wechseln?

Busch: Naja, das ist so eine Sache. Mein Agent knüpft für mich die Kontakte. Als Spieler ist es immer unangenehm, mit den Scouts zu reden. Die können mir ja erzählen, was sie wollen, nur damit ich mich gut fühle. Im Endeffekt war es aber schon so, dass sie begeistert waren, wie wir hier in Deutschland spielen. Man muss einfach mal abwarten, was in Zukunft noch passiert. Jetzt haben sie mich wenigstens persönlich kennengelernt.

SPOX: Also bleibt die NHL ihr Ziel?

Busch: Ganz klar! Ich habe nicht vor, meine gesamte Karriere in Deutschland zu verbringen. Es zieht mich auch immer ins Ausland, wenn ich frei habe. In Amerika gefällt es mir besonders gut. Und wenn mir jemand fünf Millionen bieten will, dann nehme ich die natürlich sofort.

SPOX: Apropos Geld. Wie sieht es denn mit einem Wechsel in die KHL aus?

Busch: Warum nicht? Ich kenne zwar die Rahmenbedingungen in der KHL nicht, aber es hört sich auf jeden Fall interessant an, was da im Moment so passiert.

SPOX: Vielleicht müssten Sie dafür nicht einmal den Klub wechseln. Es gibt ja offenbar ein Angebot aus Russland an die Eisbären.

Busch: Also ich wäre dabei. Stellt sich nur die Frage, ob es auch lukrativ ist. Für einen Top-Klub mit Tradition, wie die Eisbären, ist das mit Sicherheit spannend. Das Interesse aus Russland ist bereits bekannt. Und ich habe auch gehört, dass Köln ein bisschen sauer ist, dass sie nicht gefragt wurden.

SPOX: Sprechen wir von einer anderen Europa-Liga. Was erwarten Sie sich vom Start der neuen Champions League?

Busch: Die Champions League ist Neuland. Da müssen wir erstmal schauen, was da so geht. Man kennt die Klubs nicht, weiß nicht, wie sie spielen. Wir werden uns mal überraschen lassen. Unser Ziel ist es, zu zeigen, dass wir zu den besten Mannschaften in Europa gehören.

SPOX: Zum Abschluss vielleicht noch eine Prognose: Holen die Eisbären die deutsche Meisterschaft?

Busch: Mal schauen, der Titel hat bei uns aber natürlich oberste Priorität. Als Eisbären müssen und wollen wir uns immer neu beweisen, egal ob wir in den letzten Jahren schon dreimal Meister waren. Außerdem gibt es ja nichts Schöneres im Leben, als die Zeit nach dem Titelgewinn.

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