Köln, Haie, Clinch
© Getty

Profiliga KHL rüstet auf

Donnerstag, 28.08.2008

Die Russen schlagen zurück

Die neue russische Profi-Liga KHL sägt am Thron der NHL. Dem Ruf aus dem Osten ist etwa schon Superstar Jaromir Jagr gefolgt. Auch die Berliner Eisbären aus der Deutschen Eishockey-Liga sind im Visier der Russen.

Früher war die Eishockey-Welt recht übersichtlich. Wer was auf sich hielt, der wechselte in die NHL. Das war ungefähr so sicher wie das Amen in der Kirche.

Nun scheinen sich die Kräfte im Eishockey zu verschieben. In Russland fließt das große Geld. Die neue russische Profiliga KHL lockt aber nicht nur einzelne Spieler, sondern gleich ganze Klubs.

Mit Öl-Millionen im Rücken sägt die KHL am Thron der nordamerikanischen Eliteliga NHL. Und im Plan der russischen Macher spielen auch deutsche Klubs eine Rolle.

Aufgeschlossene Haie

Schon seit längerer Zeit existieren Szenarien über eine Expansion der russischen Liga in westliche Gefilde. Von einer Europa-Liga war die Rede. Dass es jedoch so schnell so konkret werden würde, damit hatten wohl die wenigsten gerechnet.

"Ja, es gibt ein Angebot", bestätigte Berlins Manager Peter John Lee gegenüber der "Bild" erste Lockrufe aus Russland.

Und auch bei den Kölner Haien zeigt man sich derartigen Überlegungen nicht abgeneigt. "Mit einem konkreten Plan einer solchen Liga würden wir uns auf jeden Fall auseinandersetzen", sagt Rodion Pauels gegenüber SPOX.

Große Namen

Top-Transfers der KHL
Jaromir Jagr
Avangard Omsk

Alexander Radulow
Salawat Julajew Ufa

Ray Emery
Atlant Mytischtschi

Alexei Yashin
Lokomotive Jaroslawl

Iwan Ciernik
Sibir Nowosibirsk

Chancengleichheit gefährdet

Allerdings hegt der Manager der Kölner Haie Zweifel an der Chancengleichheit: "Wenn es ein gutes Produkt ist und wir auch als westeuropäischer Klub die Chance hätten, eine schlagkräftige Truppe aufs Eis zu bringen, kann es durchaus eine Möglichkeit sein."

Und das völlig zu Recht, denn die jüngsten Entwicklungen geben durchaus Grund zur Sorge.

"Der schlafende Riese erwacht", orakelt Pauels und fügt an, "Die NHL hat jahrelang auf das russische Eishockey eingeprügelt und die besten Spieler nach Nordamerika geholt. Jetzt wollen die Russen zurückschlagen."

Wie ernst es der KHL wirklich ist, zeigen die Verpflichtungen zahlreicher Topspieler.

Das prominteste Beispiel ist wohl Jaromir Jagr. Immerhin einer der besten Eishockey-Spieler der Welt. Nicht weniger als 18 Jahre NHL stehen in der Vita des Tschechen. Nun schließt er sich Avangard Omsk an. Für 4,5 Millionen Euro netto im Jahr.

Gezerre um Ciernik

"Die Spieler werden sich in Zukunft zwischen NHL und KHL entscheiden", weiß auch Haie-Geschäftsführer Thomas Eichin um das Problem.

Er spricht aus Erfahrung. In den vergangenen Wochen sorgte das Wechseltheater um den Kölner Goalgetter Ivan Ciernik für reichlich Gesprächsstoff. Und wie es der Zufall will, waren auch in diesem Fall zwei russische Klubs beteiligt.

Erst Astana Byras, jetzt Sibir Nowosibirsk. Mit letzterem Klub haben sich die Haie mittlerweile auf einen Wechsel des Slowaken geeinigt. Einzig die ausstehende Ablöse verhinderte bislang den Vollzug.

Der Wandel als Chance

Der von Rubel-Millionen befeuerte Wandel löst allerdings nicht nur Ängste aus. Er kann auch durchaus als Chance gesehen werden. Als Chance, das deutsche Eishockey und die Nachwuchsarbeit zu fördern.

Auch für Pauels ist die Entwicklung nicht nur negativer Natur: "Wir müssen unsere Spieler selber ausbilden. Sie langfristig binden und ihnen vor allem auch eine Chance geben."

Bei den Haien ist der erste Schritt bereits getan - 22 Spieler des 35-Mann starken Kaders sind jünger als 25 Jahre. "Da wollen wir als Kölner Haie auf jeden Fall ein Zeichen setzen", sagt Pauels und appelliert auch an die DEL.

"Es müssen Taten folgen"

"Wichtig ist, dass in Deutschland ein Umdenken stattfindet und es nicht mehr nur Lippenbekenntnisse zur Nachwuchsförderung gibt. Es müssen Taten folgen. Das könnte den ganzen Sport nach vorne bringen und für gute Schlagzeilen sorgen."

Die nächsten Monate werden zeigen, in welche Richtung sich das europäische Eishockey entwickelt. Ob ein Umzug von einem der Top-Teams nach Russland, dem von Dopingskandalen eh schon gebeutelten deutschen Eishockey allerdings gute Schlagzeilen bescheren würde, darf zumindest in Frage gestellt werden.

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Thomas Ziemann

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