Mittwoch, 30.07.2008

Affäre um verpasste Dopingtests

Kreutzer wehrt sich gegen Sperre

Hamburg - In der Affäre um Verstöße gegen Meldeauflagen der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) wollen die betroffenen Spieler und deren Klubs drohende Sperren nicht akzeptieren.

kreutzer, eishockey
© Getty

"Sollte ich gesperrt werden, werde ich dagegen vorgehen. Das lasse ich mir nicht gefallen", sagte Daniel Kreutzer von den DEG Metro Stars. Mit seinem Düsseldorfer Teamkollegen Robert Dietrich (demnächst Nashville Predators) gehört Kreutzer zu fünf Akteuren, denen Sanktionen drohen.

Beide DEG-Spieler füllten das Internet-Meldeformular der NADA gemeinsam aus und begingen dabei einen Fehler. "Wir haben für Juli gemeldet und vergessen, August und September anzuklicken. Das ist ein Formfehler, nichts weiter", erklärte Kreutzer, der wie Dietrich das Versäumnis mittlerweile nachgeholt hat.

Trotzdem wurden in diesen beiden und drei weiteren Fällen von Spielern der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) Verfahren eingeleitet. "Das ist lächerlich, denn noch läuft der Juli ja", wetterte Kreutzer.

Sanktionen drohen

Der Anti-Doping-Beauftragte des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), Eckard Schindler, deutete in den betroffenen Fällen noch für diese Woche unterschiedliche Sanktionen an.

"Dem einen steht vielleicht eine öffentliche Verwarnung bevor, dem anderen eine Sperre", sagte er. Nach der herben öffentlichen Kritik im Frühjahr, als Nationalspieler Busch von Meister Eisbären Berlin nach einer verweigerten Doping-Kontrolle nicht gesperrt wurde, ist diesmal mit einem härteren Durchgreifen des DEB zu rechnen. "Wenn der Fall Busch nicht gewesen wäre, wäre es gar nicht so weit gekommen", sagte Kreutzer.

Undurchsichtiges Meldesystem

Der 28-Jährige fühlt sich vom Verband alleingelassen. "Dafür, dass das Meldesystem mittlerweile so wichtig ist, sollten die Leute auch geschult werden", sagte Kreutzer, der auch von seinem Club Unterstützung erhielt.

"Die Regeln sind sehr streng. Viele wissen nicht, wie sie mit dem Meldesystem umgehen müssen", sagte DEG-Manager Lance Nethery. "Wenn mehrere Spieler damit Probleme haben, besteht offensichtlich Nachholbedarf", sagte Nethery mit Blick auf die drei weiteren, namentlich noch nicht bekannten Spieler.

Kritik kam auch von den Adlern Mannheim, deren Spieler Michael Hackert zu sieben DEL-Spielern gehörte, die vor kurzem wegen eines ersten Verstoßes gegen die Auflagen verwarnt worden war. "Es sollte beim Kontrollsystem eine gemeinsame Lösung mit DEB und NADA im Sinne der Spieler gefunden werden. Eine lückenlose Erreichbarkeit über 24 Stunden, das funktioniert doch nicht", sagte Adler-Sprecher Matthias Fries.

"Das ist doch ein Klacks"

Aus Sicht von Schindler gerät das deutsche Eishockey durch eine "gewisse Sorglosigkeit" im Umgang mit den Regularien nun wiederholt in die Negativschlagzeilen, obwohl es laut Nethery "auf keinen Fall ein Doping-Problem im Eishockey" gibt.

"Das ist eine unglückliche Situation", bekannte Schindler, der die Kritik aus der DEL teilweise nachvollziehen kann. "Da ist der Verband in der Pflicht. Wir sind auf dem Weg, die Spieler möglichst lückenlos zu schulen."

Der erst seit kurzem installierte Anti-Doping-Beauftragte äußerte jedoch auch Unverständnis für die Spieler im Umgang mit dem Meldesystem: "Auf der Internetseite der NADA ist alles genau erklärt. Die Spieler kennen sich mittlerweile mit Playstation, Internet und Computern bestens aus. Da ist das doch ein Klacks."


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