Freitag, 02.05.2008

Eishockey

Krupp macht Sturm zum deutschen Kapitän

Halifax - NHL-Profi Marco Sturm soll die deutsche Auswahl als Kapitän durch die 72. WM in Kanadas Hafenstadt Halifax steuern.

Eishockey, Deutschland, Sturm
© Getty

Einen Tag vor dem schweren Auftaktspiel gegen Finnland verlieh Bundestrainer Uwe Krupp dem am Abend zuvor aus Boston eingetroffenen Torjäger das "C" auf dem Trikot. "Ich habe das erst in der Früh' vom Uwe erfahren", sagte der gut gelaunte Sturm, ehe er erstmals mit seinen 24 Kollegen übte.

"Das reicht wahrscheinlich nicht, aber das Turnier dauert ja länger", fügte der 29-jährige Bayer hinzu, der nach dem Play-off-Aus mit den Boston Bruins noch einige Tage Familienglück genossen hatte. "Er bedeutet eine Menge für unser Team. Wir sind froh, dass er hier ist. Er wird sich schnell integrieren", sagte Krupp.

Vier Meter schmalere Eisfläche 

Sturm gab die Linie gegen Vizeweltmeister Finnland vor: "Wir müssen defensiv gut spielen und keine blöden Strafzeiten bekommen. Wenn wir einen guten Start haben, können wir vielleicht für ein bisschen Unruhe sorgen." Nach dem 1:3 und dem 0:4 in den Testspielen vor drei Wochen hofft der Bundestrainer zwar auf eine leichte Unterschätzung seiner Mannschaft, die im Vorjahr zum Auftakt gegen Kanada beim 2:3 nur knapp eine Überraschung verpasst hatte.

Doch Krupp zählt die Finnen zu den fünf bis sechs Titelanwärtern. "Wir müssen wir kompakt spielen und einen offenen Schlagabtausch vermeiden", verlangte Krupp.

In seiner Mannschaft gaben die beiden anderen NHL-Profis Christoph Schubert und Dennis Seidenberg Tipps, um sich auf die vier Meter schmalere Eisfläche einzustellen.

Fragezeichen in den Gesichtern 

"Man muss einfach spielen, stark an der Scheibe sein und sie gut absichern", erklärte Schubert. Seidenberg fügte hinzu: "Die Jungs haben sich schon umstellen müssen. Sie sollten nicht zu schön spielen." Welche Probleme es mit den ungewohnten nordamerikanischen Maßen gab, schilderte Abwehr-Haudegen Andreas Renz: "Am ersten Tag gab es Fragezeichen in einigen Gesichtern. Der eine oder andere ist über die Bande gestolpert."

Fast ins Hotel stolpern können die deutschen Spieler, falls sie der mitunter noch sehr kalte Wind nicht wegpustet. Vom Halifax Metro Centre in der hier und da kolonial geprägten Altstadt am Atlantik dauert es zu Fuß keine fünf Minuten bis zum eigenen Zimmer - ganz anders also als in der Mega-City Moskau, wo vor Jahresfrist schon jede Trainingseinheit mit einer mindestens jeweils halbstündigen Hin- und Rückfahrt verbunden war.

Übersichtlicher ist in Halifax also nicht nur die Eisfläche im 10.595 Fans fassenden Metro Centre, das mit seiner Ausstattung 70er-Jahre-Charme versprüht.

Im Uralt-Design von 1932 

Gleich unterhalb der Zitadelle, die auf einem Hügel über der Stadt thront, will sich die deutsche Mannschaft gegen Finnland verschanzen. Seit 13 Jahren gelang kein Sieg mehr gegen den Olympia-Zweiten. Renz erklärt warum: "Sie machen die Kleinigkeiten nicht viel anders, aber besser und schneller."

Als kleiner Motivations-Trick könnten besondere Trikots dienen. Jede der 16 Mannschaften tritt zum 100. Geburtstag des Eishockey- Weltverbandes IIHF einmal im Retro-Look an. Die Deutschen haben das Uralt-Design von 1932 gewählt, in dem die damalige Auswahl in Lake Placid die erste von zwei deutschen Olympia-Bronzemedaillen gewann.

Die schwarzen Trikots mit weißen Streifen wurden bei einem speziellen Training am Donnerstag noch geschont. Zur Ablenkung, aber auch zur Stärkung des Teamgeistes ließ Krupp im Wald den Trendsport Paintball spielen, bei dem zwei Teams aus Luftdruckwaffen mit Farbkugeln aufeinander schießen - das DEB-Team hatte seinen Spaß.


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