Die Open-End-DEL

"Wie 35 400-Meter-Läufe!"

Von Florian Regelmann
Donnerstag, 27.03.2008 | 16:23 Uhr
DEL, Scoreboard
© Imago
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München - Jeder Fan, der sich in diesen Tagen entscheidet ein DEL-Playoffspiel zu besuchen, sollte sich des Risikos bewusst sein: Es könnte lange dauern. Sehr lange.

Die Hannover Scorpions und DEG Metro Stars machten in den Pre-Playoffs den Anfang. Mit 2:1 setzte sich Düsseldorf in der zweiten Overtime durch.

Damals war es das längste Eishockey-Spiel der Geschichte in Deutschland. Heute hat man nur noch ein müdes Lächeln dafür übrig. Zweite Overtime, das ist ja nichts!

Dachten sich auch die Iserlohn Roosters und Frankfurt Lions. In ihrer Viertelfinal-Serie dauerte es in Spiel 2 fast drei ganze Verlängerungen, ehe Goalgetter Michael Wolf die Roosters erlöste.  

Die Spieler taumelten zum Schluss beinahe nur noch über das Eis. Sieg oder Niederlage, natürlich nicht egal, es ist schließlich ein entscheidendes Spiel in den Playoffs, aber fast hätte bei Akteuren und Fans wohl auch der Gedanke aufkommen können: "Hauptsache vorbei!"

1000 Kalorien pro Stunde 

Nach dem Wahnsinn von Iserlohn könnte es jetzt aber keine Steigerung mehr geben. So viel schien klar. In 20 Jahren vielleicht mal wieder.

Es sollte genau zwei Tage dauern, dann ereignete sich in der Kölnarena das Unvorstellbare. Nicht zwei, nicht drei, gleich sechs Mal ging es beim Duell zwischen Haien und Adlern in die Overtime.

Zum Held wurde am Ende Haie-Stürmer Philipp Gogulla nach 168 Minuten und 16 Sekunden. Nach fast sieben Stunden Anstrengung.

"Das ist schon mit einem Ironman vergleichbar. 1000 bis 1200 Kalorien werden in der Stunde verbrannt. Das kann man dann zusammenzählen, das ist wirklich extrem hoch", so der Hamburger Fitness-Guru Pedro Gonzalez im Interview bei Premiere.

Das komplette Interview hier im Video!

"Zu viel geweint im Fußball" 

Gonzalez, der auch mit dem seit Jürgen Klinsmann bekannten Mark Verstegen zusammenarbeitet, macht deutlich, welchen Belastungen die Eishockey-Spieler ausgesetzt sind: "Beim Eishockey gibt es intervall-artige Belastungen. Man gibt 40 Sekunden Vollgas, der Puls geht auf 180/190, dann hat man eine kurze Pause und es geht wieder weiter."

Die wichtigsten Spieler einer Mannschaft kommen selbst bei einer Partie, die nach 60 Minuten vorbei ist, oft auf 35 oder mehr Wechsel.

"Das ist, als ob man 35 Mal 400 Meter rennt", sagt Gonzalez. Der Konditionstrainer betreut nicht nur die Freezers, sondern auch den FC. St. Pauli.

Für ihn ist klar, wer die härteren Jungs sind: "Das sind auf jeden Fall die Eishockey-Profis. Fußball ist eine ganz andere Belastung. Das kann man sich so vorstellen, als ob man sonntags raus geht und eineinhalb, zwei Stunden im Wald läuft. Da ist man auch gut kaputt, aber in der Bundesliga wird teilweise schon ein bisschen viel geweint." 

Wenn es Jungs gibt, die Grund hätten zu weinen, dann die NHL-Spieler. Gonzalez besuchte im vergangenen Jahr Dennis Seidenberg in den USA und der deutsche Nationalverteidiger berichtete ihm von seinen Strapazen.

NHL nochmal härter 

"Die NHL ist noch mal eine ganz andere Hausnummer. Die großen klimatischen Unterschiede, die Zeitunterschiede, die weiten Flüge, der Konkurrenzdruck, das ist schon eine Ecke härter", erklärt Gonzalez.

Die Rekordnächte der vergangenen Wochen haben für viel Gesprächsstoff gesorgt. Sollte man wieder dahin zurückgehen, ein Penaltyschießen über Sieg und Niederlage entscheiden zu lassen?

Man darf gespannt sein, wie die DEL diese Frage in der Sommerpause beantworten wird. Solange darf man noch mit dem einen oder anderen Marathonspiel rechnen.

Gesundheitsschädigend ist es laut Gonzalez auf keinen Fall. Die Spieler sind fit genug. Also warum nicht noch ein paar Overtimes genießen bis zum Saisonende. Man muss als Zuschauer eben nur viel Zeit mitbringen. 

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