Nicolo Melli im Interview

"Meine Mutter ist der Champion"

Mittwoch, 23.03.2016 | 15:17 Uhr
Nicolo Melli wurde im November zum MVP der Euroleague gewählt
© getty
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Nicolo Melli ist bei den Brose Baskets Bamberg ohne Umwege zum Schlüsselspieler geworden. SPOX sprach mit dem Italiener über die Turkish Airlines Euroleague, sein spezielles Verhältnis mit Andrea Trinchieri und Sprachbarrieren. Und: Warum er noch viel erreichen muss, bevor er mit seiner Mutter gleichziehen kann...

SPOX: Signore Melli, Sie sind mittlerweile seit rund einem Dreivierteljahr in Bamberg. Bisher scheint es sehr gut zu passen - hatten Sie da eigentlich anfänglich Zweifel? Bamberg ist ja doch etwas anders als Mailand, wo Sie die vorigen fünf Jahre verbracht hatten.

Nicolo Melli: Nein, überhaupt nicht. Ich bin in Reggio Emilia aufgewachsen, das hatte vermutlich mehr mit Bamberg gemein als mit Mailand. Ich meine, Mailand ist eine tolle Stadt und bietet dir kulturelle Möglichkeiten wie nur wenige Städte in Europa. Aber ich bin ein Basketballer, kein Lifestyler. Ich fühle mich sehr wohl in Bamberg und habe hier alles, was ich brauche. Ich würde mir nur manchmal wünschen, dass die Restaurants etwas länger geöffnet hätten. (lacht) Und die deutsche Sprache ist richtig schwer!

SPOX: Lernen Sie?

Melli: Mamma mia, ich versuche es! Ich tue mich bisher aber wie gesagt richtig schwer, vor allem mit der Grammatik. Es dürfte wohl noch ziemlich lange dauern, bis ich mich in der Sprache einigermaßen ausdrücken kann - wenn ich es überhaupt schaffe. Dagegen ist Basketball richtiggehend einfach. (lacht)

SPOX: Das Talent wurde Ihnen ja gewissermaßen in die Wiege gelegt - wie war es für Sie, als Sohn einer Olympischen Silbermedaillen-Gewinnerin aufzuwachsen?

Melli: Meine Mutter ist bei uns in der Familie der Champion. Bevor du selbst etwas Ähnliches vorzuweisen hast, hast du noch nicht besonders viel erreicht. (lacht) Im Ernst: Ich glaube, dass ich durch sie schon als Kind den Wert von Sport kennengelernt habe. Zum einen bezüglich der Erfahrungen, die man macht - sie ist als Volleyballerin viel um die Welt gereist, unter anderem eben zu Olympia 1984 in Los Angeles. Und zum anderen habe ich dadurch früh mitbekommen, wie viel Spaß es machen kann, Teil eines Teams zu sein und gemeinsam Erfolge zu feiern. Von daher war ich auch schon sehr früh sehr sportbegeistert und habe als Kind schon fast immer Basketball gespielt, wenn ich gerade nicht in der Schule gehockt habe.

SPOX: Wie landeten Sie denn beim Basketball - und nicht beispielsweise beim Volleyball wie Ihre Mutter oder beim allgegenwärtigen Calcio?

Melli: Sie werden es kaum glauben, aber in Reggio Emilia ist Basketball tatsächlich die Sportart Nummer eins. Es gibt auch eine ordentliche Fußball-Mannschaft, aber Basketball ist größer - und in unserer Familie hat niemand Fußball gespielt, es war bei allen entweder Volleyball oder Basketball. Mich hat der Calcio auch nie so gereizt. Volleyball habe ich mal ausprobiert, aber Basketball war immer die große Liebe.

SPOX: In Deutschland kommt es sehr selten vor, dass ein sportbegeisterter Junge sich nicht am Fußball versucht.

Melli: Ich glaube, dass Basketball in Italien einen höheren Stellenwert beziehungsweise mehr Tradition hat als in Deutschland. Natürlich gibt es auch bei uns unglaublich viele Fußballbegeisterte, für die der Calcio eine Religion ist. Landesweit ist Fußball auch bei uns natürlich die Sportart Nummer eins, aber Basketball ist eine starke Nummer zwei. Deswegen kommt es durchaus häufig vor, dass sich Leute eher dafür entscheiden. Ich war jetzt kein Aussätziger oder so. (lacht)

SPOX: Es gibt aktuell in der Tat eine starke italienische Generation, mit Spielern wie Andrea Bargnani, Danilo Gallinari oder Marco Belinelli. Hat speziell Bargnani, der 2006 zum ersten europäischen No.1-Pick überhaupt wurde, da noch einen gewissen Boom ausgelöst?

Melli: Ich glaube schon, dass dadurch vielleicht noch einige junge Leute mehr auf den Sport aufmerksam geworden sind und sich darin versucht haben. Aber es gab auch vorher schon einen fruchtbaren Boden dafür, weil Basketball in Italien eine große Tradition hat. Gerade Milano war über Jahrzehnte einer der größten Klubs in Europa, auch Treviso oder Bologna hatten immer wieder starke Teams. Von daher löste Bargnani nicht direkt einen Boom aus, eher einen weiteren Schub.

SPOX: Da Sie mit den Legionären in der Nationalmannschaft spielen - sehen Sie einen Sprung in die NBA für Sie auch als Möglichkeit an?

Melli: Das habe ich ja nicht zu entscheiden. Natürlich würde ich wie jeder andere Basketballer auf der Welt gerne mal dort spielen, einfach um zu sehen, ob ich dort mithalten kann und wie mein Spiel dort funktionieren würde. Ich würde auch das Drumherum, das ganze Entertainment sehr gerne mal erleben, das ist eben alles nochmal eine Spur größer als bei uns. Aber ich bin jetzt nicht besessen von der NBA oder so. Wenn sich die Möglichkeit irgendwann ergeben sollte, nehme ich sie gerne an, wenn nicht, ist das auch gut. Ich bin auch in meiner aktuellen Situation glücklich und spiele sehr gerne in der Euroleague. Diese irgendwann zu gewinnen ist ebenfalls ein Traum von mir.

SPOX: Dann kommen wir doch jetzt mal darauf zu sprechen. Hätten Sie zum Zeitpunkt Ihrer Unterschrift in Bamberg damit gerechnet, dass Sie an diesem Punkt der Saison immer noch eine realistische Playoff-Chance in der Euroleague haben würden?

Melli: Ich glaube nicht, dass irgendjemand diese Art von Euroleague-Saison von uns vorhergesehen hat. Ich meine, natürlich habe ich das große Potenzial gesehen, die Qualität der Mannschaft und der Organisation. Aber dass es so laufen würde? Es gibt in der Euroleague so viele Vereine, die mehr Geld investieren als wir, dennoch sind wir jetzt weiter gekommen als sie. Das war so sicherlich nicht zu erwarten.

Seite 1: Melli über seine Herkunft und Basketball in Italien

Seite 2: Melli über die Euroleague, Trinchieri und weitere Ziele

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