Freitag, 20.03.2015

Nach Randale in Berliner Arena

"Verurteilen das aufs Allerschärfste"

Randalierende Gäste-Anhänger haben beim 75:68-Sieg von Alba Berlin gegen Galatasaray für Chaos in der Arena am Ostbahnhof gesorgt. Die Partie konnte erst mit einer Verspätung von einer Stunde angepfiffen werden.

Beim Spiel zwischen Alba Berlin und Galatasaray gab es heftige Randale in der Arena
© imago
Beim Spiel zwischen Alba Berlin und Galatasaray gab es heftige Randale in der Arena

Es wurden Stühle geworfen, Böller gezündet, die Fäuste geschwungen und Polizisten bespuckt: Das skandalöse Verhalten der Gästefans bei der Euroleague-Partie am Donnerstagabend zwischen Alba Berlin und Galatasaray Istanbul (75:68) hat für großes Entsetzen in der Basketball-Szene gesorgt. Während die Euroleague ein Ermittlungsverfahren einleitete, will Alba juristisch "mit aller Macht" gegen die Randalierer vorgehen.

"Geschehnisse dieser Art habe ich in 40 Jahren im deutschen Basketball nicht erlebt. Das hat generell im Sport und erst recht in unserer Arena überhaupt nichts zu suchen. Wir verurteilen das auf das Allerschärfste", sagte Alba-Geschäftsführer Marco Baldi.

Randale: Euroleague eröffnet Disziplinarverfahren

Zehn Minuten vor dem geplanten Anpfiff hatten sich die Ereignisse in der Arena am Ostbahnhof überschlagen. Etwa 30 Gala-Fans liefen am Feldrand entlang zum Alba-Block. Dort kam es zu körperlichen Auseinandersetzungen. Es flogen Stühle, ein Knallkörper wurde gezündet, Ordnungskräfte wurden bespuckt.

"Mit aller Härte juristisch vorgehen"

Am Freitagabend veröffentlichte die o2 World eine Bilanz: "Etwa 70 Prozent der Bestuhlung im Block der Galatasaray-Fans wurde mutwillig zerstört und führte zu einem Sachschaden von ca. 35.000 Euro." Es werde gemeinsam mit allen Beteiligten eine Diskussion über eine Neubewertung zukünftiger Euroleague-Spiele geben.

Manche Spieler und Betreuer holten von den Zuschauerrängen ihre Kinder oder Verwandte aufs Parkett. Alba-Profi Reggie Redding brachte zum Beispiel das Kind des verletzten Mitspielers Cliff Hammonds persönlich in Sicherheit. "Ich habe die fliegenden Stühle gesehen. Das geht gar nicht, wenn Familie und Kinder verletzt werden", sagte Alba-Kapitän Alex King der Bild.

Die Analyse: Alba wahrt die Playoff-Chance

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller schaute von der Tribüne aus mit Sorge auf das Geschehen. "Es herrschte große Bestürzung und auch Sorge, wie sich das Ganze weiter entwickeln würde", berichtete Alba-Sprecher Justus Strauven dem SID: "Gegen die Aggressoren werden wir mit aller Härte juristisch vorgehen." Außerdem wolle der Klub den Verletzten Hilfe anbieten und mit Polizei und Veranstalter den Fall intensiv aufarbeiten, "damit so etwas nicht noch einmal vorkommt".

Diziplinarverfahren eingeleitet

Es gab auch Kritik an der Polizei, die sich zunächst nicht im Innenraum aufgehalten hatte und erst mit Hilfe von Unterstützung die Lage in den Griff bekam. Am Ende waren rund 130 Beamte im Einsatz.

Die Polizei hat Ermittlungen wegen Landfriedensbruchs und wegen gefährlicher Körperverletzung aufgenommen. Ein Alba-Fan wurde am Kopf und Oberkörper verletzt und musste ambulant im Krankenhaus behandelt werden.

Die Ausschreitungen werden ein Nachspiel haben. Die Turkish Airlines Euroleague hat ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Man verurteile "jede Art von Gewalt, die keinen Platz hat in unserem Spiel, in unseren Arenen oder auch nur in der Nähe davon", sagte Sprecher Diego Fernandez dem SID. Es kann auch sein, dass auch Alba wegen eines möglicherweise unzureichenden Ordnungsdienstes bestraft wird.

Nächste Strafe gegen Gala?

Das Hinspiel in Istanbul war schon vor leeren Rängen ausgetragen worden, da die Turkish Airlines Euroleague die Türken wegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen zu drei Heimspielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit verurteilt hatte.

Grund für die Strafe waren Auseinandersetzungen Ende November vor dem Spiel gegen Roter Stern Belgrad/Serbien, bei denen ein Gästefan niedergestochen worden war. Der Mann erlag seinen schweren Verletzungen.

Das Spiel in Berlin wurde mit einer einstündigen Verspätung um 22.00 Uhr doch noch angepfiffen. Viele der 13.000 Zuschauer hatten zu dem Zeitpunkt die Halle bereits verlassen. Den Berlinern gelang es besser, die hässlichen Szenen auszublenden. "Wir haben uns auf unseren Job auf dem Parkett konzentriert", sagte Marko Banic.

Der offizielle Twitter-Kanal von Alba ließ in der Nacht verlauten: "Wir gewinnen 75:68 und sind weiter im Rennen ums Viertelfinale." Wirklich gewonnen hat an diesem Abend aber wohl keiner.


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