"Es geht immer um Leben und Tod"

Von Alexander Mey
Freitag, 17.06.2011 | 22:54 Uhr
Blanka Vlasic überragt fast alle. Hier unter anderem Fürst Albert von Monaco (r.)
© Getty

Blanka Vlasic ist seit Jahren die beste Hochspringerin der Welt und Gegenspielerin der Deutschen Ariane Friedrich. Vlasic ist ein Weltstar der Leichtathletik, ein Show- und Glamour-Girl. Aber sie kann auch anders. Ein Porträt.

Es war ein Bild für die Götter, als Blanka Vlasic bei den Laureus World Sports Awards in Abu Dhabi im Februar gemeinsam mit Golf-Legende Gary Player einen Preis verlieh.

Vlasic, ohnehin schon 1,93 Meter groß, in High Heels, also rund 2,05 Meter groß, neben dem 1,68 Meter kleinen älteren Herrn. Und was machen beide? Sie tanzen miteinander. "Er sagte, er wolle nicht einfach nur eine langweilige Ansage machen. Ich war einverstanden. Es war lustig, es war anders. Es war gut", sagt Vlasic im Interview mit "laureus.com".

Das komplette Interview mit Blanka Vlasic auf www.laureus.com

Vlasic: Schreie, Tänze, provokante Gesten

Lustig, anders, gut. Das beschreibt Vlasic treffend. Die beste Hochspringerin der Welt ist ein extravaganter Typ, der den großen Auftritt liebt, zumindest beruflich. Unvergessen für die deutschen Leichtathletik-Fans ist ihr hoch emotionales Duell mit Ariane Friedrich bei der WM in Berlin 2009.

Vlasic gewann und reist Ende August dieses Jahres als Titelverteidigerin zur WM in Südkorea. Dort wird sie wieder ihre große Show abziehen. Sie wird mit dem Publikum flirten, sie wird schreien, sie wird tanzen, sie wird ihre provokanten Siegerposen auspacken. Wie immer.

Kein Wettkampf ohne Zuschauer

"Es ist mein schlimmster Albtraum, in einem leeren Stadion springen zu müssen", sagt sie. "Die Fans geben mir Extra-Motivation. Aber ich gebe ihnen auch etwas. Schließlich sind sie gekommen, um eine Show zu sehen und keine Roboter, die ihre Emotionen verbergen."

Emotionen hat Vlasic jede Menge. Manchmal sogar zu viele. "Für mich geht es bei jedem Wettkampf um Leben und Tod", sagt sie. "Das ist eine extreme Einstellung, denn ich gebe emotional und körperlich bei jedem Wettkampf so viel, dass ich danach sehr müde bin."

Vlasic hält Weltrekord für möglich

Diese Neigung zur Müdigkeit hat sie aber nicht davon abgehalten, 2009 2,08 Meter zu springen und dadurch auf nur einen Zentimeter an den Uralt-Weltrekord der Bulgarin Stefka Kostadinova heranzukommen.

Weltrekordlerin Vlasic: Nur eine Frage der Zeit? "Der Weltrekord motiviert mich, aber ich bin nicht besessen davon", sagt sie und erklärt: "Es geht ja nicht darum, einfach nur einen Zentimeter höher zu springen, es geht darum, das ganze System um einen Zentimeter nach oben zu verschieben. Das ist ein langer Prozess."

Aber sie ist zuversichtlich: "Wenn ich eine persönliche Bestleistung erzielen möchte, komme ich beim Weltrekord an. Und natürlich ist es mein Ziel, mich weiterzuentwickeln. Ich denke nicht, dass 2,09 Meter das Maximum sind, was eine Frau erreichen kann."

Olympiasieg "ist einer meiner Träume"

Neben dem Weltrekord fehlt Vlasic noch ein Olympiasieg. 2008 in Peking trat sie als Gold-Favoritin an, verlor aber einen hochklassigen Wettkampf gegen die Belgierin Tia Hellebaut trotz übersprungener 2,05 Meter.

"Das war natürlich hart für mich an diesem Abend und auch noch ein paar Tage danach", sagt Vlasic. "Aber ich habe nie verstanden, warum die Leute sagen, dass das die größte Niederlage meiner Karriere war. 2,05 Meter waren doch ein gutes Ergebnis."

Stimmt, aber trotzdem passt diese Aussage nicht zu einer Frau, die von sich selbst sagt, dass sie als Kind keine Brettspiele gespielt hat, weil sie nicht verlieren konnte. Entsprechend groß wird ihr Ehrgeiz sein, in London 2012 endlich ganz oben auf dem Podium zu stehen.

"Das ist einer meiner Träume", gibt sie zu, sagt aber auch: "Wenn ich zwischen Olympiasieg und Weltrekord wählen müsste, würde ich den Weltrekord wählen. Olympiasiegerinnen im Hochsprung gibt es viele, aber nur eine hält den Weltrekord."

Die andere Blanka Vlasic

Einzigartige Blanka. Einzigartig wie wohl ihr Vorname, der sich nämlich aus der marokkanischen Stadt Casablanca herleitet. Als sie am 8. November 1983 geboren wurde, hatte ihr Vater im gleichen Jahr in der Hafenstadt Gold im Zehnkampf bei den Mittelmeer-Spielen gewonnen. Noch heute hält er den kroatischen Rekord.

Da auch ihre Mutter im Sport einen Namen hatte, war der Weg von ihr und ihren drei Brüdern in den Sport quasi vorgezeichnet. Ihre Mutter war übrigens Basketballerin, was die außergewöhnliche Körpergröße erklärt.

Vlasic lebt in der kroatischen Stadt Split und schließt schon jetzt aus, jemals von dort wegzugehen. "Split ist meine Zuflucht", sagt sie. "Das ist der Platz, an dem ich Frieden finden kann."

Das ist die andere Blanka Vlasic, die im Privatleben keine großen Auftritte, keine Posen und keine vollen Zuschauerränge braucht. "Ich mag meine Privatsphäre. Die Blanka im Stadion ist nicht die Blanka im Alltag." Sie reist nicht einmal gerne, sagt sie.

Vlasic mit Nikola Karabatic liiert

Ein bisschen Glamour darf es dann aber ab und zu schon sein, Und damit ist nicht ihre Liaison mit Welthandballer Nikola Karabatic gemeint, den sie 2010 kennen und lieben gelernt hat.

In Anspielung auf ihren Auftritt in Abu Dhabi - dort, wo sie mit Gary Player das Tanzbein geschwungen hat - erzählt sie: "Ich habe den ganzen Luxus dort wirklich genossen. Das Hotel war toll und es war spannend, auf dem roten Teppich all diese Athleten zu sehen. Meine Vorbereitung auf den Event war riesig. Ich bin die ganze Zeit nach Zagreb gefahren, um mich mit kroatischen Designern wegen meines Outfits zu besprechen."

Also doch auch außerhalb der Stadien dieser Welt ein bisschen Show-Girl! Blanka Vlasic fällt auf. Durch ihre Körpergröße, durch ihr Auftreten und natürlich durch ihre herausragenden Leistungen.

Zum nächsten Mal zu bewundern ab dem 27. August bei der WM im südkoreanischen Daegu. Dann aber leider nicht gegen Ariane Friedrich. Die hat nach ihrem Achillessehnenriss andere Sorgen.

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