His Airness, Dealer & Millionen

Von Martin Tschiggerl / ACE Pokermagazin
Alleine bei einem Golf-Duell verspielte Jordan 900.000 Dollar
© Getty

Ehrgeiz: Fluch & Segen

Die Wette unterstreicht einen Charakterzug Jordans, der ihn beim Glücksspiel ins Verderben führte: Er kann nicht verlieren. Eine Niederlage bereite ihm physische Schmerzen, sagte er einmal. Und: Er könne nicht einmal seine Kinder gerne gewinnen lassen.

Eigentlich ist das bei einem Profisportler eine gute Sache, denn es lässt ihn härter arbeiten und alles für einen Sieg geben. Viel von Jordans unglaublichem Erfolg hängt damit zusammen. Als die Bulls etwa zum Beispiel Ende der 80er Jahre zweimal in den Playoffs gegen die Detroit Pistons ausschieden und diese speziell Jordan besonders brutal und physisch verteidigten, trainierte MJ den ganzen Sommer wie ein Tier.

Als er wiederkam, war er härter, schwerer und kräftiger und somit gerüstet für die brutalen Schlachten mit den Pistons. In den nächsten Playoffs ließ sich Jordan nicht mehr herumschubsen und die Pistons wurden mit 4:0 abgefertigt.

Jordan: "Ich war bescheuert"

Auch beim Glücksspiel hasste Jordan das Verlieren und spielte so lange, bis er endlich gewann. Dabei erhöhte er ständig die Einsätze, um seine Verluste wieder auszugleichen - ein typisches Verhaltensmuster für einen Spielsüchtigen. Wie viel Jordan wirklich bei diversen Glückspielen verloren hat, weiß wahrscheinlich nicht einmal er selbst.

Speziell beim Golf waren es wahrscheinlich Millionen. Denn angeblich ist der als nicht sonderlich guter Spieler bekannte Jordan ein äußerst beliebtes Opfer für Golf-Hustler, wie die professionell wettenden Golfer auch genannt werden.

Mittlerweile hat Jordan seine Glücksspielprobleme überwunden. In einem Interview bei der bekannten US-TV-Show "60 Minutes" räumte er 2005 ein: "Ja, ich habe mich durch Wetten in Situationen gebracht, aus denen ich nicht mehr herauskam und an die Grenze gegangen bin. Dafür schäme ich mich. Ich schaue in den Spiegel und sage: Ich war bescheuert."

Sportler als Glücksspieler

Michael Jordan ist bei weitem nicht der einzige Ex-Sportler, der eine fatale Liebe zum Glücksspiel entwickelt hat. NBA-Kollege Charles Barkley räumte kürzlich ein, beim Glücksspiel bisher wahrscheinlich über 10 Millionen Dollar verloren zu haben.

Anders als Jordan sieht dieser jedoch kein Problem darin, schließlich habe jeder Mensch irgendein Laster und außerdem hätte er noch genügend Geld auf der hohen Kante.

Auch die tschechische Eishockey-Legende Jaromir Jagr und der englische Fußballer Wayne Rooney sorgten durch Spielschulden in kolportierter Millionenhöhe für Aufsehen.

Besonders drastisch ist der Fall der Baseball-Legende Pete Rose. Dieser wettete sogar auf Spiele seiner eigenen Mannschaft, was seinen Ruf wahrscheinlich auf ewig ruiniert hat. Trotz seiner unglaublichen Leistungen auf dem Feld wird er aufgrund der zahlreichen Wettskandale wohl nie in die Hall-of-Fame aufgenommen werden.

Glücksspiel als Ersatzdroge

Doch was lässt so erfolgreiche Sportler in solche Probleme schlittern? Psychologen haben dafür eine recht einfache und schlüssige Erklärung: Die meisten Spitzensportler stehen während ihrer Karriere unter starkem Erfolgsdruck, erleben dafür aber eine Belohnung in Form von Anerkennung und Prestige und Erfolgen.

Fallen diese Faktoren nach dem Karriere-Ende weg, beginnen die Probleme. Viele Ex-Sportler berichten, dass es ihnen schwer fällt, ohne Wettkampf zu leben. Schließlich hatte dieser bisher ihr Leben bestimmt. Sie suchen eine Kompensation: wie das Glücksspiel. Auch Jordan hat bestätigt, dass es als Rentner noch schlimmer wurde.

Dream Team in Olympischer Ruhmeshalle

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