Das schöne Gelsenkirchen immer im Herzen

Von Bernd Gutmann
Freitag, 28.01.2011 | 16:12 Uhr
Der echte Schalke-Fan fühlt sich nur an einem Ort richtig wohl. Wo? Natürlich auf Schalke
© Getty

Seit fast vier Monaten lebe ich mittlerweile in München. Und mir gefällt es immer besser. Doch die Kurzbesuche in der Heimat lassen Wehmut in mir aufkommen. München ist halt nicht Gelsenkirchen. München ist halt nicht Schalke.

Als Schalker hat man es wahrlich nicht immer leicht. Erst recht nicht in dieser Saison. Der Blick auf die Tabelle, er schmerzt. Dieses Schwarz-Gelb ganz oben - echt nicht schön. Königsblau mit weitem Abstand erst im Mittelfeld der Tabelle vorzufinden - noch viel unschöner.

Vielleicht wäre das ganze ja halb so wild, würde ich mich in meiner Heimat befinden und mit meinen Schalke-Kumpels das Leid teilen können. Im schönen (ja, ich sage das ohne Ironie) Gelsenkirchen. Doch da bin ich nicht. Berufsbedingt weile ich in München. Und ich bin gerne hier, ohne jede Frage. Denn hier ist es auch schön.

Kein Gelsenkirchen, aber auch schön. Anders schön halt.

Blau-Weiße Einsamkeit in der Millionenstadt

Nur ist man hier einsam, so als Schalker. Auf der Arbeit - keine Schalker. Die Freunde die man hier kennenlernt, alle nett - aber eben auch keine Schalker. Sie sind nicht nur alle keine Schalker, sie sind dazu auch noch echte Anti-Schalker. Die Sorte Menschen, die einen direkt mit Häme und Spott überschütten, wenn man mal eine unglückliche 0:5-Pleite in Kaiserslautern kassiert. Zugegeben, ich würde es im umgekehrten Fall nicht anders machen. Das gehört halt zum Fußball. So wie Bratwurst und Veltins zum Arena-Besuch. Also Schalke-Arena, versteht sich.

Wenn hier von der Arena geredet wird, dann ist etwas ganz anderes gemeint. So ein schlauchbootähnliches Gebilde. Da pilgern die Fans hier in München hin, wenn es am Wochenende um Bundesliga-Punkte geht. Soll angeblich die schönere Arena sein. Kokolores.

Heimweh nach dem Heimatbesuch

Aber am Wochenende bin ich derzeit meistens eh auf der Arbeit. Und hab ich doch mal frei, dann wird natürlich Schalke geguckt. Im Münchner Westend befinden sich die Isar-Schalker - ein S04-Fanclub, der zum Großteil aus gebürtigen Ruhrpottlern besteht, deren Mitglieder es ebenso wie mich in den Süden der Republik verschlagen hat. Ein echter Ersatz für mein Schalke sind diese aber auch nicht.

Umso schöner war es, als ich vergangene Woche zur Geburtstagsfeier des besten Freundes in die Heimat gefahren bin. Vor der Fete wurde mit den Kumpels natürlich noch das Spiel der Knappen in Hannover geguckt. Schön war es. Also mit den Jungs. Das Spiel jetzt weniger. War halt Schalke. Aber zumindest hat das Ergebnis gestimmt.

Abends gab's dann die Feier. Natürlich auch mit Alkohol. Als der dann (ganz spät nachts) richtig wirkte, wurden dann im Chor Schalke-Lieder angestimmt (gibt es eigentlich schönere Klänge, als die Stimmen eines Haufens betrunkener Fußball-Fans?). Das kann man zwar auch in München machen, doch hier wird man im Idealfall höchstens dafür belächelt und alleine macht das dann auch alles nur halb so viel Spaß. Anders in Gelsenkirchen. Mit Schalkern halt.

Dem Netz sei Dank

Am nächsten Tag wurde sich zum gemeinsamen Play-Station-Zocken verabredet. Der Champions-League-Sieg sollte auf der Konsole angegangen werden. Natürlich mit Schalke. Hat aber nicht ganz geklappt.

Auch der virtuelle Messi machte mit dem virtuellen Metzelder was er wollte. Sei's drum. Die reale Revanche gibt's dann im realen Viertelfinale. Optimismus a la Schalke halt. Der ist nicht immer gesund und mit dem fällt man auch gerne auf die Schnauze. Aber daraus lernt ein Schalker nicht - will er auch gar nicht. Schalke wäre für uns Fans ja eh nur halb so schön, würde man der Realität völlig unverträumt ins Auge sehen.

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24 Stunden nach der Schmach von Camp Nou hieß es dann bereits wieder Abschied nehmen. Aus dem schönen Gelsenkirchen. Sechs Stunden Fahrt herunter ins wie bereits erwähnt anders schöne München.

Bis Ende März werde ich noch hier bleiben. Bis dahin muss ich mich halt irgendwie durchschlagen. Immerhin gibt es ja das Internet. Worüber man sich auch aus gut 650 Kilometer Entfernung über seinen Verein informieren kann. Und die sozialen Netzwerke helfen auch. Erst werden die entsprechenden S04-Foren nach News uns Gerüchten abgeklappert (Welchen moldawischen Star-Kicker hat Felix Allmächtig dieses Mal an der Angel?) und dann wird mit den Freunden darüber diskutiert (Kann uns dieser moldawische Star-Kicker auch wirklich weiterhelfen?).

So bleibe ich stets auf dem Laufenden. Über mein Schalke. Das es immer bleiben wird. Das könnten auch weitere Jahrzehnte München niemals ändern.

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