Die Faszination VfL Wolfsburg

VW, Roy Präger und das magische Dreieck

Von Marvin Sonntag
Sonntag, 06.02.2011 | 21:36 Uhr
So sieht die heilige Stätte aller VfL-Fans aus: Die Volkswagen-Arena in Wolfsburg
© Getty

Angefangen hat im Grunde genommen alles durch die Liebe meines Vaters zum VfL Wolfsburg. Er war schon zu Oberliga-Zeiten bei fast jedem VfL-Heimspiel - ewig ist's her. Das erste Mal in Kontakt gekommen bin ich mit dem Fußball und dem VfL in der Saison 1996/1997, als der VfL noch in der 2. Liga spielte und ich sechs Jahre alt war.

Ich war völlig planlos, hatte ein Panini-Album, in das ich die Sticker krumm und schief einklebte und war noch von Niemandem Fan. Etwas Besonderes war dieses erste Spiel für mich nicht, denn der Fußball war wie eine andere Welt, von der ich nichts wusste und die ich nicht verstand.

Erst in den folgenden Monaten wuchs mein Bewusstsein für den Fußball, denn ich fing selbst an, aktiv in unserem Dorfverein Fußball zu spielen. Die Faszination für den Profifußball begann sich an einem Nachmittag zu entwickeln, als mein Vater und ich bei unserem fußballverrückten Nachbarn waren, der sich die Bundesliga-Konferenz im Radio anhörte und über den Fußball philosophierte. Ich konnte das Ganze noch nicht nachvollziehen, aber in mir wuchs ein starkes Bedürfnis, alles verstehen zu müssen.

Nach diesem ersten Spiel wollte ich unbedingt wieder zu einem Fußballspiel. Doch mein Vater nahm mich nicht mit, denn er hatte mit einem Kumpel eine Stehplatz-Dauerkarte, als 6-jähriger Knirps hätte ich neben den beiden nichts sehen können. Ich musste es akzeptieren. Aber wie das so ist, was man nicht hat, möchte man noch viel mehr haben als etwas, das man leicht haben kann.

Hand in Hand mit Roy Präger

Etwas später, leider weiß ich nicht mehr gegen wen der VfL gespielt hat, wurde unser Dorfklub auserkoren mit den Spielern vom VfL bei einem Bundesligaspiel auflaufen zu dürfen. Ich sollte also auf andere Weise die Möglichkeit bekommen, bei einem VfL-Spiel dabei sein zu können. Und das noch viel näher am Geschehen, Hand in Hand mit einem Profi! Ich glaube es war zum Ende unserer ersten Bundesliga-Saison, als es so weit war. Unser Stürmer Roy Präger wurde allmählich zum Helden in Wolfsburg, denn er hatte schlussendlich großen Anteil am Klassenerhalt.

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Wie sollte es anders sein, natürlich wollte ich mit unserem besten Spieler auflaufen, mit Roy Präger. Ich erinnere mich noch genau, wie die Spieler in den Spielertunnel angerückt kamen. Und verdammt, ich hatte keine Ahnung wer da nach meiner Hand griff. Aber auf einmal das große Glück. Irgendwie hatte etwas nicht gepasst, alle Spieler rückten um eins nach hinten, sodass mein Wunsch, mit Roy Präger auflaufen zu dürfen, dann doch tatsächlich in Erfüllung ging. Er griff nach meiner Hand und wir liefen zusammen aufs Spielfeld. Das war damals einfach das Größte für mich, er war mein Kindheitsidol.

In der Folgezeit nahm mich mein Vater immer häufiger mit zu den Spielen. Seitdem liebe ich den VfL! Bis heute und vielleicht für immer. Nach zuvor neun Jahren Dauerkarte konnte dieser Liebe auch mein letztjähriger Umzug aufgrund meines Studiums weit weg von Wolfsburg nichts anhaben. Aber die Spiele live vor Ort fehlen mir dann doch.

Schlechte Zeiten, gute Zeiten

An den Aufstieg in die erste Bundesliga 1997 erinnere ich mich leider nicht wirklich, das war noch nicht die Zeit, in der mich mein Vater regelmäßig mitnahm. Konkret verbinde ich die letzten Jahre mit dem VfL. Angefangen bei den beiden Spielzeiten, in denen wir gegen den Abstieg spielten. Der VfL bot von Spiel zu Spiel fürchterliche Leistungen, ohne Kampf und Siegeswillen, der Trainer schien die Mannschaft zu neutralisieren, gefühlstot zu machen.

Das Endspiel gegen Kaiserslautern war das spannendste Spiel, das ich je erlebt habe. Es war nervenaufreibend und unglaublich emotional, richtiger Abstiegskampf eben. Aber auch etwas, das ich nie wieder erleben wollte. Doch nächste Saison sah es genauso aus, wir wurden wieder 15. und konnten uns erneut nur ganz knappt aus der drohenden Schlinge befreien. Diese beiden Spiele sind jedem Fan präsent.

Felix und das magische Dreieck

Ebenso präsent ist jedem aber auch die Zeit danach, die Ära Magath. Aus einem kaputten Team baute er innerhalb von nur zwei Jahren ein unglaublich intaktes Gebilde, das souverän die Meisterschaft holte. Natürlich hatte er die nötigen Mittel dafür zur Verfügung, aber was er teilweise für Transfers getätigt hat, ist rückblickend einfach nur stark.

Dzeko wurde für vier Millionen Euro gekauft, jetzt für 35 Millionen verkauft. Und andere Spieler haben sich ebenfalls enorm entwickelt, viele spielen noch immer bei uns und sind auf ihrem Karrierehoch, Marcel Schäfer zum Beispiel ist jetzt Kapitän. Vom Absteiger zum Meister, das ist eine bleibende Erinnerung.

Besonders an einzelne Spiele aus der Meistersaison erinnere ich mich gerne zurück. Als erstes fallen mir da das 5:0 in Hannover ein, das 5:1 gegen die Bayern mit der Grafite-Hacke und natürlich das 5:1 gegen Bremen und die anschließende Meisterfeier. Aus der Meistersaison bleibt ebenfalls für immer in Erinnerung das magische Dreieck, bestehend aus Misimovic, Grafite und Dzeko. Was sie geleistet haben, muss uns erst einmal jemand nachmachen. Darauf bin ich stolz. Leider ist heute nicht mehr viel davon übrig.

Wie kann man nur?

Die Frage nch dem "Warum" stellt man sich als VfL-Fan eigentlich nie, man bekommt sie immer nur aufgedrückt. Wenn man Jemandem sagt, man sei Fan vom VfL Wolfsburg, dann kommt immer nur, "ahhh, also Fan von VW, kann ich nicht verstehen...".

Aber genau das ist es, was den VfL und die ganze Stadt so besonders macht. Die innige Verbundenheit des Hauptarbeitgebers der Stadt und dem Verein. Wolfsburg hat etwa 120.000 Einwohner, das VW-Werk in Wolfsburg beschäftigt alleine 50.000 Mitarbeiter. Das muss man sich einmal vorstellen. Ich denke, es gibt nichts Vergleichbares.

Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass VW Sponsor vom VfL ist. Die beiden gehören untrennbar zusammen - VW ist Hauptsponsor seit 1952. VW engagiert sich an vielen Stellen in der Stadt, gehört zum Leben und zum Verein dazu. Wir haben nicht die Probleme wie andere Vereine mit dem Geld. Ich sage: gut so - und danke VW. Ich bin stolz, dass sich um den Verein ein so mächtiger Konzern kümmert.

Natürlich sagen viele, das sei unfair. Vielleicht ist es das. Aber ein VfL und die Stadt Wolfsburg ohne VW, das kann ich mir nicht vorstellen, die Stadt Wolfsburg gäbe es so nicht. Deswegen ist es gut, wie es ist, und ich hoffe, es bleibt auch so.

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