Mittwoch, 09.04.2008

Zuspruch vom Titan

Kahn findet deinfussballclub.de interessant

München - Mannschaftsaufstellung per Mausklick, Neuzugänge via Internet-Abstimmung und irgendwann Trainerentlassungen auf Tastendruck? Das Management durch Fans ist keine Zukunftsvision mehr.

© Getty

Fast 30.000 Internetnutzer haben sich in England bereits in den fünftklassigen Club FC Ebbsfleet United eingekauft, beim früheren Zweitligisten und heutigen Verbandsligisten Fortuna Köln wollen binnen weniger Tage nach Projektbeginn schon mehr als 2500 Nutzer vom Computer aus mitbestimmen.

"Ich habe schon mit dem einen oder anderen darüber diskutiert, dass es mal einen Verein geben könnte, der nur über das Internet von den Fans geführt wird. Das ist sicherlich eine hoch interessante Sache, auch wenn alle Fußball-Konservativen aus dem Fenster springen, wenn sie sich mit dieser Möglichkeit beschäftigen", sagte Bundesliga-Oldie Oliver Kahn zu der Spielerei.

"Ich hab das auch mal durchdacht, wenn die Zuschauer die Mannschaft aufstellen, wenn die Zuschauer über den Trainer entscheiden können. Das ist revolutionär und hoch interessant, aber ob das wirklich praxisfähig wäre, weiß ich nicht."

Fußball zur Basis zurückbringen

Der Praxistauglichkeit muss erst noch erbracht werden, aber Potenzial birgt die gelebte Fußball-Demokratie allemal in sich. "Es geht uns um die Meinung der Fans. Wir wollen den Fußball zur Basis zurückbringen", erklärte Will Brooks, der im Februar 2005 die Idee zum englischen Unterfangen hatte.

Wobei die erreichte Basis sehr jung ist: Das Durchschnittsalter der Mausklick-Manager bei "www.myfootballclub.co.uk" soll bei 27 Jahren liegen. Durch den jährlichen Mitgliedsbeitrag (knapp 44 Euro) spülten 28.000 Internetnutzer aus über 70 Ländern schätzungsweise eine Million Euro in die Kasse des Clubs, ein Teil ging auch für die Verwaltung im Internet drauf.

Bislang wurde dort laut "Spiegel" nur über den Ausrüster oder die Gestaltung von Shirts und Hosen abgestimmt. Künftig soll via Internet auch die Mannschaft aufgestellt werden. Trainer Liam Daish wird sein Team dann vorschlagen, die User stimmen ab.

Sorge hat der Coach nicht. "Letztlich ist doch die Gefahr größer, dass ich mich mit einem einzelnen überwerfe als mit 30.000 Leuten", sagt Diash, der auf seiner Position absolutes Bestimmungsrecht behält. Trainer und Spieler sind zwar Vollprofis, verdienen aber im Schnitt gerade mal 2000 Euro im Monat.

Wunder von Köln

Etwas weniger basisdemokratisch als im Mutterland des Fußballs soll es bei Fortuna Köln zugehen, wo Sommermärchen-Regisseur Sönke Wortmann der Schirmherr des Projekts ist.

Für 39,95 Euro pro Jahr können die Internet-Surfer beim als "Wunder von Köln" gepriesenen Modell mitmachen. Über die Aufstellung sollen sie nicht bestimmen können, wohl aber Ratschläge dazu geben. Per Abstimmungen über www.deinfussballclub.de soll zudem direkter Einfluss auf die Aktivitäten des Klubs genommen werden.

Hoffen auf das Derby

Über das Internet-Portal wollen Wortmann & Co. mindestens 30.000 Fußball-Fans finden, damit das Projekt richtig beginnen kann. Als Stichtag hat man sich den 31. März 2009 gesetzt. Sollte die Schwelle erreicht werden, hätte die Fortuna nach drei überstandenen Insolvenzen dann ebenfalls rund eine Million Euro in der Kasse.

Dann dürfte der Traditionsclub mit seinen Online-Organisatoren wieder auf eine besseren Zukunft und sogar auf Derbys gegen den großen Bruder 1. FC Köln hoffen.


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