Montag, 21.04.2008

Fortuna-Coach Matthias Mink im Interview

Der Hitzfeld der Verbandsliga

München - Mit dem Projekt deinfussballclub.de geht der Verbandsligist SC Fortuna Köln einen innovativen Weg. Über das Internetportal sollen angemeldete User in Zukunft über Vereinsgeschicke abstimmen können.

© dfc

Trainer Matthias Mink bekommt so im besten Falle über 30.000 virtuelle Manager und Co-Trainer an die Seite gestellt.  Eine reizvolle Aufgabe, wie er gegenüber SPOX.com betont.

Im Interview spricht der 40-jährige Ex-Profi über das Projekt deinfussballclub.de, wie er und sein Team damit umgehen und wie das eigentlich damals unter Jean Löring so war.

SPOX: Herr Mink, wann haben Sie erstmals von diesem Projekt gehört und wie haben Sie reagiert?

Matthias Mink: Ich habe Mitte März davon erfahren und war anfangs angetan, aber auch skeptisch. Man muss das ja so sehen: Da kommen ein paar Leute und stellen dir ein Projekt vor, von dem man noch nie gehört hat. Ein Projekt, das den ganzen Verein verändert. Klar, dass man da erstmal skeptisch ist. Ich habe mir das aber dann genau angehört und mich auch über das Projekt in England mit dem FC Ebbsfleet informiert. Nach ein paar Tagen war ich überzeugt.

SPOX: Hatten Sie keine Angst um Ihre Souveränität als Trainer?

Mink: Mir wurde im ersten Gespräch zugesichert, dass dem Trainer die Entscheidungsfreiheit erhalten bleibt. Das war wichtig. Sollte der Trainer irgendwann nicht mehr die Entscheidungsfreiheit haben, macht er sich doch zum Kasper. Ein Trainer trainiert ja nicht nur, er motiviert, er ist Respektperson, und dann sollte er auch die Autorität haben, die Mannschaft aufstellen zu dürfen.

SPOX: Wie werden Sie künftig mit den 30.000 Co-Trainern kommunizieren?

Mink: Ich werde unter der Woche hin und wieder mal mit der Community chatten und mich austauschen. Es wird bestimmt auch Talkrunden vor Ort geben. Genau fixiert ist aber noch nichts. Das wird sich zeigen.

SPOX: Sind Sie dafür gewappnet, sich auch mit emotionalen Fortuna-Fans auseinander zu setzen?

Mink: Klar, ich muss mich ja auch den Spielern gegenüber rechtfertigen. Wenn jemand sagt: 'Trainer, warum stellst du mich nicht auf?' muss ich auch argumentieren. Genauso wird das auch gegenüber der Community stattfinden. Dass das dann wahrscheinlich nicht immer nur sachlich ablaufen wird, kann man nicht verhindern. Ich werde trotzdem versuchen, es so vernünftig wie möglich rüberzubringen. Ich denke, ich kann damit sehr gut umgehen.

SPOX: Was hat sich seit Projektstart am 3. April schon verändert?

Mink: Ganz klar der Arbeitsumfang. Es gab viele Medienanfragen, ich gebe weitaus mehr Interviews als sonst, sogar Fernsehteams waren da. Es sind nicht nur unangenehme Seiten, aber der Zeitfaktor ist doch beträchtlich angewachsen. Was die Mannschaft betrifft, musste man erstmal eine Balance finden. Auf der einen Seite steht das öffentliche Interesse, das immens angewachsen ist, aber auf der anderen Seite sind die Spieler dadurch auch abgelenkt. Das war nicht einfach.

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Matthias Mink spielte selbst sieben Jahre in der Zweiten Liga für die Fortuna
Matthias Mink spielte selbst sieben Jahre in der Zweiten Liga für die Fortuna
© sebastian flügel

SPOX: Die Mannschaft scheint das aber gut verkraftet zu haben - zuletzt gab es drei Siege in Folge.

Mink: Alles relativ. Die drei Siege waren alle gegen Gegner gegen die man gewinnen musste, wenn man aufsteigen will. Nichtsdestotrotz war das alles nicht so begeisternd und überzeugend, wie wir das in der Vorrunde schon hinbekommen haben.

SPOX: Haben Sie den Spielern eingetrichtert, sich nicht verrückt machen zu lassen?

Mink: Es ist doch so: Der sportliche Erfolg steht vor dem Erfolg des Internetportals. Steigen wir auf, spricht man in fünf oder zehn Jahren noch davon. Und beim Internetportal weiß man ja noch nicht hundertprozentig, ob es ein Erfolg wird. Das habe ich mehrfach versucht, der Mannschaft klar zu machen.

SPOX: Ist die Motivation der Gegner jetzt besonders hoch, die Fortuna zu schlagen?

Mink: Diesen Sonderstatus hat man sowieso als Traditionsverein und als Verein mit den meisten Fans in der Liga.

SPOX: Sie sind quasi der FC Bayern der Verbandsliga Mittelrhein.

Mink: Ein bisschen übertrieben, aber ja. Das öffentliche Interesse ist natürlich nicht so groß wie bei den Bayern, aber wenn hier ein Gegner antritt, dann ist er schon sehr von der Atmosphäre angetan, die für Verbandsliga-Verhältnisse unglaublich ist.

SPOX: Wissen Sie eigentlich, dass der FC Bayern der Fortuna noch ein Freundschaftsspiel schuldet?

Mink: Ich habe davon gehört, aber die genauen Umstände sind mir nicht bekannt. Das wäre der absolute Traum, wenn der FC Bayern hierher ins Südstadion käme.

SPOX: Sie selbst haben sieben Jahre für die Fortuna in der Zweiten Liga gespielt. Welche positiven Erinnerungen haben Sie?

Mink: Die gewonnenen Derbys gegen den 1. FC Köln sind mir natürlich in bester Erinnerung. Darauf schaut man gerne zurück, das waren absolute Highlights.

SPOX: Und dann gab es da noch die Episode während Ihrer Zeit als Teammanager, als Jean Löring Toni Schumacher in der Halbzeit entließ.

Mink: Ich saß damals auf der Tribüne und habe das aktiv gar nicht mitbekommen. Erst als alle wieder zur zweiten Halbzeit raus kamen, nur der Trainer nicht, wurde ich stutzig. Ich bin dann runter und dann wurde mir erzählt, der Schäng hat den Toni Schumacher gerade in der Kabine entlassen. So war er eben.

SPOX: Was verbinden Sie heute noch mit Jean Löring?

Mink: Zum einen eine unglaubliche Vereinstreue und Herzlichkeit, auf der anderen Seite aber auch eine Strenge und Härte, die ich so vorher noch nicht kannte.

SPOX: Wenn das Projekt läuft - in was würden Sie als erstes investieren?

Mink: Natürlich in die Mannschaft, in zweiter Instanz aber auch in Jugendarbeit und Infrastruktur. Wir brauchen dringend einen Kunstrasenplatz, damit wir bei schlechtem Wetter nicht immer auf Asche trainieren müssen.

SPOX: Zuerst steht noch der Schlussspurt in der Liga an. Wie groß ist die Chance auf den Aufstieg in die neue NRW-Liga?

Mink: Das kann man nicht in Prozentzahlen ausdrücken, aber ich denke, dass wir es selbst in der Hand haben. Wenn wir die nächsten Spiele erfolgreich bestreiten, läuft alles auf ein Endspiel am letzten Spieltag in Leverkusen hinaus.

Interview: Florian Bogner

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