Mittwoch, 09.02.2011

Die SPOX-Blogschau

"Ein janusköpfiger Heuchler"

Gelassenheit geht anders. Nicht nur auf Schalke regt sich immer mehr Unmut über Trainer Felix Magath und seine Vereinspolitik. Auch in den Blogs anderer Vereine überwiegt die Aufregung. Nur Wenige erinnern an die Erfolge des ehemaligen Meistertrainers. Der Blick in die Blogosphäre.

Trainer Magath weht auf Schalke ein kalter Wind ins Gesicht - an Kritik wird nicht gespart
© Getty
Trainer Magath weht auf Schalke ein kalter Wind ins Gesicht - an Kritik wird nicht gespart

 

Felix Magath - ein janusköpfiger Heuchler

"Was ich schlimm finde ist die gewisse Menschenverachtung, die dieser selbstverliebte Mensch an den Tag legt. Da vergleicht er Ali Karimi mit einer Feuerschutzversicherung ("die schließt man ab in der Hoffnung, die niemals zu brauchen") und verpflichtet Spieler vor dem Hintergrund, sie hoffentlich nie zu brauchen. Das ist Menschenhandel par excellence. Parallel beschwert sich Magath aber über die Söldnermentalität vieler Profis. Janusköpfiger und heuchlerischer geht es fast gar nicht mehr. Ich würde mir wünschen, dass Magath in Schalke grandios scheitert oder alternativ, dass der Aufsichtsrat so vernünftig ist, ihn endlich zu schassen und dass er zumindest in Deutschland keine Chance mehr bekommt, seinen Machenschaften nachzugehen."

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Im Jubel ging der Schalker Unmut unter

"Es geht nicht um Angelos Charisteas oder Ali Karimi. Eigentlich geht es nicht mal um den schlechten Fußball, den Schalke in dieser Saison zeigt. Die unbefriedigende sportliche Entwicklung bietet nur die Möglichkeit, einen deshalb öffentlich nicht mehr so gut dastehenden Felix Magath besser angehen zu können. Was gerade auf Schalke passiert ist ein Kampf um die Vereinskultur: Um den Umgang mit- und die Kommunikation untereinander, um die Ausrichtung des Clubs, das Festlegen von Zielen. Sich dazu eine abschließende Meinung zu bilden ist schwierig, weil kaum einzuschätzen ist, ob sich Schalke 04 eine Kurskorrektur leisten kann.

Stünde Schalke auf Platz 4 hätte die Verpflichtungen Ali Karimis sicher andere Reaktionen ausgelöst. Ablösefrei, nur für 17 Spiele, ein Spleen des Trainers. Ende letzter Saison wurde ob des sportlichen Erfolgs gejubelt, trotz der zwischenzeitlichen Verpflichtung des 34-jährigen Mineiros, trotz Besart Ibraimi oder Lubos Hanzel. Im Jubel über das Sportliche ging der Unmut über die immer schlechter werdende Vereinskultur unter."

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Eier, wir wollen keine Eier!

"Es sind dann doch immer die Gleichen, die den Kopf des Trainers letztlich rollen sehen wollen. War es zuvor noch Jürgen Klinsmann, der das größte Unheil für den Klub von der Säbener Straße darstellte, ist es jetzt Louis van Gaal. Was Klinsmann falsch machte - kein schlüssiges Konzept, keine Kontinuität, keine Eier in der Hose - sollte und musste korrigiert werden. Einer wie van Gaal war da genau der richtige. Von dem Niederländer wusste man, der hat sie - Eier also. Und auch die letzten Zweifler wurden leibhaftig davon überzeugt. Ein Konzept hatte er auch - ein langfristiges. Und Kontinuität in seinem Handeln ist eine Ur-Eigenschaft van Gaals. Genau das also, was der FC Bayern nach Klinsmann brauchte und wollte.  Und siehe da, der "knorrige Holländer" avancierte sogar zum sympathischen "Feierbiest". Piep, piep, piep - wir haben uns alle lieb.

Jetzt aber ist das alles falsch. Das Konzept und das Festhalten an diesem wird ihm nun als Sturheit und Beratungsresistenz ausgelegt. Seine Eier sprechen die Sprache der Arroganz und stehen für eine seltsame Form der Menschenführung. Die Flexibilität seiner Mannschaft, die er von Beginn an predigte, ist nun ein Personalgeschiebe auf verkehrte Positionen. Das langfristige Konzept hin zu einer jungen, hochklassigen Mannschaft ist jetzt das gnadenlose Absägen alter Haudegen, die man ja immernoch gut gebrauchen könnte."

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Wenn der Druck weiter steigt, hilft nur Oli Kahn...

"Mit jedem weiteren Spiel der verschenkten Punkte steigt der Druck gewaltig. Wie schnell der Vorstand dann reagieren kann, wird van Gaal sicher mal mitbekommen haben. Er sollte also vielleicht bald in gewissen Punkten umdenken. Ich bin großer Freund von dem, was Louis van Gaal beim FC Bayern tut und bewirkt hat, aber wenn die Mannschaft mehrfach höchst desolat aus der Pause kommt und drei Punkte wehrlos und stümperhaft abschenkt, dann liegt das zu großen Teilen an dem, was der Trainer den Spielern in der Kabine geflüstert hat. Und wenn der Kölner Trainer seiner Mannschaft den goldenen Hinweis gibt, dass die Bayern nicht selten schlecht aus der Pause kommen und man dies bitte versuchen solle auszunutzen, dann deutet das nicht unbedingt darauf hin, dass van Gaal in der Kabine ausschließlich die richtigen Maßnahmen ergreift.

Ich bin wirklich enttäuscht. Natürlich trifft den Trainer die Schuld nicht exklusiv, aber es ist immerhin auf ihn zurückzuführen, wenn eine über 45 Minuten gut funktionierende Mannschaft nach der Pause wie verwandelt auftritt."

Baziblogger: Die Bayern als Amüsement des Volkes

 

Darum Fußball

"Die erste Niederlage nimmt man hin. Kann ja mal passieren. Die zweite ärgert einen, aber noch ist ja alles offen. Nach der fünften, sechsten und siebten Niederlage ist man furchtbar wütend und verzweifelt und weiß gar nicht wohin mit seinen Emotionen. Aber irgendwann, nach der x-ten Niederlage und einer immer aussichtsloseren Tabellensituation hat man sich fast schon an die wöchentliche Demütigung und die Wut gewöhnt. Anstatt jedes Wochenende zu explodieren, gleichen die Emotionen irgendwann einer kleiner werdenden Flamme die zwar stetig vor sich hin brennt aber weit von früheren Zeiten entfernt ist.

Und dann erlebt man einen Tag wie diesen und plötzlich steht man wieder an einem Punkt, wo der Fußball alles bedeutet. Wo alle Emotionen wieder da sind, stärker als je zuvor. Und in diesem Moment weiß man, dass es manchmal genau die durchlebten Tiefen sind, die man braucht um die Höhen richtig schätzen zu können. An Tagen wie diesen wird man belohnt für alles was man zuvor durchgemacht hat. Für den Verein. Für die Stadt. Für den Stolz. Aber am aller wichtigsten: für das eigene Herz, das am VfB hängt wie an sonst kaum etwas."

Gedanken eines Fans: Tage wie dieser

 

In der Ostkurve nichts Neues

"Von den Unionern gabs (soweit ich es akkustisch vernommen habe) einfach mal NICHTS, NULL, NIENTE in Richtung "anti-hertha" Schlachtgesänge. Das eigentlich erwartete "Nur zu Hertha..." blieb ebenso aus, wie ein hämisches "Siehst du Hertha ...". Nichtmal ein kleines "Scheiß..." war zu vernehmen. Der rot-weisse Support besang ausschließlich und mit einer 600%ig höheren Abwechslungsquote den eigenen Verein, das eigene Team, oder eben sich selbst. Das nötigt schonmal Respekt und Anerkennung ab, auch wenn ich mir insgesamt etwas mehr optische Untermalung des Union-Supports und noch etwas konsequentere Umsetzung in Sachen Kontinuität und Lautstärke versprochen habe. Liebe Ostkurve. DAS war mal ein armer, niveauloser und peinlicher Auftritt erster Güte. Wer weiß, vielleicht würden manche Spiele mit angemessener Unterstützung FÜR DAS EIGENE TEAM auch mal anders laufen, wenn die Mannschaft den Rückhalt der Fans auch dann spürt, wenn sie nicht in Führung liegt."

Berlinderby 2010/2011: Die Sache mit dem Niveau

 

Weinende Vereinsmitarbeiter

"Manche Dinge passieren einfach. Mit dem Abpfiff im Berliner Olympiastadion beim Stande von 1:2 für den 1. FC Union bei Hertha BSC ist etwas passiert. Der 1. FC Union Berlin ist nach außen hin ein professioneller Verein. Er ist Teil der Vermarktungsmaschine DFL und unterwirft sich ihren Regeln.

Trotzdem rennt Dirk Zingler, Präsident des 1. FC Union, mit Abpfiff auf das Spielfeld und möchte seine Freude teilen. Trainer Uwe Neuhaus steht selbst noch unter Strom und weiß mit der menschgewordenen Freude, die vorher mal sein Vorgesetzter war, nichts anzufangen. Nebenan nimmt Teammanager Christian Beeck eine Mitarbeiterin erst in den Arm und hebt sie dann hoch. Presse- und Stadionsprecher Christian Arbeit weint. Der Moderator des Vereinsfernsehens muss sich ebenfalls Tränen aus den Augen wischen."

Textilvergehen: Krönung ohne Titel

 

Die Sucht nach der Unsicherheit

"Für viele Formel Eins Fahrer scheinen Rallyes ein faszinierender Sport zu sein. Kimi Räikkönen hat es dorthin gezogen, Kubica, Vettel finden es spannend und wenn eine Umfrage machen würde, kämen trotz des Unfalls des Renault Piloten noch weitere Fahrer hinzu. Vermutlich liegt die Faszination darin, eben nicht auf einer nach allen Seiten abgesicherten Strecke unterwegs zu sein. Vermutlich brauchen diese außergewöhnlichen Menschen einfach den Kick, auf der letzten Rille auf unsicheren Straßen unterwegs zu sein. Für manche sieht es nach Wahnsinn aus, für sie ist es ein Spaß, eine Herausforderung, eine Quelle, aus der sie Kraft schöpfen. Das ist verrückt und doch normal.

Robert Kubica ist einer dieser Verrückten. Ein Motorsportfanatiker, ein Racer, der selbst in seiner Freizeit den Kick braucht. Er ist keiner dieser Roboter, keiner, der immer nur brav nickt. Vor einer Woche, bei der Vorstellung des R31 wurde er gefragt, ob es schon immer sein Traum war, ein Lotus Pilot zu sein. Seine Antwort lautete: "I think Lotus is our sponsor. At least from what I know it is a sponsor. So I could also say it is my dream to drive for Total". Das sagt viel über ihn aus und seine Art aus. Und während andere Fahrer ihre Zeit im Simulator verbringen, sucht er die Herausforderung auf engen Straßen."

Racingblog: Robert Kubica - Unverantwortlich oder echte Leidenschaft?

 

Der HSV: Rain Men

"Da war nix. Kein Spiel. Wegen Unbespielbarkeit des Platzes wurde das Derby leider abgesagt. Nun ist es klar, daß der Gegner und die Fans des Gegners auf uns rumhacken, uns dilettantisches Handeln vorwerfen und mit Häme überschütten. Klar, daß gehört dazu und wäre andersherum wohl auch so gewesen. Was mich ankotzt: Wenn die eigenen Fans nun anfangen laut gegen die Verantwortlichen zu stänkern. Ne klasse, können wir gerade so richtig gut gebrauchen. Einfach mal die Fakten lesen und danach motzen!"

NedsBlog: Bundesliga, einundzwanzig

 

Niemals unterschätzen: Trainer mit Ponyfrisur

"Pezzaiuoli hat jetzt noch 13 Spiele Zeit, seine Mannschaft zu formen und zu zeigen, was er draufhat, auch was sinnvolle Ergänzungen für die neue Saison angeht. Die Chancen auf einen Platz für den internationalen Wettbewerb sind mit dem neuen Coach jedenfalls nicht geringer geworden. Dass auch kleiner gebackene Brötchen lecker schmecken können, zeigt ein ums andere Mal Freiburg, diese Saison werden auch Hannover und Mainz für diesen Weg belohnt.

Hoffenheim wird auch in Zukunft mehr Geld in die Hand nehmen können als diese Vereine, aber mehr Bodenständigkeit mit einer taktisch versierten, jungen Mannschaft dürfte zur neuen Unübersichtlichkeit der Liga positiv beitragen. Trainer mit jungenhafter Ponyfrisur sollte man niemals unterschätzen."

Volk ohne Raumdeckung: Der nette Herr Pezzaiouli

 

Was man außerdem unbedingt lesen sollte

Wie oft hat eigentlich schon das Torverhältnis über Tabellenpositionen entschieden? Der Trainer Baade weiß es. Einen wunderbares Video aus dem Camp Nou gibt es dagegen bei Fritten, Fußball & Bier. Im Blog Curi0usities kann nachgelesen werden, warum das mit den Tickets beim FC St. Pauli einfach nicht klappen will und der Schalkefan überzeugt durch einen praktischen Service: Der offene Brief zum Ankreuzen! Und zuguterletzt: Hamburg Schwarz-Gelb will einen Dortmundfilm drehen, The Boy in the Bubble berichtet vom Spiel Fortuna Köln gegen RWE und Check von hinten präsentiert das sensationellste Mannschaftsfoto aller Zeiten. Als abendfüllender Abschluss: Alles zum Six Nations Turnier bei Allesaussersport.

 

Die nächste Blogschau erscheint in einer Woche, am Mittwoch, den 16. Februar. Alle früheren Ausgaben findet Ihr im Blogschau-Archiv oder unter http://www.spox.com/blogschau

Außerdem könnt Ihr kostenlos den RSS-Feed der SPOX-Blogschau abonnieren: http://www.spox.com/pub/rss/blogschau.xml

Max-Jacob Ost

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