Nick Bollettieri: „Ich bin verrückt, Baby“

Von Denise Maryodnig
Freitag, 14.10.2016 | 15:15 Uhr
© GEPA

Von Denise Maryodnig ("Kleine Zeitung") aus Linz

Meine Schüchternheit hab' ich in den letzten Jahren abgelegt. Es gibt keine dummen Fragen, sondern nur dumme Antworten. Doch ich komm' lieber zur Sache. Mit meiner Frage fing der Pressekonferenz-Marathon mit Starcoach Nick Bollettieri nämlich an. Wahrscheinlich war es die bisher längste PK in Linz - eine Stunde, nicht übel. Es brannte mir auf der Zunge zu fragen, inwiefern die Coaches von damals und heute sich "verändert" haben? Die Antwort war ausführlich, aber ich fasse zusammen: "Vier Dinge sind heutzutage wichtig: Technik, die körperliche Verfassung, das Mentale und eben das Team. Als Einzelner hast du es heute immens schwer. Heute kommst du mit einer Waffe nicht mehr weit, du musst ein Allrounder sein."

Ein englischer Kollege stellte, wie ich finde, keine unwichtige Frage. Er wollte wissen, ob man die Regeln bei Grand-Slam-Turnieren ändern sollte oder nicht: "Nein, das wäre einfach ungerecht."

Eine dezidierte Sache zeigte mir, wieso ich diesem Sport treu geblieben bin. "Es gibt einen Unterschied zwischen einem Tennislehrer und einem Coach. Der Lehrer spielt seine Stunde runter und kassiert sein Geld. Der Coach ist 24 Stunden am Tag für seinen Schützling da." Diese Aussage hat mir imponiert, denn sie stimmt 100-prozentig. Warum er eigentlich noch immer unterwegs ist? "Na ja, ich habe acht Frauen, das kostet halt." So ist er einfach...

Er klang extrem hart: "Ich habe mal zu Mary Pierce gesagt, dass sie fett sei. Sie kam mit Tränen in den Augen und sagte, ‚Warum sagst du das zu mir?' ‚Weil, du es bist.'" Zweieinhalb Monate später triumphierte sie bei den Australian Open. Es hat gewirkt - und wie sagt er so schön: "Manchmal muss man den Bullshit weglassen." Wo er Recht hat... Auch damit traf er ins Schwarze: "Man hört nie auf zu lernen. Wenn du aufgehört hast zu lernen, musst du wieder in die Schule zurück."

"Ich bin verrückt, Baby", war mit Abstand meine Lieblingsäußerung. "Denn du musst verrückt sein, um zu glauben, dass man was erreichen kann, das eigentlich unerreichbar scheint." Ja, ja, verrückt ist er schon, aber dass er seine Spieler angeblich sein Auto waschen lässt - was irgendwann mal jemand in die Welt gesetzt hat -, stimmt übrigens nicht. Auf die Frage, ob er einen Lieblingsspieler habe, kam wie aus der Pistole geschossen "Nick Bollettieri". Okay, ein Scherz, er kam dann doch auf Andre Agassi. Den hätte der 85-Jährige gern im hohen Bogen aus der Akademie verbannt, denn er hat alle Regeln gebrochen, aber er hat an ihn geglaubt, und was aus ihm geworden ist, wissen wir alle.

Ratet mal welchen Spieler der Gründer der Nick Bollettieri Tennis Academy (mittlerweile IMG Academy) trainieren möchte? Klar, es ist der "Maestro", Roger Federer. Wer würde das nicht wollen? Tommy Haas, der damals mit elf Jahren zu ihm kam, ist für ihn wie ein Sohn. "Er wird seinen Job als Turnierdirektor in Palm Springs (bei Indian Wells; Anmerkung) sehr gut machen, denn er kennt die Spieler und das Spiel." Meinen "heimlichen" Favoriten, Rafael Nadal, kommentierte er so: "Es wird sehr schwer für ihn, noch ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. Er ist ein Spieler, der für jeden einzelnen Punkt kämpfen muss, und das geht an die Substanz." Ich glaube weiter an den "Matador aus Manacor", da kann mich auch kein Bollettieri einschüchtern. Und wenn es jemand schafft, stärker zurückzukommen, dann ist es für ihn Maria Sharapova, deren Ehrgeiz unbändig ist. Ach ja, übrigens, der Serbe Novak Djokovic ist für ihn der "perfekteste Spieler", den er je gesehen hat, und in Grigor Dimitrov steckt noch viel, viel mehr Potential als er derzeit zeigt.

"Exzellent", mit diesem einen Wort beschreibt Bollettieri Österreichs Nummer eins, Dominic Thiem.

Auch von ‚Babsi' Haas hält er übrigens große Stücke.

Ein Schnappschuss mit dem Presseteam durfte selbstverständlich nicht fehlen. Nach der Partie von Madison Keys fragte er sogar noch nach, ob wir alle Spaß hatten. Ja, hatten wir. Es war mir ein Vergnügen!

"I don't try, I just do it."

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