Tennis

Davis Cup: Oberschiedsrichter Norbert Peick - "Man fängt nicht bei Null an"

Von Jens Huiber
Norbert Peick hat in Graz die Zügel in der Hand
© Jürgen Hasenkopf

Norbert Peick ist einer jener Oberschiedsrichter im Tenniszirkus, die seit Jahren bei den größten Veranstaltungen für einen geordneten Ablauf sorgen. An diesem Wochenende ist Peick in Graz beim Match zwischen Österreich und Australien im Einsatz (alle Partien zwischen Österreich und Australien live auf DAZN).

Von Jens Huiber aus Graz

tennisnet: Herr Peick. Wie unterscheidet sich Ihre Arbeit als Oberschiedsrichter bei einem Davis-Cup-Match von jener bei einem ATP-Turnier wie etwa in München?

Peick: Grundsätzlich kommt man an einen Ort, an dem noch kein Turnier war. So wie hier. Das heißt, wir müssen am Montagabend da sein für ein Match, das am Freitag beginnt. Bei einem Turnier wie etwa in München sind die Plätze schon da, die Tribünen, da gehen wir kurz hin und überprüfen, ob alles in Ordnung ist. Hier misst man zu Beginn den Platz, schaut, wie lange es hell ist, all diese Vorbereitungsgeschichten. Weil wenn irgend etwas nicht passt, haben wir wenigstens ein paar Tage Zeit. Es ist schon öfters vorgekommen, dass eine Linie an der falschen Stelle oder eine Netzstütze zu hoch ist. Das checken wir als erstes.

tennisnet: wie haben Sie die Anlage hier in der Grazer Messe vorgefunden?

Peick: Das ist ein Wahnsinnsaufbau aus nichts. Und jetzt haben wir hier einen supergroßen, superfesten Platz, der wirklich schön gebaut ist, mit guten Tribünen rundherum. Ich denke, es ist angerichtet für ein gutes Davis-Cup-Match.

"Ich weiß nicht, ob diese wilden Davis-Cup-Geschichten stimmen"

tennisnet: Mit Spiegeln geblendete Spieler, ein nicht zu bändigendes Publikum. So soll es zu Zeiten eines Muster oder Becker gewesen sein. Warum hat sich das in den letzten Jahren geändert?

Peick: Ich weiß nicht, ob diese wilden Geschichten alle stimmen. Ich bin jetzt schon relativ lange dabei und habe, ganz ehrlich, noch nie ein wildes Publikum gesehen. Ich habe ein oder zwei Trottel gehabt, die versucht haben, irgendeinen Klick mit einer Dose zu machen, wenn ein Spieler gerade aufschlägt. Das ist relativ geschickt, weil man kann schlecht nachweisen, dass es Absicht war. Aber mehr als das hab ich eigentlich nicht erlebt. Der Davis Cup lebt davon, dass das Publikum die Mannschaften unterstützt, aber eben auf eine faire weise. Und in den letzten zehn, 15 Jahren ist der Davis Cup super geworden. Auch weil die Teams untereinander sehr kollegial sind.

tennisnet: Wie rekrutieren sich bei einem Davis-Cup-Match eigentlich die Linienrichter?

Peick: Der heimische Verband benennt einen Chief of Officials, der sich um die Linienrichter kümmert. Und der schlägt ein Team vor. Und die ITF muss das absegnen. Das sind durchwegs heimische Schiedsrichter mit einschlägiger Erfahrung im Fed Cup oder Davis Cup oder bei anderen Turnieren. Das wird geprüft, es gibt ja eine Datenbank mit allen Officials. Dazu kommen zwei professionelle Schiedsrichter.

"Tatsachenentscheidungen trifft der Stuhlschiedsrichter"

tennisnet: Das sind in Graz konkret?

Peick: Gianluca Moscarella aus Italien und Christian Rask aus Dänemark.

tennisnet: Wie oft ist es bei einem Davis-Cup-Match schon vorgekommen, dass Sie als Oberschiedsrichter eingreifen mussten?

Peick: Es kann schon mal passieren. Tatsachenentscheidungen trifft der Stuhlschiedsrichter, das ist kein Thema. Da mische mich nicht ein, auch wenn ich etwas anderes sehen würde, darf ich mich nicht einmischen. Was aber auch gar nicht passiert bei der Qualität der Schiedsrichter, die wir auf diesem Level haben. Wenn es darum geht, ob ein Platz bespielbar ist, dann muss man schon manchmal etwas machen. Da muss ich ja auch selbst hingehen und mir ein Bild machen.

tennisnet: Im vergangenen Jahr waren Sie in der Relegation in Kanada eingesetzt, jetzt ist es Österreich geworden. Kann man für bestimmte Matches bei der ITF Präferenzen angeben?

Peick: Es gibt keinen Bewerbungsmodus. Man geht dahin, wo man eingeteilt wird. Das passiert auf der ganzen Welt, von all jenen Referees, die verfügbar sind, und die die ITF einsetzen möchte. Ich war im letzten Jahr viel unterwegs, in diesem auch, und das mache ich gerne. Hier in Graz ist es für mich ein bisschen einfacher, weil ich mit jedem reden kann. Ich kann in meiner Muttersprache mit den Leuten auch informell ein paar Sachen einfach mal zwischendurch machen, wo ich sonst vielleicht jemand bräuchte, um zu erklären. Den Hans, den Platzwart hier, kenne ich seit 15 Jahren. Da fängt man nicht bei Null an.

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