Tennis

Noah Castillo feiert beim Februar-Challenger seinen ersten HTT-Karriere-Titel

Von Claus Lippert
© Hobbytennistour

Es ist vollbracht! Im 16. Anlauf nach vielen Niederlagen und mentalen Rückschlägen hat sich Jungstar...

Es ist vollbracht! Im 16. Anlauf nach vielen Niederlagen und mentalen Rückschlägen hat sich Jungstar Noah Castillo am Dienstag Abend endlich seines Potentials entsprechend den ersten Turniersieg seiner noch jungen HTT-Karriere gesichert. Der 14jährige machte im Endspiel der. 5. Auflage des Februar-Challengers im UTC La Ville kurzen Prozess mit seinem russischen Gegenüber, und entschied das 35. rein internationale Finale der HTT-Geschichte gegen den 7fachen Titelträger Stanislav Perepelkin in lediglich 51 Minuten mit 6:1, 6:1 für sich. Mit seinem Premierentitel über den russischen HTT-Rekordturniersieger fuhr Castillo zudem einen historischen Titel ein. Es war der erste HTT-Turniersieg für die Dominikanische Republik, womit der Karibik-Staat als 28. Nation – ausgenommen Österreich – Aufnahme in die umfangreiche und bunt gefächerte internationale Siegerliste der Hobby-Tennis-Tour fand. Ein Bericht von C.L

Castillo sorgt für 165. internationelen Turniersieg der HTT-Geschichte und Perepelkin im Endspiel seines 90. HTT-Turnierstarts platt wie eine Flunder

Der vermeintlich beste Spieler des Turniers und an Nummer 1 gesetzte Noah Castillo hat sich am Finaltag des 5. Februar-Challenger-Turniers im UTC La Ville keine Blöße gegeben, und im finalen Duell mit Russlands Routinier Stanislav Perepelkin seine Favoritenrolle mehr als eindrucksvoll bestätigt. Der 14jährige vom CTP Pötzleinsdorf degradierte im 11. Saisonfinale 2018 den russischen Bringerkönig Stanislav Perepelkin mit zwei Mal 6:1, und sorgte für den ersten internationalen Turniersieg 2018 und den insgesamt bereits 165. Titel eines internationalen HTT-Spielers in der HTT-Open Ära seit 1990. Castillo beherrschte eine einseitige Partie vom Start weg nach Belieben, und hatte sich nach nur 23 Minuten mit einem souveränen 6:1 mit 1:0 in Sätzen in Führung gebracht. Druckvoll, dynamisch und vorallem cool agierend, Castillo spielte in diesem finalen Generationen-Duell seinen 20 Jahre älteren Gegner an die Wand, und kam während des gesamten Spieles nie auch nur einen Augenblick in Bedrängnis. Perepelkin fiel spätestens jetzt sein seit Jahren gepflegter und auch im Semifinale gegen seinen Landsmann Dmitriy Zikanov praktizierter Spielstil auf den Kopf. Wenig Risiko, hohe Flugbahn, so mühte sich “Stani” ist seinem 90. Karriere-Turnier in fast 4 Stunden durch sein Halbfinale. 19 Stunden später und kaum vorhandener Regeneration, war der russische Bär platt wie eine Flunder. Sein 130. Karriere-Einzelsieg und damit verbunden der mögliche 8. HTT-Turniersieg waren nie in Reichweite. Nach 51 Minuten und einem zweiten einkassierten 1:6, war Perepelkin womöglich sogar froh, dass der Februar-Challenger-Marathon endlich ein Ende hatte.

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Mühsame Zeiten liegen nun hoffentlich hinter Noah Castillo

Im Hause Castillo hingegen wird der 20. Februar hinkünftig wohl zum Familien-Feiertag erkoren. Im 16. Anlauf war es endlich soweit, konnte Noah Castillo erstmals überhaupt sein Können auch in ein entsprechendes Resultat ummünzen. 3 Mal stand der junge Mann der Dominkanischen Republik bislang in einem Achtelfinale, darunter beim September-HTT-250-Turnier 2016. Im Vorjahr spielte sich der Teenager bis ins Viertelfinale des HTT-Erste Bank Open Challengers, damit war die ergebnistechnische Herrlichkeit aber auch schon vorbei. Viel öfter bekam man hingegen einen unentspannten, aufgebrachten und oftmals frühzeitig aufsteckenden Castillo zu sehen, der sich Woche für Woche weit unter Wert verkaufte und nur gelegentlich sein Potential aufblitzen ließ. So wie zum Beispiel beim HTT-Wimbledon-Turnier 2016, als er nach überstandener Quali in Runde 1 des Hauptbewerbs den 2fachen Masters-Champion und 16fachen Turniersieger Philipp Schneider ins Schwitzen brachte und nur knapp in zwei Sätzen unterlag. Castillo wurde aber auch schon mal von Mama Melanie vom Platz geholt, als er nach wiederholtem Schlägerwerfens in Runde 1 des letztjährigen Mai-Challengers im UTC La Ville gegen den Südtiroler Dorian Falk knapp vor dem Sieg stand. Trotz Matchballes musste er vom Court, und den möglichen Aufstieg ins Achtelfinale bei 5:5 im dritten Satz ad acda legen.

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Der gelungene Schachzug von Tennispro Akademie Headcoach Michael Oberleitner

Mit dem gestrigen Abend sind diese Momente freilich vergessen. Vor den Augen seiner Mama und seiner Tante holte Noah zum ganz großen Coup aus. 147 Ränge hat der Teenager in der heute neu erschienenen neuesten Ausgabe der HTT-Entry-List gutgemacht, und einen gewaltigen Sprung von Platz Nr. 376 auf Position Nr. 229 gesetzt. Ein entscheidender Anteil an diesem Erfolg gebührt aber auch seinem Trainer Michael Oberleitner. Der 51jährige Headcoach der Protennis Akademie in der Cumberlandstrasse, einst im Sommer 1988 sogar die Nr. 280 der ATP-Computer-Weltrangliste und ausgewiesener Tennisfachmann mit langjähriger Erfahrung, hat den mittlerweile 2 Jahre unter seinen Fittichen trainierenden Junior diesmal bewusst in ein Challenger-Turnier geschickt, um dem jungen Mann auch mal sowas wie eine Injektion an Selbstvertrauen zu verpassen. Ein gelungener Schachzug der voll aufging, auch wenn Noahs Premieren-Triumph von Außen viel einfacher aussah, als er tatsächlich war. Denn als Nummer 1 und bester Spieler des Turniers, stand der 14jährige in jeder seiner fünf Partien als haushoher Favorit auf dem Platz und daher auch dementsprechend unter Druck. Druck den er sich vorallem selber machte, und der im Semifinale gegen Nathalie Gratzl richtig heftig wurde. Gegen ein Mädchen zu verlieren – obwohl dieses eine bombastische Vorstellung ablieferte – hätte nicht ins Weltbild des Teenies gepasst und dem schwankenden Selbstvertrauen des frischgebackenen Februar-Challenger-Siegers enorm geschadet.

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Noah Castillo – 445. Turniersieger der Open Ära – in einer ersten Stellungnahme

Ausgleich zu seinem 4 x pro Woche am Programm stehenden Tennistraining findet Noah übrigens im Boxen. Und durchgeboxt hat sich Castillo jetzt auch endlich zu seinem ersten Turniersieg. “Nachdem ich so oft in der Vergangenheit verloren habe, und zuletzt auch kaum mehr Matches gewinnen konnte, freue ich mich jetzt natürlich sehr über diesen Turniersieg. Auf dem Papier war es jetzt vielleicht nicht sonderlich schwer, aber gerade deshalb lastete an diesem Wochenende extrem viel Druck auf mir. Ich war in jedem Spiel Favorit und musste gewinnen. Besonders schwer war es am Montag im Semifinale gegen Nathalie Gratzl. Das war kein leichtes Match, weil sie extrem gut gespielt hat und ich permanent Angst hatte, Fehler zu machen und am Ende womöglich zu verlieren. Insgesamt bin ich aber mit meinem Abschneiden sehr zufrieden. Es war spielerisch gut und auch mental größtenteils in Ordnung”, meinte das 445. Siegergesicht der HTT-Geschichte.

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