Vom geprügelten Loser zum gefeierten Champion – die HTT-Woche von Lukas Schöggl

Von Claus Lippert
Dienstag, 11.04.2017 | 20:46 Uhr
© Hobbytennistour

Lukas Schöggl ist am Dienstag Nachmittag im Endspiel des 7. April-HTT-150-Turniers und im Duell zwei...

Lukas Schöggl ist am Dienstag Nachmittag im Endspiel des 7. April-HTT-150-Turniers und im Duell zweier Final-Debütanten gegen Clemens Rattasits als Sieger hervorgegangen. Der an Nummer 8 gesetzte Steirer benötigte für seinen 6:1, 7:5 Erfolg über den älteren der Rattasits-Brüder exakt 65 Minuten, ehe er nach 66:48 Gesamtpunkten, 4:1 gelungenen Breaks und 27:7 Winnern hoch verdient über seinen Premieren-Titel auf der Hobby-Tennis-Tour jubeln durfte. Nach starkem Beginn und glücklichem Finish stehen letztlich 150 Ranglisten-Punkte zu Buche, die den 28jährigen zudem zurück unter die Top 100 der HTT-Computer-Rangliste hieven, wo er in der neuesten Ausgabe auf Karriere-High-Ranking Nr. 61 Ostern feiern kann. Schöggl ist außerdem das 393ste Siegergesicht der Open Ära. Ein Bericht von C.L

Vom Prügelknaben zum gefeierten Champion binnen 10 Tagen

So schnell kann das im Tennis manchmal gehen! Vom Prügelknaben zum gefeierten Turniersieger binnen 10 Tagen! Eine unglaubliche Geschichte, geschrieben von Lukas Schöggl, der bis zu seinem großen Triumph am Dienstag Nachmittag eher unscheinbar und ohne die spektakulären Erfolgserlebnisse durch den Circuit tingelte. Vor einer Woche noch, war Schöggl nach seinem blamablen Erstrunden-Ausrutscher beim März-Masters-Series-1000-Turnier gegen das 12jährige russische Supertalent Aljona Kastakina als geprügelter Hund vom Platz geschlichen, und für einige Tage wohl Hohn & Spott der Tennisszene ausgesetzt. Auch im Tennisclub der rund 4000 Einwohner zählenden Marktgemeinde Oberalm im schönen Salzburger Land, war man angesichts der Niederlage von einem der ihren gegen ein 12jähriges Mädchen beschämt und überrascht. Schöggl hatte sich in drei Sätzen die wohl bitterste Niederlage seiner Karriere zugezogen, und eine Pleite hinnehmen müssen, die durchaus auch nachhaltige negative Konsequenzen hätte haben können. Doch statt sich zu verkriechen, schüttelte der 28jährige das Kasatkina-Trauma eine Woche später mit 5 Siegen in beeindruckender Art und Weise wieder ab. In 18 Turnieren seiner seit Oktober 2015 laufenden Karriere hatte Schöggl bis zu diesem Wochenende ein einziges Semifinale erreicht, anno 2017 bis zum April-HTT-150-Turnier bei 5 Turnierstarts kein einziges Mal die Runde der letzten 32 überstanden, ehe er zum großen Coup ausholte.

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Clemens Rattasits wird bei Final-Premiere Opfer seiner Nerven und erlebt die bittersten 13 Minuten seiner Tennis-Karriere

Mit dem Viertelfinalerfolg über den an Nummer 2 gesetzten Michael Nikoll hatte Schöggl Kurs in Richtung Endspiel genommen, spätestens mit dem 7:6, 6:3 Semifinal-Erfolg im Duell der Kasatkina-Opfer gegen Florian Thurner, hatte der 28jährige Lunte gerochen, innerhalb von einer Woche die Rolle des Pleitevogels abzulegen, und gleich zum ganz großen Schlag auszuholen. In die Karten spielte Schöggl dann mit Sicherheit auch der Umstand, dass sich in der oberen Tableau-Hälfte eines wirklich sensationell stark besetzten April-HTT-150-Turniers die Gesetzten bis ins Semifinale kollektiv verabschiedeten. Das war dahingehend von Bedeutung, als sein Endspielgegner Clemens Rattasits in seinem ebenfalls ersten Karriere-Finale speziell in der Anfangsphase Opfer seiner Nerven wurde. Der 16jährige erlebte die bitterste Viertelstunde seiner HTT-Laufbahn, genaugenommen waren es sogar nur 13 Minuten, in denen der Achtelfinalbezwinger von Titelmitfavorit Jürgen Brunner sein ganz persönliches Desaster erlebte. Mit 0:5 legte der Jungstar vom TC Nikitsch einen klassischen Fehlstart hin, ehe er mit eigenem Aufschlag zumindest die Höchststrafe im ersten Satz verhindern konnte.

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Clemens Rattasits rehabilitiert sich im zweiten Satz, kann den Premieren-Titel von Lukas Schöggl aber nicht verhindern

Weitere 9 Minuten später wurde auch den unter den Zuschauern weilenden Eltern von Rattasits Angst und Bange, denn mit einem erneut früh kassierten Break drohte der 16jährige bei 1:6, 0:2 ins totale Debakel zu schlittern. Bis hierher war Rattasits so gut wie alles missglückt, was in einem ersten Karriere-Finale schief gehen kann. Die Nervosität nicht im Griff, gelangen dem bis ins Endspiel so souverän agierenden 16jährigen die einfachsten Übungen am Centercout nicht mehr. Kinderleichte Überkopfbälle verschlug Rattasits genauso, wie aufgelegte Vorhandbälle im Halbfeld. Kurzum: Rattasits agierte von der Rolle, und benötigte im 21. Saisonfinale der HTT die Mithilfe seines Gegners. Und die bekam er dann auch. Mit einem misslungenen Stoppversuch und einer abgerissenen Vorhand, half der Steirer seinem jungen Gegenüber auf die Sprünge. Bei 1:2 kam Rattasits dann praktisch aus heiterem Himmel gegen einen bis hierher souverän servierenden Schöggl zu seiner allerersten Break-Chance, und Minuten später durfte sich Clemens nach drei ensuite gewonenen Aufschlagspielen sogar erstmals über eine Führung freuen. Die Nummer 161 im HTT-Computer-Ranking hatte zu seinem Spiel gefunden, agierte stabiler und vorallem mutiger, und legte mit eigenem Service jeweils bis 5:5 vor. Dann gelang Schöggl das entscheidende Break zum 6:5, ehe er im letzten Aufschlagspiel mit drei Service-Winnern aus zwei abgewehrten Break-Chancen einen Matchball machte, und diesen nach exakt 1:05 Stunden Spielzeit mit einem gefühlvollen Volley sicher verwandelte.

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