Russische Finalgala Sikanovs sorgt für Bewunderung, Kritik und Reformen

Von Claus Lippert
Donnerstag, 23.02.2017 | 18:17 Uhr
© Hobbytennistour

Der russische Tour-Newcomer Alexander Sikanov hat am Dienstag Abend im Endspiel des 9. Februar-Maste...

Der russische Tour-Newcomer Alexander Sikanov hat am Dienstag Abend im Endspiel des 9. Februar-Masters-Series-1000-Turniers eine viereinhalb Jahre anhaltende Durststrecke der russichen HTT-Spieler beendet, und mit einem 6:0, 7:6 Finalerfolg über HTT-Australian-Open-Sieger Alex Stokker für den ersten russischen Titelgewinn auf der Hobby-Tennis-Tour seit September 2012 gesorgt. Zudem fügte er Stokker – dem bislang ungeschlagenen rumänischen Shootingstar – dessen allererste Niederlage auf der HTT zu, und beendete damit eine 15 Einzelerfolge andauernde Siegesserie des 2fachen Saisonchampions aus Rumänien. Der Premierentitel Sikanovs löste aber nicht nur bewundernden Applaus, sondern einmal mehr auch heftige Kritik über das Niveau auf Österreichs größter Breitensport-Tennisserie aus. Reformen sind deshalb gefragt! Die HTT-Premier-League steht ohnehin bereits in den Startlöchern, und auch auf HTT-250er-Ebene steht eine Änderung bevor. Ein Bericht von C.L

Social Media Kritik an Starterlaubnis für Alexander Sikanov

Wenn mittlerweile ehemalige ATP-Profis auf der Hobby-Tennis-Tour zum Racket greifen, dann regt sich verständlicher Weise die Volksseele. Wobei das vermutlich übertrieben ist, hat sich doch wieder einmal nur ein Facebook-Fake-Profil eines couragelosen HTT-Kritikers dazu bemüssigt gefühlt, in einigen mit Unwahrheiten vollgepackten Kommentaren die Volksseele der HTT-Community anzuheizen. Unfassbar, was so manch frustrierter, verhärmter und armseeliger Zeitgenosse daheim an seinem Laptop ohne entsprechender Recherche von sich zu geben vermag, und auch noch glaubt damit richtig zu liegen. Wer lesen kann ist klar im Vorteil, und die entsprechenden Fakten sind sowohl auf der HTT-Webseite, als auch im ITN-nuliga-System nachlesbar. Im Kern freilich liegt der anonyme Kritiker nicht so falsch, interessieren sich doch immer mehr Spieler mit einer ITN weit unter dem HTT-Richtwert für die Hobby-Tennis-Tour. Statt sich ständig in einer leierhaften Dauerkritik an einem perfekt funktinierenden System zu üben, sollten die Kritiker aber viel lieber einmal überlegen, warum mittlerweile Spieler jeglichen Colours und jeder Spielstärke versuchen, in die HTT zu gelangen. Der HTT-Veranstalter wiederum macht sich permanent Gedanken darüber, wie man dem stetig steigenden Interesse an der nach Vorbild der ATP agierenden Turnierserie auch spielstärke-technisch gerecht werden kann, und hat rasche Reformen in Aussicht gestellt.

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HTT-250er-Serie hinkünftig als ITN 4,5 und ITN 4,0 Turniere im Angebot, und die HTT-Premier League steht in der Startlöchern

Zwei Maßnahmen stehen in diesem Zusammenhang auf der Agenda des HTT-Veranstalters ganz oben, und schon in Kürze vor der Umsetzung in die Realität. So wird den HTT-Stars mit einer ITN von 4,0 und höher, die von den HTT-Kritikern schon lange geforderte Möglichkeit geboten, Turniere nicht nur spielen, sondern sie auch gewinnen zu können. Umgesetzt wird dies mit einer Reformierung der HTT-250er-Serie, die ab sofort in zwei Kategorien ausgetragen wird. Bereits mit der laufenden Saison, werden HTT-250er-Turniere hinkünftig sowohl in der bisherigen Regelung ab ITN 4,5, wie auch “neu” ab ITN 4,0 zur Austragung gelangen. “Damit sollte dann für alle Beteiligten und alle Spieler der Hobby-Tennis-Tour egal welcher Spielstärke ein entsprechendes Angebot vorliegen”, so der Veranstalter, der einen Vorschlag von HTT-Spieler Gernot Brunner aufgegriffen und in die Tat umgesetzt hat. Und dann wird ein im kommenden Monat zu präsentierendes Projekt für Aufsehen in Tennis-Österreich sorgen. Die HTT-Premiere-League, eine Turnierserie für Profis, Semi-Profis, Neo-Profis, Ex-Profis, aufstrebende Leistungsspieler, alt gediente Exstars und alle die glauben richtig gut Tennis spielen zu können, steht in den Startlöchern, und wird außerhalb der bestehenden Hobby-Tennis-Tour (dort bleibt das Reglement unverändert) eine völlig neue Zielgruppe im österreichischen Tennis ansprechen und ihnen eine sensationelle Plattform bieten.

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Sikanov zerlegt Stokker und dessen Mythos vom unbesiegbaren HTT-Star

Dort könnte dann auch Alexander Sikanov seine Tenniszukunft gestalten, denn für die HTT scheint die ehemalige ATP Nr. 685 doch um einiges überqualifiziert zu sein. Den Beweis dafür trat der 39jährige Russe am Dienstag Abend im Endspiel des ersten HTT-Masters-Series-1000-Turniers der Saison just gegen jenen jungen Mann an, den die HTT-Szene in den ersten eineinhalb Monaten des Jahres als Überflieger registrierte. Doch dann wurde Alex Stokker im Endspiel des 9. HTT-Saisonturniers beinhart und gnadenlos vor Augen geführt, wo die Unterschiede zwischen einem 17jährigen nach Oben strebenden Spieler und einem 39jährigen längst über dem Zenit agierenden ehemaligen ATP Top 700 Akteur liegen. Sikanov dominierte eine an Einseitigkeit selten gesehene Finalentscheidung auf HTT-Masters-1000-Ebene, hatte nach nur 17 Minuten dem bisherigen Saisondominator aus Rumänien drei Mal dessen Aufschlag abgenommen, und eine sichere 5:0 Führung inne. Weil er sich im abschließenden Aufschlagspiel 12 Minuten lang aufhielt, und insgesamt sechs Break-Chancen seines Gegenübers abwehren musste, hatte der erste und mit 6:0 endende Satz am Ende noch “lange” 29 Minuten gedauert. Ob Sikanov dabei “volle Kanne” ging, blieb den Beobachtern verborgen, und weiß wohl nur er selbst.

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Nach Stokker nun gegen Edberg – Alexander Sikanov will auf die Profi-Seniors-Tour

Wie auch immer, weitere 26 Minuten hatte sich Sikanov mit 6;0, 5:1 in Stellung gebracht, ehe er eine künstlerische Pause einlegte. Stokker nahm die Auszeit seines übermächtigen Gegners dankend an, zeigte große Moral und Kämpferherz, und verwandelte mit fünf gewonnenen Games in Serie ein 1:5 im zweiten Satz in eine 6:5 Führung. Das Gefühl, dass der 17jährige diese Partie aber gewinnen könnte, hatte wohl nur sein im Publikum sitzender Manager & Mentor. Die neutralen Zuschauer vermuteten im Smalltalk untereinander, dass sich Sikanov wohl im Tie-Break die Butter nicht vom Brot nehmen lassen würde, und so kam es dann auch. Ein ganz souverän gespieter Tie-Break, und Tennis-Russland jubelte nach dem Premierenerfolg des Alexander Sikanov über den ersten Titel seit September 2012 und den insgesamt achten russischen HTT-Turniersieg der Open Ära. “Alex ist einer der kommenden Stars hier, und es war heute wirklich ganz schwer für mich, konzentriert zu bleiben. Alex war scheinbar ein bißchen nervös und hat mir so eine Chance offen gelassen, und die habe ich genützt”, äußerte sich der Sieger, der einst als 24jähriger wegen Geldmangels seine ATP-Karriere beenden musste, und dann noch mit einem Abschluss-Statement die Konkurrenz schockierte. “Ich würde gerne die Nummer 1 der Hobby-Tennis-Tour werden, und in weiterer Folge möchte ich dann auf die Seniors-Tour der ITF um gegen Stefan Edberg oder Patrick Mc Enroe spielen zu können”, lachte der russische Champion, während Alex Stokker seine erste Niederlage auf der HTT zu analysieren hatte. “Ich habe heute einfach zu viele Fehler gemacht. Der Gegner war halt um eine Klasse besser, so ist das eben. Heute hat nicht viel funktioniert bei mir, und so gratuliere ich meinem Gegner zu seinem ersten Titel auf der Hobby-Tennis-Tour”.

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