Der als unschlagbar gehaltene Gabriel Jovanovic im Semifinale entzaubert

Von Claus Lippert
Samstag, 03.12.2016 | 04:27 Uhr
© Hobbytennistour

Das von allen Experten und Insidern prognostizierte “Traumfinale” bei der 27. Auflage de...

Das von allen Experten und Insidern prognostizierte “Traumfinale” bei der 27. Auflage der HTT-Tour-Finals 2016 zwischen dem an Nummer 1 gesetzten rumänischen Saisondominator Damian Roman und dem bis Freitag Abend ungeschlagenen serbischen HTT-US-Open-Sieger Gabriel Jovanovic ist geplatzt. Und dennoch – oder gerade deshalb – blickt die Hobby-Tennis-Szene dieses Landes am Samstag Nachmittag mit großer Spannung auf den “finalen Showdown” der Hobby-Tennis-Tour, und das Endspiel zwischen dem 2fachen HTT-Wimbledonsieger Vladimir Vukicevic und dem steirischen Masters-Debütanten Alexander Schager. Beide Finalisten hatten am Freitag Abend Schwerstarbeit zu verrichten und drei Sätze zu bestreiten, ehe das prestigeträchtigste Finale des Jahres erreicht war. Schager “bombte” sich mit exakt 50 Winnern in 1:49 Stunden Spielzeit zu einem so nicht erwarteten und letztlich heroisch ausgefallenen 3:6, 6:4, 6:3 Erfolg über HTT-US-Open-Sieger Gabriel Jovanovic, und fügte dem 18jährigen die allererste Niederlage seiner HTT-Karriere zu. Eine Minute weniger benötigte dann in der mit großer Spannung erwarteten Night Session Serbiens HTT-Superstar Vladimir Vukicevic, der im zehnten Duell mit HTT-Branchen-Primus Damian Roman den dritten Sieg feiern konnte, und mit einem 6:1, 1:6, 6:1 Triumph zum ersten Mal in seiner Laufbahn das Endspiel der HTT-Tour-Finals erreichte. Ein Bericht von C.L

Jovanovic mit Blitzstart und gewonnenem ersten Satz

Der steirische Masters-Debütant Alexander Schager hat am Freitag Abend in ganz beeindruckender Manier den Einzug ins Endspiel der HTT-Tour-Finals im UTC La Ville geschafft, und so nebenbei für einen heroischen – ja beinahe elektrisierenden – Erfolg gesorgt. Dem 21jährigen aus Leoben glückte in einem sehenswerten und absolut hochklassigen Halbfinal-Match mit dem ebenfalls erstmals beim Masters aufschlagenden Gabriel Jovanovic eine “Jahrhundertleistung”, die schließlich zu einem überraschenden 3:6, 6:4 und 6:3 Erfolg reichte. “Das war das beste Match meiner HTT-Karriere” jubelte der Sieger bei der Pressekonferenz zu jenem Match, das zu einer echten Sternstunde dieses Turniers avancierte. Nur wenige Minuten nach dem stimmungsvollen Einmarsch der beiden HTT-Stars am Centercourt des UTC La Ville schien die Partie ihren erwarteten Verlauf zu nehmen, legte der zuletzt als Spätzünder bekannte Jovanovic doch einen Blitzstart hin. Von Beginn an mit richtig viel Druck, nahm Jovanovic seinem nervös beginnenden Gegner gleich im zweiten Game den Aufschlag ab, und dieses frühe Break genügte dem HTT-Erste Bank Open Champion aus Serbien bereits zur 1:0 Satzführung.

img_1338_0

img_1358

Schager mit galaktisch gut gespieltem Entscheidungssatz

Im zweiten Durchgang gelang dann Schager das frühe Break im zweiten Game, mit dem er sich bis Mitte des Satzes in Front halten konnte, ehe Jovanovic das Re-Break zum 3:4 gelang. Die Entscheidung in Heat Nummer 2 fiel im zehnten Game, als sich Serbiens Jungstar bei 30:40 und damit zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt seinen zweiten Doppelfehler leistete, und damit zum dritten Mal im Rahmen der HTT-Tour-Finals in einen dritten Satz musste. Dort gelang Schager wieder im zweiten Game das erste Break, und das war für den 21jährigen Leobener vor den Augen seines mitfiebernden Fanclubs die Initialzündung für einen beinahe galaktisch gut gespielten Entscheidungssatz. Schager ließ in der Folge nichts mehr anbrennen, servierte konstant stark, machte zu knapp mehr als 80 Prozent die Punkte wenn sein erster Aufschlag im Feld des Gegners einschlug, und erdrückte mit allein 17 Winnern im Entscheidungssatz selbst den bis hierher ungeschlagenen Power-Server aus Serbien. Der fand nicht eine einzige Breakchance im dritten Satz vor, auch ein Indiz für die gewaltige Aufschlagleistung, die Schager trotz nervlicher Anspannung an den Tag legte. Um exakt 20:30 Uhr hämmerte der steirische Überraschungsmann einen letzten Service-Winner über das Netz, und dann war die im Publikum sitzende steirische Abordnung nicht mehr zu halten. Unter frenetischem Jubel hatte Schager gleich seinen ersten Matchball verwertet, und damit sein viertes Karriere-Finale auf der HTT erreicht. Der 45. Einzelsieg im 65. Spiel bescherte dem 21jährigen wohl den bislang größten Karriere-Erfolg, den er dann bei der Pressekonferenz wie folgt analysierte:

img_1371

Alex Schager über seine Taktik und Jovanovic schwänzt zum zweiten Mal eine Pressekonferenz

“Ich freue mich riesig. Das war sicher das beste Match seit ich auf der HTT spiele. Ich wusste, dass Jovanovic eher der passiviere Spieler ist, viel läuft und viel erwischt. Darum hatte ich mir vorgenommen, aktiv in den Platz zu gehen und Druck zu machen und meine Stärken auszuspielen. Ich wollte Tempo machen und auf Winner gehen, und wenn es funktioniert war mir klar, dass ich dieses Match gewinnen kann”, so der 21jährige. Freude hatte der Sieger auch mit seinem Fanclub, der lautstark und tatkräftig hinter ihm stand. “Natürlich ist es lustiger, wenn Leute zuschauen, das ist klar. Meine Leute vor Ort, dieser Umstand hat mir sicher geholfen, das steht außer Frage”, strahlte Schager. Übrigens: Der unterlegene Jovanovic schwänzte bereits zum zweiten Mal im Verlauf der HTT-Tour-Finals die Pressekonferenz, ließ aber beim Oncourt-Interview mit Moderator Mathias Wagner anklingen, dass ihm eine gewisse Müdigkeit zum Verhängnis wurde. Nach 13 Siegen en suite musste sich der Stadthallensieger erstmals mit der Rolle des Verlierers anfreunden, und die scheint dem 18jährigen nicht auf den Leib geschneidert.

img_1365

img_1384

Vladimir Vukicevic beendet mit Dreisatzsieg über Damian Roman seine Negativ-Serie gegen den Ranglisten-Ersten und steht erstmals überhaupt im Endspiel der HTT-Tour-Finals

Im Endspiel bekommt es der steirische Überraschungsmann mit Vladimir Vukicevic und damit einem alten Bekannten zu tun. Zum vierten Mal innerhalb der vergangenen drei Wochen werden sich Schager und sein serbischer Kontrahent am Samstag Nachmittag auf der HTT gegenüber stehen, und so nebenbei nach dem Eröffnungs-Match auch das abschließende Finale bestreiten. Und auch Vukicevic gelang am Freitag spät Abends ein ganz besonderer Erfolg. Der 35jährige aus Sombor gewann den prestigeträchtigen Jubiläums-Hit gegen den HTT-Branchen-Primus Damian Roman nach 1:48 Stunden Spielzeit und exakt 70 gewonnenen Punkten mit 6:1, 1:6, 6:1, und feierte nach zuletzt vier Niederlagen in Serie den ersten Sieg über den 7fachen Saisonturniersieger seit April dieses Jahres. Das zehnte Duell zwischen der Nummer 1 und der Nummer 2 der HTT stand erstmals seit den HTT-Erste Bank Open 2015 wieder vor einem Finale auf dem Programm, und die mit Spannung erwartete Night Session sah zunächst den HTT-Rasenkönig in der besseren Position. Vukicevic entwickelte mit dem ersten Break zum 2:1 ein richtig gutes Feeling für optimal vorgetragenes Hartplatz-Tennis, und demontierte einen ungewohnt fehlerhaften Titelverteidiger in selten gesehener Art und Weise. Drei Mal nahm Serbiens Ausnahmekönner dem 7fachen Saison-Champion den Aufschlag ab, während die Nummer 1 der HTT mit insgesamt 19 unerzwungenen Fehlern auffällig wurde. Zum Vergleich: In der gesamten Partie gegen Bernhard Scheidl patzte Damian Roman ganze 11 Mal.

img_8865

Damian Roman verpasst nach 47 unerzwungenen Fehlern sein mögliches 150. HTT-Karriere-Single-Match

Im zweiten Satz dann ein umgekehrtes Bild! Damian Roman kam mit seiner ersten Break-Möglichkeit zum 2:1 und leitete damit die vorübergehende Wende in diesem Spiel ein. Roman wirkte physisch gefestigter als sein Gegenüber, und knackte gleich drei Mal in Folge den Aufschlag seines schwächelnden Gegners. Vukicevic verzettelte sich gegen einen konstanter und solider werdenden Roman immer wieder in letztlich umerfolgreich verlaufenden Grundlinien-Rallyes, und so war der Satzausgleich mit 6:1 für Roman nur eine Frage der Zeit. Was dann im dritten Satz passierte, wird für Fans des Ranglisten-Ersten aber wohl eher ein Rätsel bleiben. Der sonst so gewohnt stabile HTT-Branchen-Beste, der sogar 1:0 in Führung lag, krachte in ein unerklärliches Debakel, und produzierte dabei Fehler am laufenden Band. Alleine 20 seiner insgesamt 47 Fehler unterliefen dem 3fachen HTT-US-Open-Sieger im entscheidenden dritten Durchgang, den er mit drei kassierten Break letztlich ganz klar und deutlich und auch in diesem Ausmaß verdient mit 1:6 abgeben musste. Damit verpasste Damian Roman sein zweites HTT-Tour-Finals-Endspiel nach 2015, dazu sein mögliches 150. HTT-Kariere-Einzelspiel, sein 12. Saisonfinale und einen achten Turniersieg im Jahr 2016.

img_1400

img_1405

Die Stimmen zur Night-Session zwischen der HTT Nr. 1 und Nr. 2

“Ich war heute nicht bei 100 Prozent, ich bin aber trotzdem zufrieden mit dem Turnierverlauf und mit dem Erreichen des Semifinales. Vladi hat verdient gewonnen, es war ein gutes Match. Ich habe mich heute nicht so wohl gefühlt, ich konnte in der Folge das Spiel bei so vielen Eigenfehlern auch nicht genießen. Ich habe bis zum Ende versucht alles zu geben, heute hat es aber leider nicht gereicht. Natürlich ist der Abend für mich enttäuschend, aber ich freue mich für meinen Freund, und wünsche ihm für das Finale alles Gute”, so der Ranglisten-Leader, der dann zum Abschluss noch einmal ein kurzes Saison-Resümee zog. “Ich bin gespannt, wer in der nächsten Zeit meinen Rekord schlagen wird. 72 Matches mit heute, bei 85 Prozent gewonnenen Spielen, ich glaube das ist nicht schlecht. Man kann nur zufrieden sein. Es war eine unglaubliche Saison, und ich hätte nicht gedacht, dass ich so viele Siege in einem Jahr schaffen kann. Ich bin sehr stolz auf 2016, und ich freue mich auf das nächste Jahr”, bekundete der rumänische Saison-Dominator. “Zuerst möchte ich mich bei Damian für eine tolle Rivalität auf der HTT bedanken. Wir freuen uns über jedes Match gegeneinander und schreiben uns auch vor jedem Spiel. Natürlich ist es bitter, wenn du verlierst, und er hat mich zuletzt vier Mal hintereinander geschlagen. Ich gratuliere ihm auch zu einer tollen Saison. Das war Wahnsinn was Damian heuer geleistet hat. Er war so verdammt schwer zu schlagen. Heute hatte ich aber das Gefühl, dass die Zeit reif wäre, endlich wieder einmal als Sieger gegen Damian vom Platz zu gehen”, erklärte der Sieger, ehe er noch einen kleinen Ausblick auf das Finale gegen Alexander Schager wagte. “Ich will jetzt nicht hochnäsig sein, aber eigentlich sehe ich mich als Favorit, zumindest wenn es bei mir läuft wie in den letzten Tagen. Dann hängt der Ausgang des Finales von mir ab. Aber ich muss es natürlich auch erst durchziehen, und der Alexander wird auch voll um diesen Titel kämpfen. Es wird nicht einfach, aber ich hoffe ich packe das. Ich glaube ich habe sein Spiel im Griff, aber schauen wir mal was das Finale bringt. Ich fühle mich gut, ich bin voller Selbstvertrauen, ich habe meine Freunde dabei und wenn ich fokussiert bleibe, dann sollte das passen”, so der 35jährige Serbe, der voller Selbstvertrauen und mit breiter Brust in sein 21. HTT-Karriere-Finale geht, und dort den 12. Turniersieg seiner Laufbahn anstrebt.

img_1408_0

img_1406

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung