Wimbledon: Qualifikant Dennis Novak verpasst Achtelfinale

Von Ulrike Weinrich
Samstag, 07.07.2018 | 14:51 Uhr
Dennis Novak, Wimbledon
© getty

Der Achtelfinal-Traum ist geplatzt: Qualifikant Dennis Novak ist trotz einer phasenweise bärenstarken Leistung in der dritten Runde von Wimbledon ausgeschieden. Der Weltranglisten-171. aus Österreich verlor mit 6:7 (5:7), 6:4, 5:7, 2:6 gegen den früheren Turnierfinalisten Milos Raonic (Kanada/Nr. 13). Wegen Dunkelheit war die Partie am Freitagabend nach knapp zwei Stunden im dritten Satz beim Stand von 5:6 aus Sicht von Novak vertagt worden.

Von Ulrike Weinrich aus Wimbledon

Nach insgesamt 2:32 Stunden verwandelte Raonic auf Court 12 seinen ersten Matchball und hat nun beste Chancen auf den neuerlichen Viertelfinal-Einzug beim Rasen-Klassiker: In der Runde der letzten 16 trifft der Wimbledon-Finalist von 2016, dem 28 Asse gelangen, nach dem spielfreien Sonntag am Montag auf Mackenzie MacDonald aus den USA, die Nummer 103 im ATP-Ranking.

"Ich bin sehr stolz. Das waren die besten zwei Wochen, die ich erlebt habe. Aber es gibt noch viel zu verbessern", sagte Novak danach im kleinen Interviewraum 6 und meinte: "Ich habe mich heute einfach nicht so spritzig gefühlt wie in den vergangenen Tagen. Milos dagegen hat viel besser returniert als gestern."

Trotz Aus: Novak darf mächtig stolz sein - Top 100 als nächstes Ziel

Novak kann den altehrwürdigen All England Lawn Tennis und Croquet Club nach dem Endes seines Traumlaufs trotzdem hoch erhobenen Hauptes verlassen. Mittlerweile wissen viele, wer dieser furchtlose Kämpfer mit den immensen Qualitäten ist. Sollte er, der bislang fast nur auf der Challenger- und ITF-Tour unterwegs war, seine Leistung konservieren können, ist der Sprung unter die Top 100 der Weltrangliste nur noch eine Frage der Zeit.

Durch seinen Drittrundeneinzug verbessert sich Novak im neuen Ranking auf die Nummer 125 - seine bislang höchste Platzierung. Das Preisgeld von 100.000 Pfund ist umgerechnet knapp die Hälfte dessen, was der Rechtshänder mit den Tattoos an beiden Armen bislang in seiner Laufbahn verdient hat.

Der Österreicher startete gut - doch Raonic schlug zurück

Bei der Fortsetzung am Samstagmittag startete Novak zunächst gut und hatte den Tiebreak beim einer 40:15-Führung quasi schon vor Augen. Doch Raonic, trainiert vom ehemaligen und mittlerweile schon fast ergrauten Wimbledonchampion Goran Ivanisevic, ließ nicht locker. Mit einem Return-Gewinnschlag und zwei weiteren Winnern in Folge holte sich der 1,96-m-Hüne den dritten Satz. Es war die Vorentscheidung

Der Kanadier, geboren in Montenegro und nach etlichen Verletzung derzeit Weltranglisten-32., breakte Novak danach zur eigenen 3:1-Führung und ließ danach nichts mehr anbrennen. Der Außenseiter fand kein Mittel mehr gegen das druckvolle Spiel von Raonic. Sicher auch ein Resultat der kräftezehrenden sechs Partien zuvor.

Novak hatte sicher schon entspanntere Nächte verbracht - als jene von Freitag auf Samstag. Alles war irgendwie neu in diesen Tagen für den Überraschungsmann aus Austria, an fast jeder Ecke im Südwesten von London warteten bislang unbekannte Eindrücke auf den stets freundlichen und verbindlichen Davis-Cup-Spieler. Und Novak saugte die Erfahrungen auf wie ein trockener Schwamm das Wasser.

Dennis Novak hatte sich für den Abbruch entschieden

Der Abbruch des Drittrundenspiels gegen Raonic am Freitagabend wegen Einbruchs der Dunkelheit war wieder so ein Novum in der noch jungen, aber schon so erstaunlichen Grand-Slam-Geschichte des 24-Jährigen. Oberschiedsrichter Brian Earley, ein Mann mit strengem Blick, hatte Novak beim Stand von 5:6 gefragt, ob er sein Aufschlagspiel noch durchführen wolle. Mit dem deutlichen Verweis, dass der vermeintliche Tiebreak wegen der eingeschränkten Sichtverhältnisse ohnehin nicht mehr ausgespielt werden würde. Kontaklinsenträger Novak ("Ich habe nichts mehr gesehen") entschied sich für den sofortigen Abbruch.

Zuvor hatte der Niederösterreicher beim Schlagabtausch mit Raonic, der früheren Nummer drei der Welt, eindrucksvoll bewiesen, warum er als Qualifikant zum zweiten Mal nach den Australian Open ins Hauptfeld eines Majors vorgestoßen war. Und nicht nur das - nach einem souveränen Dreisatzsieg zum Auftakt gegen Peter Polansky (Kanada) hatte Novak in Runde zwei den an Position 17 gesetzten Lucas Pouille (Frankreich) in fünf Sätzen ausgeschaltet.

Klare Führung im ersten Satz verspielt

Gegen Raonic zeigte Novak zeitweise großes Tennis, konnte aber eine 4:1-Führung im ersten Satz nicht nutzen. Auch im Tiebreak des Auftaktdurchgangs hatte er mit 4:1 geführt und war beim 5:3 nur noch zwei Punkte vom optimalen Start entfernt. Auf der Tribüne waren seine Trainer Wolfgang Thiem, Vater von Novak-Kumpel Dominic Thiem, und Günter Bresnik sichtlich zufrieden mit dem Auftreten der Turnier-Überraschung.

Novak hätte der insgesamt vierte Österreicher nach Dominic Thiem (2017), Jürgen Melzer (2010 und 2013) sowie Alexander Antonitsch (1990) werden können, der das Achtelfinale von Wimbledon erreicht.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung