Wimbledon-Traumlauf: Dennis Novak setzt auf die Unterstützung des "Dominators"

Von Ulrike Weinrich
Mittwoch, 04.07.2018 | 19:26 Uhr
Dennis Novak, Wimbledon
© getty

Dennis Novak hat seine wundersame Märchenreise von Wimbledon fortgesetzt. Nach dem erfolgreichen Fünfsatzkrimi gegen den an Position 17 gesetzten Lucas Pouille (Frankreich) setzte der Qualifikant erstmal auf eine lange Behandlung - und holt sich die mentale Kraft für das Drittrundenmatch gegen den früheren Turnier-Finalisten Milos Raonic (Kanada/Nr. 13) auch bei seinem Kumpel Dominic Thiem.

Von Ulrike Weinrich aus Wimbledon

Nach dem Geniestreich im Rasen-Mekka richtete Dennis Novak seinen Fokus gleich auf die nächste Herkulesaufgabe. Bestes Indiz dafür: Die Pressekonferenz wurde um gut 70 Minuten nach hinten verschoben - Raum 5 statt Raum 6 war es am Ende. Zunächst holte sich der Weltranglisten-171. nach seinem ersten Fünfsatzspiel überhaupt die verdiente Pflege ab, die ihn fit machen soll für eine weitere Überraschung am Freitag gegen den Aufschlagriesen Raonic.

Mehr als 100 WhatsApp-Nachrichten - nicht alle werden beantwortet

"Ich war nach dem Match eine Stunde bei der Massage, der Physio hat mich gestretcht. Ich werde wieder voll fit sein am Freitag", sagte Novak, der nach seinem bislang größten Karriere-Coup gewohnt bescheiden und verbindlich war. Dabei waren zu diesem Zeitpunkt schon 100 WhatsApp-Botschaften auf seinem Smartphone gelandet. "Eher noch mehr. Aber die meisten werde ich beantworten, wenn ich heute Abend Zeit habe", kündigte Novak an - und machte eine deutliche Ansage: "Natürlich gibt es auch Leute, die jetzt auf einmal wieder schreiben, aber diese Nachrichten beantworte ich eher nicht."

Er selbst hatte als kleiner Junge davon geträumt, ausgerechnet in Wimbledon, beim dem Grand-Slam-Klassiker schlechthin, eine Partie über die volle Distanz zu gewinnen. Aber als es dann am Mittwochmittag nach 2:56 Stunden auf Platz 18 im Schatten des berühmtesten Centre Courts der Welt wirklich passiert war, fühlte sich das noch "viel besser" an als gedacht: "Das war einfach unglaublich", meinte Novak. Und die blauen Augen leuchteten noch mehr als sonst.

Eine Zwangspause als Augenöffner - "Ich bin reifer geworden"

Ganz nebenbei hat er auch seine Rechnung mit Wimbledon beglichen. Im Junior-Wettbewerb hatte der Neufelder einst gegen einen Titelfavoriten mit 13:12 bei eigenem Aufschlag im dritten Durchgang geführt - und dann doch noch 13:15 verloren. "Das war damals ganz bitter für mich", erinnerte sich der sympathische Überraschungsmann mit den Tattoos auf beiden Armen.

Ganz bitter war es auch, als Novak wegen Patellasehnenproblemen von Dezember 2016 bis Ende April 2017 pausieren musste. Allerdings ging ihm in dieser Zeit auch ein Licht auf, dass vielleicht entscheidend war bei seinem Sprung ins Rampenlicht von London. "Ich habe damals gemerkt, wie sehr ich den Sport vermisst habe", betonte der 24-Jährige. Seitdem gibt Österreichs Nummer vier, dem am Mittwoch sein erster Sieg gegen einen Top-20-Profi gelang, alles für seine Liebe Tennis: "Ich bin reifer und vernünftiger geworden.""

Dominic Thiem als mentale Hilfskraft: "Er glaubt wirklich an mich"

Dabei hilft im auch sein Kumpel Dominic Thiem. Der French-Open-Finalist, dessen Vater Wolfgang der Coach von Novak ist, hatte am Dienstag seine Erstrundenpartie verletzt aufgeben müssen. Doch als Phantom ist der "Dominator" irgendwie immer noch in der englischen Hauptstadt. "Wir sprechen täglich. Domi hat mir gesagt, wie gut ich spielen kann. Er glaubt wirklich an mich, und das gibt mir Sicherheit. Das fühlt sich gut an", sagte Novak über die besondere Verbindung zum Weltranglistensiebten.

Auch über den nächsten Gegner des Qualifikanten werden die Beiden sicher sprechen. In Raonic wartet am Freitag der Wimbledon-Finalist von 2016 auf Novak. "Ich muss schauen, dass ich seinen Aufschlag entschärfen kann und von der Grundlinie aktiv bin. Ich muss ihn bewegen, das ist nicht ganz seine Stärke", analysierte der Österreicher treffend.

Dennis Novak wird bereit sein, wenn die nächste ebenso reizvolle wie schwere Aufgabe wartet. Fest steht: Nichts scheint unmöglich für den Überraschungsmann in diesen verrückten Tagen von Wimbledon.

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