Tennis

US Open: Einen halben Meter mehr hätte Dominic Thiem noch genommen

Von Jens Huiber
Dominic Thiem war nach seinem Sieg gegen Kevin Anderson sehr emotional
© GEPA

Eines der besten Matches seiner Karriere - so schätzte Dominic Thiem seinen Erfolg gegen Kevin Anderson ein. Gegen Rafael Nadal muss gleich das nächste folgen.

Von Jens Huiber aus New York City

Günter Bresnik hat sich am mittleren Sonntagnachmittag dann noch der nächsten Generation zugewandt. Der Starcoach pilgerte zum Court 11, gab sich die Endphase des Erstrunden-Matches von Chun Hsin Tseng, jenem jungen Taiwaner, der während der letzten Tage stets als Einschlagpartner Dominic Thiems zur Verfügung gestanden war.

Tseng ließ keine Spannung aufkommen, panierte den US-Amerikaner Toby Kodat in 57 Minuten mit 6:2 und 6:0. Bresnik genoss noch ein paar Minuten den Schatten, sein Arbeitstag war ein erfolgreicher gewesen.

Thiem lässt gegen Anderson keine Breakchance zu

Ganz so eilig hatte es Dominic Thiem gegen Kevin Anderson nicht gehabt. Im Großen und Ganzen artete die Partie gegen den Südafrikaner aber in 157 Minuten Genusstennis aus. Aus österreichischer Sicht. Thiem gönnte Anderson nicht eine einzige Breakchance, und das, obwohl die Quote der ersten Aufschläge knapp unter 50 Prozent lag.

Gegen diesen Gegner, auf dieser Unterlage und ziemlich genau ein Jahr nach dem bitteren Aus gegen Juan Martin del Potro zu gewinnen, das muss eine große Genugtuung gewesen sein. Tatsächlich fiel Thiems Jubel auch emotionaler aus als sonst. Die Bilanz gegen Anderson steht jetzt bei 2:6-Siegen.

Der Schlüssel aber lag in den Returns, Thiem hatte sich dabei bei Philipp Kohlschreiber Anleihen genommen. Der Deutsche wusste am Tag zuvor im Louis Armstrong Stadium erstaunlich viel mit dem Service von Alexander Zverev anzufangen, auch weil er eine Position weit hinter der Grundlinie wählte.

Nadal ebenfalls mit defensiver Return-Position

Die nahm nun auch Thiem ein. Vor drei Jahren war er Anderson auf Court 17 unterlegen, einem Platz, dem es an Auslauf ermangelt. Nicht so der neu gebaute Armstrong. Gut, einen halben Meter mehr hätte sich Thiem noch nach hinten stellen wollen, erklärte der Lichtenwörther in der Pressekonferenz, aber das Gefühl war bei den Returns von Anfang an gut.

Er habe diese schon am Samstag trainiert, am Spieltag selbst bringe eine Rückschlagübung ohnehin nichts mehr. Da legte Günter Bresnik eher ein Augenmerk auf einen giftigen Slice.

Dass mit Rafael Nadal nun ein Mann wartet, der bei jedem Return ebenfalls zur Gefahr für die hinter der Grundlinie postierten Linienrichter wird, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Die auch von aufmerksamen Beobachtern des Tenniszirkus notiert wurde: Jon Wertheim, Journalist der US-amerikanischen Sports Illustrated und Buchautor (Strokes of Genius), merkte an, dass wohl Roaming-Gebühren anfallen würden, so weit stünden die beiden Viertelfinal-Kontrahenten am Dienstag wohl auseinander.

In Monte Carlo zu passiv

Dominic Thiem will trotzdem aggressiv spielen. Er muss es auch. In Monte Carlo etwa hatte er viel zu passiv begonnen, das wird ihm in zwei Tagen nicht passieren. Thiem hat Nadal dreimal geschlagen, alle bisherigen neun Partien wurden auf Asche ausgetragen. Das Hartplatz-Debüt wird dennoch nur wenige Geheimnisse mit sich bringen.

Was Dominic Thiem zur Feststellung veranlasste, sich einer speziellen Vorbereitung auf Nadal zu entsagen. Also muss wohl wieder Chun Hsin Tseng ran. Der gäbe ihm unglaublich viel Rhythmus, spiele die Bälle, wenn es sein muss auch 500 Mal über das Netz. Selbiges gilt andererseits auch für Rafael Nadal. Der allerdings mit mehr Spin und höherem Tempo.

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