Im Schnelldurchlauf in die Weltspitze – Die Meilensteine des Dominic Thiem

SID
Dienstag, 07.06.2016 | 19:45 Uhr
Dominic Thiem
© GEPA pictures/ Matthias Hauer

Mit 16 Jahren durfte er erstmals mit Roger Federer trainieren. Sechs Jahre später ist er in der absoluten Weltspitze angekommen.

Am Montag war es mal wieder soweit: Roger Federer bat beim MercedesCup in Stuttgart zum Training mit Dominic Thiem , der neuen Nummer sieben der Welt . Sechs Jahre ist es her, dass der 17-fache Grand-Slam-Sieger aus der Schweiz dem damals erst 16-jährigen Österreicher in Wimbledon 2010 im Aorangi Park ein erstes Mal eine äußerst lehrreiche Trainingseinheit gab. Sechs Jahre, in denen sich beim letztwöchigen French-Open-Semifinalisten eine ganze Menge getan hat. Sechs Jahre, die die beeindruckend schnelle Entwicklung des heute 22 Jahre jungen Niederösterreichers nur allzu gut illustrieren. Sechs Jahre, die wir mittels eines Rückblicks auf unsere Berichterstattung auf tennisnet.com hier nochmal Revue passieren lassen wollen.

Das erste Training mit Roger Federer in Wimbledon 2010:

Die Meilensteine danach:

August 2010: 1. Profiturnier, erste ATP-Punkte. In Kitzbühel, wo in diesem Jahr nur ein ATP-Challenger ausgetragen wurde, schnuppert Thiem erstmalig Profiluft. Nicht nur das: Mit einem 3:6, 7:6 (6), 6:4 über den Franzosen Alexandre Sidorenko, damals die Nummer 252 der Welt, gewinnt der 16-Jährige auch gleich sein erstes Match.

9. August 2010: 1. ATP-Ranking. Thiem steigt in der Weltrangliste auf Platz 946 ein.

August 2010: 1. ITF-Future. Thiem erhält nur zwei Wochen später eine Hauptfeld-Wildcard in St. Pölten, bezwingt in der ersten Runde den Franzosen Axel Michon und scheitert in der zweiten Runde an seinem Landsmann Tristan-Samuel Weissborn.

Oktober 2010: 1. ATP-Turnier. Thiem schlägt mittels einer Freikarte für die Qualifikation in der Wiener Stadthalle auf. Und verlangt dabei dem Türken Marsel Ilhan mit über 220 km/h schnellen Aufschlägen, mit denen er die Zuseher verblüfft, alles ab, auch wenn er letztlich in drei Sätzen verliert.

November/Dezember 2010: 1. Titel-Doppelpack auf ITF-Jugend-Ebene. Thiem gewinnt nacheinander die speziell im zweiten Fall prestigeträchtigen ITF-Kategorie-1-Jugendturniere in Merida (Yucatan Cup, im Endspiel gegen seinen Kumpel Dennis Novak ) und Bradenton (Eddie Herr International Junior Tennis Championships).

Mai/Juni 2011: 1. und einziges Jugend-Grand-Slam-Finale. Bei den French Open setzt Thiem bereits vor fünf Jahren ein Ausrufezeichen. Er erreicht mit nur einem Satzverlust das Jugend-Endspiel, verpasst allerdings durch ein 6:8 im dritten Satz gegen den US-Amerikaner Björn Fratangelo den krönenden Abschluss. Zwei Punkte fehlten zum Titelcoup.

Juni 2011: 1. und bislang einziger Rasen-Turniersieg. Im Profitennis läuft es für ihn auf dem Grün bis dato noch nicht so nach Wunsch, doch er kann es auch dort! Thiem gewinnt das Jugendturnier der Gerry Weber Open in Halle 2011 - und zwar sogar das Double. Noch die Nachwirkungen des Trainings mit dem "Maestro" knapp ein Jahr zuvor?

Juli/August 2011: 1. ATP-Hauptfeld. Thiem darf beim wieder als ATP-Event ausgetragenen Turnier in Kitzbühel mit einer Freikarte erstmals in einem Hauptfeld auf der großen Bühne mitspielen. Beim 4:6, 2:6 in der ersten Runde erweist sich der Spanier Daniel Gimeno-Traver für den 17-Jährigen noch als zu stark.

Oktober 2011: 1. ATP-Hauptfeld-Sieg. Im dritten Versuch nach Kitzbühel und Bangkok im Oktober 2011, wo er mit einer Wildcard Tour-Veteran Jarkko Nieminen noch alles abverlangt hatte, klappt es. Thiem muss beim Heimturnier in Wien ausgerechnet gegen Österreichs mit Abstand besten Spieler aller Zeiten, der sich auf Comeback-Tour befindet, antreten. Und behält gegen den 44 Jahre alten, früheren Weltranglisten-Ersten Thomas Muster mit 6:2, 6:3 die Oberhand und besteht unter enormem Druck in der ausverkauften, tobenden Stadthalle. Im Ranking springt er um weit über tausend Positionen, von Platz 1890 auf Rang 726.

November 2011: 1. ITF-Future-Finale. Thiem erreicht mit nur einem Satzverlust das Finale eines 10.000-US-Dollar-Turniers in Antalya, wo er Nicolas Kiefers langjährigem Sparringpartner Stefan Seifert nach 6:3,-3:0-Führung hauchdünn unterliegt.

November/Dezember 2011: 1. und einziges Titel-Triple auf ITF-Jugend-Tour. Thiem toppt 2010 und gewinnt in Folge erneut den Yucatan Cup und die Eddie Herr International Junior Tennis Championships , aber diesmal per Finalerfolg gegen Landsmann Patrick Ofner auch die Orange Bowl in Plantation. Mit diesem absolut perfekten Abschluss seiner Jugendkarriere mit 18 Matcherfolgen in Serie bei einem 36:2 in Sätzen verschafft er sich auch international gewaltige Aufmerksamkeit.

Mai 2012: 1. ITF-Future-Einzeltitel, 1. ITF-Future-Double. Mit einem 6:2, 6:4 über seinen Landsmann Marc Rath holt Thiem im tschechischen Teplice seinen allerersten internationalen Herren-Einzeltitel und mit Lukas Jastraunig im Doppel das Double.

Oktober 2012: 1. und einziger ITF-Future-Titel-Doppelpack. Nachdem Thiem auch 2012 beim ATP-Event in der Wiener Stadthalle wieder das Achtelfinale erreicht, gewinnt er zum Saisonabschluss nacheinander zwei Futures in Marokko, in Fès und Oujda.

April 2013: 1. Challenger-Hauptfeld aus eigener Kraft. Thiem qualifiziert sich in Rom , scheitert aber in der ersten Hauptrunde am Belgier Olivier Rochus.

Juli/August 2013: 1. ATP-Viertelfinale. Nochmal mit einer Wildcard ausgestattet, schlägt Thiem den Russen Andrey Kuznetsov ( 6:2, 7:5 ) und den soeben von einer Verletzungspause zurückkehrenden Jürgen Melzer ( 7:5, 6:3 ), Österreichs zweitbesten Spieler aller Zeiten. Erst dann ist für den 19-Jährigen Endstation.

August/September 2013: 1. ATP-Challenger-Finale. Bis dahin noch ohne Hauptfeld-Matcherfolg auf diesem Niveau, stürmt Thiem in Como mit vier Siegen auf Anhieb ins Finale, wo er Pablo Carreno Busta (Spanien) in drei Sätzen unterliegt.

September 2013: 1. ATP-Challenger-Titel. Drei Wochen nach dem Endspiel in Como holt Thiem in Kenitra, Marokko, seinen Premierentitel auf der Ebene nach. Finalgegner Teymuraz Gabashvili gibt bei 7:6 (4), 5:1 für den seit kurzem 20 Jahre jungen Lichtenwörther auf.

Oktober 2013: 2. ATP-Viertelfinale. Thiem erreicht 2013 nach Kitzbühel auch bei seinem zweiten Heimturnier in Wien erstmals das Viertelfinale. Und lässt dort die Stadthalle beben, als er mit Jo-Wilfried Tsonga einem absoluten Weltklasse-Mann erst im Tiebreak des dritten Satzes unterliegt.

Oktober/November 2013: 2. ATP-Challenger-Titel. Thiem triumphiert erneut in Marokko, diesmal in Casablanca, mit nur einem Satzverlust im Turnierverlauf. Im Finale schlägt er den Italiener Potito Starace mit 6:2, 7:5.

Januar 2014: 1. ATP-Hauptfeld aus eigener Kraft. Nach gemeisterter Qualifikation verliert Thiem in der ersten Hauptrunde gegen den Deutschen Peter Gojowczyk mit 5:7, 0:6.

Januar 2014: 1. Grand-Slam-Turnier. Bei seinem allerersten "Major"-Start bei den Herren stürmt Thiem bei den Australian Open in Melbourne aus der Qualifikation heraus gleich bis in die zweite Hauptrunde , wo gegen Kevin Anderson Schluss ist.

7. Februar 2014: Erstmals Top 100. Nachdem er als Qualifikant im Achtelfinale des ATP-World-Tour-500-Turniers in Rotterdam gegen Andy Murray erst in drei Sätzen den Kürzeren zieht , schiebt sich Thiem im Ranking auf Platz 99.

März 2014: 1. ATP-Masters-1000-Turnier. Bei seinem ersten Auftritt auf der Ebene schafft es Thiem aus der Qualifikation heraus durch einen Sieg über Gilles Simon gleich in die dritte Runde , wo er an Julien Benneteau scheitert.

April 2014: 1. Davis-Cup-Länderkampf. Thiem verliert, freilich unter hohen Erwartungen, das Auftakteinzel und im Doppel mit Alexander Peya und Österreich letztlich mit 1:4.

Mai 2014: 1. Sieg über einen Top-20-Spieler. In Madrid schlägt Thiem erstmals einen Top-20-Mann, es ist gleich der Weltranglisten-Dritte und amtierende Australian-Open-Champion Stan Wawrinka. Zum Achtelfinale kann er erkrankungsbedingt nicht antreten.

21. Juli 2014: Erstmals Top 50. Ein Achtelfinale beim ATP-World-Tour-500-Turnier in Hamburg katapultiert ihn auf Platz 47.

Juli/August 2014: 1. ATP-Finale. Beim Heimturnier in Kitzbühel schafft es Thiem mit nur einem Satzverlust in Runde eins in sein erstes Finale auf der ATP-Tour. Die Krönung gelingt nicht: 6:4, 1:6, 3:6 gegen David Goffin.

August/September 2014: 1. Grand-Slam-Achtelfinale. Thiem kommt bei den US Open in New York unter die letzten 16, wo Tomas Berdych dann deutlich zu stark ist.

März/April 2015: 1. ATP-Masters-1000-Viertelfinale. Nach nicht allzu starkem Saisonende 2014 und nach Bundesheer-Einberufung und Erkrankungen in der Off-Season schwächerem Saisonstart 2015 zieht Thiem in Miami unter die letzten Acht ein. Wo er Andy Murray auch im zweiten Duell erst in drei Sätzen unterliegt, diesmal sogar nach Satzführung.

Mai 2015: 1. ATP-Titel. Was in Kitzbühel 2014 noch nicht sein sollte, klappt zehn Monate später in Nizza. Das spannende Finale gewinnt Thiem hauchdünn im Tiebreak des dritten Satzes gegen Leonardo Mayer.

Juli/August 2015: 2. und 3. ATP-Titel. Thiem siegt nacheinander in Umag ( 6:4, 6:1 gegen Joao Sousa ) und Gstaad (7:5, 6:2 gegen David Goffin). Und verliert nach zehn Siegen in Serie erst im Kitzbühel-Halbfinale wieder.

10. August 2015: Erstmals Top 20. Das neue Ranking nach dem Aus in Kitzbühel: Bereits Platz 18.

Februar 2016: 4. und 5. ATP-Titel bzw. 1. ATP-World-Tour-500-Titel. Nach wechselhaftem letztem Saisondrittel 2015 und weitaus stärkerem Start 2016 kommt Thiem in Südamerika richtig in Fahrt: Turniersieg in Buenos Aires (7:6 (2), 3:6, 7:6 (4) gegen Nicolas Almagro) mit Halbfinal-Coup gegen Rafael Nadal , Halbfinale und Turniersieg bei den ATP-World-Tour-500-Events in Rio de Janeiro und Acapulco (7:6 (6), 4:6, 6:3 gegen Bernard Tomic).

März 2016: 1. Davis-Cup-Matchsieg. Thiem gewinnt das Auftakteinzel gegen Gastao Elias im Tiebreak des fünften Satzes und wird in Portugal mit drei Siegpunkten umjubelter Held .

12. Mai 2016: Sieg gegen Roger Federer. Nach weiteren konstant guten Ergebnissen schlägt Thiem im Rom-Achtelfinale den nicht ganz fitten "Maestro". Im Viertelfinale ist Endstation.

Mai 2016: 6. ATP-Titel. Thiem verteidigt seinen Vorjahreserfolg in Nizza durch ein 6:4, 3:6, 6:0 im Duell der Jungstars mit dem Deutschen Alexander Zverev.

Mai/Juni 2016: 1. Grand-Slam-Halbfinale, erstmals Top 10. Mit fünf Siegen, vier in vier Sätzen, stürmt Thiem bei den French Open erstmals bei einem Grand Slam sensationell unter die letzten Vier. Dort ist Branchenprimus Novak Djokovic beim 2:6, 1:6, 4:6 eine Nummer zu groß, dennoch springt er in der Weltrangliste mit einem Schlag von 15 auf sieben und ist in der absoluten Weltspitze angekommen.

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