Tennis

Nico Langmann im Exklusivinterview – „Es war wider alle Erwartungen“

SID
© (c) privat

Lest hier den ersten Teil unseres ausführlichen Interviews mit Rollstuhltennis-Senkrechtstarter Nico Langmann.

Obwohl sich Rollstuhltennis durchaus im Aufwärtstrend befindet, könnte die Medienpräsenz dieses außergewöhnlichen Sportes eine durchaus größere sein. Nach seinem ersten internationalen Turniersieg in den Niederlanden kontaktierte uns der erst 18-Jährige Nico Langmann zwecks eines Berichts über seine ausgezeichnete Leistung. Wir haben dies zum Anlass genommen, die grandiosen Leistungen des Niederösterreichers in einem zweiteiligen Interview zu würdigen. Im ausführlichen Gespräch mit tennisnet.com entpuppte sich Österreichs derzeit drittbester Herren-Rollstuhltennisspieler als ein äußerst sympathischer und zielorientierter Ausnahmeathlet.

Hallo, Nico, danke, dass du dir die Zeit genommen hast, ein wenig mit uns zu plaudern. Vielleicht kannst du dich gleich zu Beginn unseren Lesern vorstellen, die dich noch nicht kennen.

Ja, klar. Also, mein Name ist Nico Langmann, ich bin 18 Jahre alt, Rollstuhltennisspieler, habe gerade erst vor ein paar Monaten die Matura gemacht und konzentriere mich zurzeit voll auf meine Tenniskarriere als Profi. Denn ich habe mir ein Jahr volle Auszeit genommen, um mich für die Paralympics 2016 in Rio zu qualifizieren.

Das ist sicherlich ein großer Traum für dich, Rio 2016. Wie sieht es denn derzeit aus mit dem Erreichen dieses Vorhabens – was fehlt Dir noch?

Es ist so, dass es einen Stichtag im Ranking gibt, also in der internationalen Weltrangliste, und das ist der 23. Mai 2016. Und an diesem Stichtag muss man unter den Top 40 der Welt sein. Jetzt gerade habe ich mich auf Platz 70 verbessert. Ich war im letzten Jahr schon auf Position 50, doch dann war ich leider Anfang dieses Jahres Skifahren, und das ist ziemlich blöd gelaufen. Geendet hat es mit einem Schädelbasisbruch, und auch sonst habe ich mir so ziemlich alles gebrochen, was ich hatte. Nun besteht nahezu die Hälfte meines Gesichts aus Titan – meine Augenhöhlen, meine Stirn und vor allem meine Nase. Ich hatte dann einen Monat Tennis-Auszeit inklusive zwei Operationen. Danach konnte ich zwei Monate lang Tennis nur mit einem Eishockey-Helm spielen. Eigentlich hatte mir der Arzt gesagt, dass ich zwei, drei Monate gar keinen Sport machen soll, denn wenn mich da ein Ball im Gesicht getroffen hätte, wäre es schlimm gewesen – aber ich habe mir gedacht, mit Eishockey-Helm muss das gehen. (lacht) Also habe ich viel trainiert, aber ebenso leider einige Punkte aus dem Vorjahr verloren. Jetzt bin ich wieder auf einem super Weg, immerhin habe ich letzte Woche mein erstes internationales Turnier in den Niederlanden gewonnen. Das war auch enorm wichtig, denn dort habe ich unter anderem die Nummer 29 der Weltrangliste, Rody de Bie , geschlagen und gesehen, dass es wieder bergauf geht. Deswegen habe ich mich umso mehr gefreut, das ist schon so eine Art Comeback gewesen.

Super, gratuliere zu diesem Erfolg. Du hast ja sowohl das Einzel als auch das Doppel gewonnen.

Ja, genau. Ich habe mit meinem Finalgegner im Einzel zusammen die Doppelkonkurrenz gespielt, und wir haben das Turnier eigentlich von Beginn an dominiert.

Hast du dir schon vor dem Turnier gedacht, dass es so gut laufen könnte?

Nein, eigentlich gar nicht. Wir haben alle damit gerechnet, dass ich bereits im Viertelfinale rausfliegen würde. Da habe ich nämlich gegen die ehemalige Nummer 13 der Welt, Gert Vos aus Belgien, gespielt und 7:5, 7:5 gewonnen. Dann musste ich im Halbfinale gleich gegen die ehemalige Nummer neun, Eric Stuurman aus den Niederlanden, spielen, wo auch alle dachten, dass ich verlieren würde. Dem habe ich ein 6:1, 6:2 gegeben, da habe ich auch nicht ganz verstanden, wie das überhaupt funktioniert hat. Und dann war es schon ganz lustig im Finale, denn da war auch schon das Fernsehen von den Niederländern da. Mein Finalgegner, der Niederländer de Bie, wurde schon vor dem Match interviewt und hatte sich selbst als Favorit bezeichnet. Auch alle anderen, zum Beispiel der Turnierdirektor, haben ihn als sicheren Sieger gesehen. Am Schluss haben sie sich aber dann doch verkalkuliert (lacht) .

Also war es auch für dich eine große Überraschung?

Ja, es war wirklich wider alle Erwartungen, auch wider meinen eigenen.

Und wie geht es jetzt für dich in der nahen Zukunft weiter?

Diese und nächste Woche gibt es in Belgien jeweils noch ein Turnier. Die werde ich beide noch spielen und dann folgt in Groß-Siegharts das größte internationale Rollstuhltennis-Turnier in Österreich, das ich als heimisches Highlight 2015 spielen werde. Das ist ein ITF-Kategorie-2-Turnier. Wenn man es mit der Herren-Tour vergleichen würde, wäre das in etwa ein ATP-World-Tour-500-Turnier. Was dann noch kommt, weiß ich noch nicht genau. Ich habe bis 23. Mai 2016 vor, so viel zu spielen, wie möglich. Vielleicht gehe ich Ende August zu einem Kategorie-1-Turnier nach St. Louis und dann noch nach Kanada – aber genaue Pläne gibt es bisher noch keine.

Wenn du so viel herumreist, kostet das sicher auch einiges. Wie ist die Unterstützung von Rollstuhltennis in Österreich und wie wichtig sind auch Sponsoren und private Partner, um als Profi spielen zu können?

Es ist halt leider so, dass Tennis eine Einzelsportart ist und man sich das alles selbst finanzieren muss. Ich bekomme durchaus vom Verband Unterstützung, aber der größere Anteil kommt sicherlich durch private Sponsoren. Vom Rollstuhltennis zu leben, ist sehr, sehr schwer, und dass man irgendwie kein Minus macht, ist auch noch schwer genug. Allianz ist mein Hauptsponsor, und nun bin ich auch bei einem Förderungsprogramm von Kornspitz in Zusammenarbeit mit der Sporthilfe dabei. Da wurde ich mit einem zweiten Sportler aus 100 Bewerbern ausgesucht – und eigentlich ging es da nicht um Behindertensport im Besonderen, also umso besser, dass es geklappt hat. Die Anerkennung des Behindertensports wird immer besser, das habe ich schon in den letzten Jahren stark gemerkt – alleine dadurch, dass wir hier dieses Interview führen. (lacht)

Das machen wir doch gerne. Du meinst also auch, dass die mediale Aufmerksamkeit, im Besonderen beim Rollstuhltennis, im Kommen ist?

Ja, auf jeden Fall. Es wird immer besser. Weltweit ist Rollstuhltennis eine der größten Behindertensportarten, die es gibt. Von der ITF wird der Sport auch enorm gepusht. Mittlerweile gibt es über 200 Turniere auf der ganzen Welt.

Das Gespräch führte Stefan Bergmann.

Am Dienstag folgt der zweite Teil unseres ausführlichen Gesprächs mit Nico Langmann. Dort erklärt der junge Rollstuhltennis-Profi dann, was ihm noch zu den ganz großen Top-Leuten fehlt, wie es ist, als einziger Rollstuhlspieler in der renommierten „Tennis-Zone International“ von Werner Eschauer zu trainieren und wie es eigentlich zu seiner körperlichen Einschränkung gekommen ist.

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