Tennis

Roman Safiullin – der Retter des russischen Herrentennis?

SID
© (c) Getty Images (Hannah Peters)

Roman Safiullin hat nicht nur die Juniorenkonkurrenz bei den Australian Open gewonnen, sondern bereits den Sprung zu den Profis locker gemeistert.

Von Christian Albrecht Barschel aus Melbourne

Tennis spielte in Russland bis zum Fall des Eisernen Vorhangs und dem Zusammenbruch der Sowjetunion eine untergeordnete Rolle. Das lag auch daran, dass von Seiten der Regierung Sportarten gefördert und bevorzugt wurden, die zum olympischen Programm zählten. Da Tennis bis zum Jahr 1988 keine olympische Sportart war, hatten es die russischen Spieler und Spielerinnen im Konkurrenzkampf mit anderen Sportarten extrem schwer, zumal noch hinzukam, dass Tennis sehr reiseintensiv ist. Eine Tätigkeit, die damals in den Ostblock-Staaten wegen der hohen Fluchtgefahr kein einfaches Unterfangen war.

Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs Ende der 80er hat sich das schlagartig geändert. Russland ist innerhalb von ein paar Jahren zu einer der führenden Tennisnationen aufgestiegen, sowohl im Herren- als auch im Damentennis. Während es bei den Damen immer noch, vor allem dank Maria Sharapova , große Erfolge zu feiern gibt, sieht die Lage bei den Herren mittlerweile etwas düster aus. Im Oktober 2014 hatte Nikolay Davydenko seine erfolgreiche Karriere beendet. Der Russe war jahrelang Mitglied in den Top Ten, stand auf Platz drei in der Weltrangliste und errang im Jahr 2009 mit dem Titel bei der ATP-WM seinen größten Triumph.

Safiullin erinnert an Safin

Das Karriereende von Davydenko war ein weiterer Rückschlag für das krisengebeutelte Herrentennis in Russland. Nur drei Russen stehen derzeit in den Top 100 der Weltrangliste. Der 32-jährige Veteran Mikhail Youzhny, derzeit Nummer 49 im ATP-Ranking, ist die Nummer eins der Russen, hat seine besten Zeiten aber hinter sich. Im Davis Cup sind die Russen längst aus der Weltgruppe abgestiegen und belegen in der Nationenwertung nur noch Platz 36, einen Rang hinter Neuseeland. Vorbei sind die Zeiten, als Russland innerhalb von 13 Jahren fünfmal im Endspiel des Davis Cups stand und die „hässlichste Salatschüssel der Welt“ in den Jahren 2002 und 2006 gewinnen konnte. Das ehemalige Zarenreich sucht nun fieberhaft nach einem Nachfolger von Yevgeny Kafelnikov , Marat Safin und Nikolay Davydenko.

Einer, dem man zutraut, die großen Fußstapfen zu füllen, ist Roman Safiullin. Der Name des 17-Jährigen klingt nicht nur so wie Safin. Nein, er ähnelt dem ehemaligen Weltranglisten-Ersten auch in Aussehen, Spielweise und Verhalten auf dem Platz sehr. Krachende Aufschläge von über 200 km/h, gewaltige Vor- und Rückhand, gelegentliches Fluchen auf dem Platz und eine Gestik und Mimik, die doch sehr stark an die von Safin erinnert. Safiullin hat hier in Melbourne seine Visitenkarte abgegeben und die Juniorenkonkurrenz bei den Austalian Open gewonnen. Ein Erfolg, den man auch erwarten konnte, da der 17-Jährige aus Podolsk, einer Kleinstadt nicht weit von Moskau entfernt, als Topgesetzter an den Start ging. Der Russe tritt damit die in die Fußstapfen von Alexander Zverev und Nick Kyrgios , die in den Vorjahren in Melbourne bei den Junioren siegreich waren und anschließend keine Mühe hatten, bei den Profis Fuß zu fassen.

Fünf Future-Titel in Folge

Genauso wie bei Zverev waren für Safiullin die Australian Open das letzte Turnier bei den Junioren. „Meine Juniorenkarriere ist nun beendet. Ich werde jetzt Futures und Challenger spielen“, sagte Safiullin in gebrochenem Englisch. Zumindest was die Futures angeht, wird das kein Neuland für den Teenager sein. Denn bereits im Vorjahr ist er auf der ITF-Tour durchgestartet und hat zum Ende des Jahres fünf Future-Turniere in Folge gewonnen sowie ein Endspiel direkt davor erreicht. Safiullin kletterte in der Weltrangliste bis auf Platz 333 und ist derzeit die Nummer 338 im ATP-Ranking. Man kann also behaupten, dass sich der Russe im Profitennis auf der unteren Ebene bereits etabliert hat. Doch von einem Junioren-Grand-Slam-Sieger wird meist noch viel mehr erwartet. Das weiß auch Safiullin. „Mein Ziel ist es, mein Ranking so gut wie möglich zu verbessen und so schnell wie möglich in die Top 100 zu kommen. In diesem Jahr möchte ich die Top 200 oder Top 250 erreichen.“ Ein sehr realistisches Ziel, wenn man bedenkt, dass es dazu nicht mehr allzu viel benötigt.

Zwar sind die Ähnlichkeiten des Russen zu Landsmann Marat Safin sehr auffällig, doch mit dem zweimaligen Grand-Slam-Sieger hat er nicht viel am Hut. Das russische Herrentennis habe er kaum verfolgt, als er jünger war, erklärte er. Sein Vorbild sei vor allem Novak Djokovic, und trainieren tue er auch nicht in Russland, sondern in Split in Kroatien. Neben Safiullin gibt es noch den zwei Monate jüngeren Andrey Rublev , der ebenfalls ein Kandidat für die Rettung des russischen Herrentennis ist. Rublev ist derzeit die Nummer eins bei den Junioren und hat letztes Jahr die French Open gewonnen. Seine Juniorenkarriere ist ebenfalls bereits beendet. Im ATP-Ranking steht Rublev als Nummer 436 knapp 100 Plätze hinter Safiullin. Gut möglich, dass sich die beiden 17-Jährigen in den nächsten Jahren um die Vormachstellung in Russland bekämpfen werden.

Hier die Juniorinnen-Ergebnisse von den Australian Open: Einzel , Doppel .

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