Tennis

Fünf „One Slam Wonder“ im Damentennis

© (c) Alan Grieves

tennisnet.com präsentiert fünf Spielerinnen, die einen Überraschungscoup bei einem Grand-Slam-Turnier landeten.

Von Christian Albrecht Barschel

Einen Grand-Slam-Titel zu gewinnen, ist schon schwer genug. Einen zweiten folgen zu lassen, ist noch weitaus schwerer. Einige Spieler und Spielerinnen hatten nach dem Turnier ihres Lebens, mit dem Gewinn eines Grand-Slam-Titels, Schwierigkeiten, an den großen Erfolg anzuknüpfen. tennisnet.com präsentiert fünf "One Slam Wonder" im Damentennis.

Chris O'Neil - Australian Open 1978

Chris O'Neil ist bis heute die letzte heimische Siegerin bei den Australian Open - bei Damen und Herren. O'Neil hat es in der Weltrangliste nie höher als Platz 80 geschafft (was sicherlich auch mit der damaligen Punktevergabe für die Weltrangliste zu tun hatte), konnte aber sensationell einen Grand-Slam-Titel abräumen. In Melbourne besiegte sie als Nummer 112 der Welt im Endspiel die US-Amerikanerin Betsy Nagelsen. Sie war die erste ungesetzte Spielerin, die in Melbourne siegreich war. O'Neil ist so etwas wie der Inbegriff des "One Slam Wonder". Die Australierin konnte in ihrer Profikarriere keinen weiteren Titel gewinnen.

Barbara Jordan - Australian Open 1979

Ein Jahr nach dem Sensationstriumph von Chris O'Neil gab es in der Damenkonkurrenz bei den Australian Open den nächsten großen Paukenschlag. Barbara Jordan heimste den Titel ein. Es war einer von nur zwei Turniersiegen der US-Amerikanerin, die bei den anderen Grand Slams nie über die dritte Runde hinauskommen sollte. Jordan schaffte es in der Weltrangliste nur bis auf Platz 37 und konnte bei den French Open 1983 noch die Mixed-Konkurrenz gewinnen. Dass der Australian-Open-Sieg der US-Amerikanerin völlig aus dem Nichts kam und schnell in Vergessenheit geriet, zeigt eine Anekdote: Vor einigen Jahren luden die Turnierorganisatoren die ehemaligen Turniersieger in Melbourne zu einer Zeremonie ein. Jordan war nicht dabei, weil es versäumt wurde, sie einzuladen.

Iva Majoli - French Open 1997

In ihr ruhten die Hoffnungen eines ganzen Landes. Kroatien hatte endlich in Iva Majoli das weibliche Pendant zu Goran Ivanisevic gefunden. Die fröhliche und unkomplizierte Zagreberin war auf dem besten Weg, ihren männlichen Kollegen an Erfolgen zu überholen. Als 15-Jährige erreichte Majoli bereits das Achtelfinale bei den French Open und ließ schon früh von sich hören. Vier Jahre später im Jahr 1997 sollte dann ihr Karrierehöhepunkt an gleicher Stelle folgen. In Paris spielte sich Majoli in die Herzen der Zuschauer. Im Finale der French Open besiegte sie im Endspiel die favorisierte Martina Hingis und beendete gleichzeitig deren Serie von 37 Siegen in Folge. Die Kroatin war im Tennisolymp angekommen und begoss ihren Triumph ausgiebig. Im Bewusstsein, dass man die Feste feiern muss, wie sie fallen, rief sie ihrem Vater daheim in Zagreb über das kroatische Fernsehen zu: "Paps, hol dir eine Flasche Dom Perignon!" Das Feiern nahm sie dann auch meistens ernster als das Tennisspielen. Die Folge war der Absturz in der Weltrangliste. Erst fünf Jahre später, im Jahr 2002, konnte Majoli wieder ein Turnier gewinnen. Es war auch ihr letzter Turniersieg. 2004 verkündete sie den Rückzug vom Tennis und ist heute verheiratet und Mutter.

Anastasia Myskina - French Open 2004

In den 90er-Jahren begann mit Anna Kournikova die Invasion der russischen Damen im Tennis, die im folgenden Jahrzehnt ihren Höhepunkt erreichen sollte. Anastasia Myskina war schließlich die erste russische Spielerin, die ein Grand-Slam-Turnier gewinnen konnte. Bei den French Open 2004 marschierte die Moskauerin zum Titel. Bei ihren vier vorherigen Auftritten in Paris gelang ihr dagegen nur ein Sieg. Im Finale deklassierte sie schließlich ihre Landsfrau Elena Dementieva und kletterte in den Wochen danach sogar auf auf Platz zwei in der Weltrangliste. Doch der Sieg bei den French Open war mehr Fluch als Segen für Myskina. Nach ihrem Triumph in Roland Garros erschienen in einem russischen Magazin einige Nacktfotos der Russin. Ihre Klage vor Gericht gegen die Verbreitung der Fotos blieb erfolglos. Weniger erfolgreich verlief auch die weitere Karriere. Als erste Spielerin überhaupt ereilte ihr als Titelverteidigerin das Aus in Runde eins bei den French Open 2005. Myskina kam bei den anderen Grand-Slam-Turnieren nicht über das Viertelfinale hinaus. Nicht nur eine hartnäckige Fußverletzung machte ihr immer wieder zu schaffen, sondern auch die Krebserkrankung ihrer Mutter. 2007 war schließlich die Karriere von Myskina zu Ende, die als dreifache Mutter ihr privates Glück gefunden hat. Die 33-Jährige ist dem Tennis treu geblieben und derzeit Fed-Cup-Kapitänin in Russland.

Francesca Schiavone - French Open 2010

38-mal gespielt und 38-mal ist nichts passiert - bis die French Open kamen. Francesca Schiavone war ein Jahrzehnt lang eine Spielerin, die mit der Weltspitze mithalten, aber dennoch keine richtig großen Erfolge feiern konnte. Nur drei WTA-Titel hatte sie vor Turnierbeginn in Paris gewonnen. Die French Open im Jahr 2010 waren ihr 39. Grand-Slam-Turnier in Folge. Die fast 30-Jährige ging als Nummer 17 der Welt ins Turnier und spielte das Tennis ihres Lebens. Schon der Finaleinzug der Italienerin war eine Sensation. Und im Endspiel legte sie noch einen drauf und besiegte die favorisierte Australierin Samantha Stosur. "Ich fühle mich großartig, wie ein echter Champion", freute sich Schiavone, die als erste Grand-Slam-Siegerin aus Italien Geschichte schrieb. Über ein Jahr lang konnte sie sich in den Top Ten halten, bei den anderen Grand Slams war aber immer spätestens nach dem Viertelfinale Endstation. Noch ein weiteres Mal sorgte Schiavone für ganz große Schlagzeilen, als sie bei den French Open 2011 als Titelverteidigerin erneut sensationell ins Endspiel vorstieß - ihren Coup aus dem Vorjahr aber nicht ganz wiederholen konnte.

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