„Das waren die zwei besten Matches, die ich bislang gespielt habe“

Mittwoch, 21.01.2015 | 15:08 Uhr
© (c) Jürgen Hasenkopf

Carina Witthöft hat sich nach ihrem Drittrundeneinzug bei den Australian Open den Fragen von tennisnet.com gestellt.

Carina Witthöft hat nach zwei Blitzsiegen ( 6:3, 6:1 gegen Carla Suarez Navarro und 6:3, 6:0 gegen Christina McHale ) die dritte Runde bei den Australian Open erreicht. Die 19-jährige Hamburgerin steht in Melbourne erst zum dritten Mal im Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers. tennisnet.com hat nach dem Zweitrundensieg mit Witthöft gesprochen.

Frau Witthöft, Sie stehen nach zwei starken Siegen erstmals in der dritten Runde eines Grand-Slam-Turniers. Inwieweit sind Sie überrascht von sich selbst?

Man geht in ein Turnier rein, um sein bestes Tennis zu spielen und versucht, so weit wie möglich zu kommen. Die Auslosung war nicht optimal mit einer gesetzten Spielerin in der ersten Runde. Natürlich bin ich ein wenig überrascht. Das waren die zwei besten Matches, die ich bislang gespielt habe. Darüber freue ich mich riesig.

In der dritten Runde spielen Sie gegen Irina-Camelia Begu, die in der ersten Runde gegen Angelique Kerber gewonnen hat. Werden Sie sich ein paar Tipps von Angelique holen, auf welche Dinge man achten sollte?

Ich werde wie vor jeder Runde mit Barbara Rittner sprechen. Sie hat mich bislang auf die Matches sehr gut eingestimmt.

Sie stehen hier in Melbourne erstmals in Ihrer Karriere im Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers, ohne vorher durch die Qualifikation zu müssen. Hat das etwas Druck von Ihnen genommen?

Es ist immer gut, nicht in die Qualifikation zu müssen. Das wären drei harte Runden gegen richtig gute Gegnerinnen geworden. Das hat aber keinen Druck von mir genommen. Du musst jedes Match nehmen, wie es kommt - egal, welche Runde es ist.

Sie haben 2014 eine starke zweite Saisonhälfte gespielt, vier Turniere gewonnen und erstmals den Sprung unter die Top 100 geschafft. Wann hat es "Klick" bei Ihnen gemacht?

Die erste Saisonhälfte war solide. Ich habe in der zweiten Hälfte eine lange Turnierserie gespielt, wo ich zwischenzeitlich nicht zu Hause war. Die Serie war richtig super, weil ich in dieser Zeit völlig im Turnierrhythmus war. Zum Saisonende gab es aber auch ein paar durchwachsenere Matches. Hier in Melbourne läuft es wieder richtig gut. Ich habe bereits im Training gut gespielt.

Sie haben letztes Jahr für kurze Zeit mit Torben Beltz, dem ehemaligen Trainer von Angelique Kerber, zusammengearbeitet. Warum hat es nicht gepasst?

Wir hatten unterschiedliche Vorstellungen über das Training und ein paar andere Kleinigkeiten. Ich habe entschieden, dass es für mich besser ist, wenn meine Mutter als Trainerin bei Turnieren dabei ist. Das liegt mir mehr.

Ihre Eltern Kai und Gaby betreiben in Hamburg eine Tennisakademie, haben zwei Tennisanlagen und sind als Trainer und Organisatoren ständig an Ihrer Seite. Gab es überhaupt eine andere Option, außer Tennisprofi zu werden?

Wenn man selbst gut Tennis spielt, wächst man da mit der Zeit herein. Meine Eltern haben mich nie dazu gedrängt. Es war nie so, dass es keine anderen Optionen gab. Ich hätte genauso wie meine Schwester studieren können. Ich habe mich nun für die Profikarriere entschieden.

Ihr Freund Phillip, mit dem Sie alleine in Melbourne sind, ist gleichzeitig Ihr Konditionstrainer und Sparringspartner. Gibt es da nicht manchmal Reibungspunkte?

Eigentlich kaum, außer wenn ich etwas auf dem Platz rumzicke. Ich bin sehr glücklich, dass er mit mir in Melbourne ist. Er macht seine Sache sehr gut.

Sie haben nach eigener Aussage im Herbst 2013 über den Sinn einer Profikarriere nachgedacht. Was hat dazu geführt, dass Sie sich für die Weiterführung Ihrer Karriere entschieden haben?

Das war eine komische Phase bei mir, die zum Glück nur einen Monat gedauert hat. Ich habe eine Zeit lang gar kein Tennis gespielt. In der Zeit denkt man auch darüber nach, wie bescheuert man sein muss, wenn man mit 18 Jahren auf Platz 180 in der Weltrangliste steht und über das Ende seiner Karriere nachdenkt.

Wenn man nicht Roger Federer, Novak Djokovic oder Serena Williams heißt, endet für einen Tennisprofi ein Turnier meist mit einer Niederlage, also einem Negativerlebnis. Wie gehen Sie mit diesen Situationen um?

Eine Niederlage muss nicht immer mit negativen Gefühlen behaftet sein. Ein Turniersieg ist natürlich schöner, aber man muss versuchen, sich die positiven Sachen herauszuziehen. Wenn man sich strukturiert mit den Niederlagen beschäftigt, weiß man, an welchen Dingen man arbeiten muss und wo Verbesserungen nötig sind. Das gehört zum Tennis dazu. Man kann leider nicht immer gewinnen.

Ihr großes Vorbild ist Maria Sharapova. Die Russin hat so wie viele andere Top-Spielerinnen auch einstudierte Ritualen und Macken. Haben sich bei Ihnen schon Rituale oder ein bestimmter Aberglaube entwickelt?

Wenn man zu viele Rituale hat, setzt man sich zu sehr unter Druck, vor allem, wenn man diese einmal nicht gemacht hat. Beim heutigen Match habe ich die gleichen Klamotten angezogen, die ich in der ersten Runde getragen habe. Ich habe die Klamotten eben auch schon in die Wäscherei gegeben, damit ich sie auch im nächsten Match tragen kann. Aber auf dem Platz habe ich keinen besonderen Tick.

Auf Ihrer Facebook-Seite zeigen Sie einige private Einblicke und knipsen gerne das eine oder andere Selfie von sich. Sind Sie gerne eine Rampensau?

Nein, das finde ich nicht. Es gibt viele Fans, die an privaten Einblicken interessiert sind. Das gehört auch dazu, das machen auch fast alle Spielerinnen. Man sollte aber nicht zu viel von sich Preis geben.

Wenn Sie nicht Tennisprofi wären, könnten Sie mit Sicherheit auch als Model Karriere machen. Welche Rolle spielt Mode und gutes Aussehen auf und neben dem Platz für Sie?

Mode spielt schon eine gewisse Rolle. Ich möchte nicht mit komischen Klamotten auf den Platz gehen. Aber auf dem Platz zählt nur Tennis. Wenn ich Model werden wollte, hätte ich mich dafür entschieden. Ich bin aber Tennisprofi geworden. Aber vor dem Match gucke ich schon in den Spiegel, ob alles sitzt.

Im Februar werden Sie 20 Jahre alt, die Teenager-Zeit ist dann vorbei. Sie haben sich bereits früh entschieden, Tennisprofi zu werden. Bereuen Sie einige Dinge, die normale Teenager machen konnten und Ihnen verwehrt geblieben sind?

So richtig bereuen tue ich nichts. Es gibt manchmal gewisse Momente, wo man sich denkt, dass man das jetzt auch gerne machen möchte, wenn zum Beispiel Geburtstage von Freunden anstehen und man selbst auf einem Turnier ist. Ich bin aber extrem dankbar und froh, dass ich Grand Slams wie die Australian Open spielen kann und nehme diese Dinge dafür gerne in kauf. Ich hoffe, dass meine Reise noch weiter anhält!

Das Gespräch führte Christian Albrecht Barschel.

Hier die Damen-Ergebnisse von den Australian Open.

Hier der Spielplan.

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