Tennis

Die denkwürdigsten Höchststrafen im Herrentennis

Donnerstag, 08.01.2015 | 19:40 Uhr
© (c) Getty Images (China Photos)

Ohne Spielgewinn will kein Spieler den Platz verlassen. Aber selbst einige Tennis-Legenden haben die Höchststrafe kassiert.

Von Christian Albrecht Barschel

Die meisten Profi- oder Freizeitspieler haben es schon erfahren und wissen, wie es sich anfühlt. Sie kamen entweder in den Genuss, ihrem Gegner die Höchststrafe verpasst zu haben, oder schlichen nach dieser Niederlage völlig gedemütigt vom Platz. Die Rede ist vom "Double Bagel" oder auf deutsch ausgedrückt: "die Brille". 6:0, 6:0, dieses vernichtende Ergebnis gibt es jedes Jahr nicht nur auf den vielen Clubplätzen, sondern auch auf der ATP- und WTA-Tour. Bei den Herren ist auf Grand-Slam-Ebene und im Davis Cup sogar ein "Triple Bagel" möglich, den es in der absoluten Weltspitze bislang nur selten gegeben hat. Wir haben die sieben denkwürdigsten Höchststrafen im Damen- und Herrentennis zusammengestellt.

Hier sind die sieben denkwürdigsten Höchststrafen im Herrentennis:

Halbfinale Forest Hills 1984: Ivan Lendl - Jimmy Connors

Dass sich Grand-Slam-Siegerinnen und Nummer-eins-Spielerinnen gegenseitig einen "Double Bagel" verpasst haben, kam bereits einige Male vor, wie wir bereits berichtet haben . Bei den Herren ist dies nur zwei Mal passiert. Im Halbfinale beim Sandplatzturnier in Forest Hills (einem Stadtteil von New York) war es erstmals so weit. Ivan Lendl, damals Nummer zwei der Welt, forderte den Weltranglisten-Dritten und achtmaligen Grand-Slam-Sieger Jimmy Connors heraus. Die beiden konnten sich nicht sonderlich leiden und lieferten sich auf und abseits des Platzes das eine oder andere Wortgefecht. Daher war dieser Sieg mit 6:0, 6:0 ein bittersüßer Sieg für Lendl, der zuvor fast alle wichtigen Partien gegen Connors verloren hatte. "Ich wollte ihm keine Chance geben, dass er zurückkommt. Er greift sich solche Chancen und nutzt sie. Ich bin verbittert über ihn als Spieler, nicht als Person, weil er mich in den letzten zwei US-Open-Finals geschlagen hat. Ihn zu null zu schlagen, ist eine große Genugtuung", sagte Lendl. Dieser Kantersieg war so etwas wie die Initialzündung für den gebürtigen Tschechoslowaken. Denn einen Monat später gewann Lendl bei den French Open nach vier verloren Grand-Slam-Endspielen endlich seinen ersten Titel. Lendl schaffte später auch noch einen der ganz seltenen "Triple Bagels" im Herrentennis - 1987 in der ersten Runde der US Open.

2. Runde French Open 1993: Sergi Bruguera - Thierry Champion

Und wo wir gerade von "Triple Bagel" sprechen. Sergi Bruguera ist der letzte Spieler, der dieses seltene Kunststück bei einem Grand-Slam-Turnier geschafft hat. Der Spanier vernichtete in der zweiten Runde der French Open 1993 den Lokalmatador Thierry Champion mit der absoluten Höchststrafe auf Grand-Slam-Ebene. Das Ergebnis ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass Champion in den Jahren zuvor immerhin einmal im Viertelfinale in Roland Garros und Wimbledon gestanden hatte. Dabei vergab Champion im letzten Spiel sogar noch vier Spielbälle zum Ehrenspiel. Bruguera konservierte seine starke Sandplatzform und marschierte anschließend auch zu seinem ersten von zwei French-Open-Titeln.

Achtelfinale Sydney 1996: Greg Rusedski - Carsten Arriens

Carsten Arriens, der aktuelle Davis-Cup-Kapitän von Deutschland, war über 18 Jahre Rekordhalter eines negativen Rekords. Denn der Deutsche bekam 1996 im Achtelfinale des ATP-Turniers in Sydney von Greg Rusedski die Höchststrafe verpasst. Der aufschlaggewaltige Brite brauchte dabei lediglich 29 Minuten, um Arriens vom Platz zu schießen. Es war bis dato das kürzeste Match im Hauptfeld eines ATP-Turniers. In diesem Jahr hat ein prominenter Spieler Arriens den Negativrekord abgenommen. Bernard Tomic verlor in der ersten Runde in Miami bei seinem Comeback nach Verletzungspause gegen den Finnen Jarkko Nieminen mit 0:6, 1:6. Die Partie war nach 28 Minuten und 20 Sekunden beendet.

Achtelfinale Grand Slam Cup 1998: Andre Agassi - Cedric Pioline

Der Grand Slam Cup, der zwischen 1990 und 1999 in München ausgetragen wurde, war ein Millionenturnier ohne richtigen Stellenwert. Teilnahmeberechtigt waren die besten 16 Spieler im Herrentennis bei den vier Grand-Slam-Turnieren des abgelaufenen Jahres. Über den Stellenwert des Turniers, das auf einem schnellen Hallenboden gespielt wurde, gab es viele Diskussionen. Denn außer Geld gab es nichts zu gewinnen, wonach Tennisspieler eigentlich streben. Punkte für die Weltrangliste gab es keine, aber dafür eben "richtig dick Kohle", wie die Spieler selber feststellten. Die Veranstaltung der International Tennis Federation war in den ersten Jahren mit insgesamt sechs Millionen US-Dollar dotiert und damit das Turnier mit dem höchsten Preisgeld. Für den Sieger des Grand Slam Cups gab es ein Drittel des gesamten Preisgeldes, also zwei Millionen US-Dollar. Falls der Gewinner des Wettbewerbs im selbigen Jahr bei einem Grand-Slam-Turnier siegreich war, kam zusätzlich noch ein Bonus von einer Million US-Dollar obendrauf. Alleine die Teilnahme an der ersten Runde brachte ein stattliches Salär von 100.000 US-Dollar. Und so war es nicht verwunderlich, dass manche Spieler nur angetreten waren, um ihre Prämie abzuholen. Andre Agassi, der 1998 nur dank einer Wildcard beim Grand Slam Cup dabei war, fegte den Franzosen Cedric Pioline, immerhin ein zweifacher Grand-Slam-Finalist, in der ersten Runde in nur 34 Minuten vom Platz. Pioline, der über starke Knieschmerzen klagte, gab anschließend offen zu, dass das Preisgeld ein großer Anreiz war, um überhaupt zu spielen. "Das war sicherlich ein großer Faktor."

Gruppenspiel World Team Cup: Robin Söderling - Rainer Schüttler

Im Tennis machen manchmal Kleinigkeiten den Unterschied. Aber manchmal liegen auch ganze Welten zwischen zwei Akteuren, die auf dem Papier gleichwertig erscheinen. Robin Söderling und Rainer Schüttler trafen beim World Team Cup 2009 in Düsseldorf im Gruppenendspiel zwischen Deutschland und Schweden im ersten Einzel aufeinander. Söderling war die Nummer 25 der Welt, Schüttler die Nummer 29. Während der Schwede in absoluter Topform war, lief Schüttler der Form vergangener Jahre hinterher und war nur wegen des Halbfinaleinzugs in Wimbledon im Vorjahr so gut platziert. Und so kam es dazu, dass Schüttler von Söderling in allen Regeln der Kunst vorgeführt wurde. "Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Am liebsten hätte ich mich eingegraben, fünf Meter tief. Ich habe alles versucht, aber Robin war in allem fünf Klassen besser als ich", sagte Schüttler, der den zweiten und letzten "Double Bagel" in der Geschichte des World Team Cups kassierte. Schüttler nahm seine schlechte Form mit in die French Open, die ein paar Tage später starteten. Gegen den Franzosen Marc Gicquel wurde er mit 0:6, 0:6, 4:6 vom Platz gefegt. Söderling schwebte zu jener Zeit auf einer Wolke, nahm seinen Lauf mit in die French Open, wo er sensationell Rafael Nadal als bislang einziger Spieler in Paris bezwingen konnte und schließlich das Finale erreichte.

Halbfinale Masters Cup 2005: Roger Federer - Gaston Gaudio

Es ist der wohl bekannteste und denkwürdigste "Double Bagel" in der Geschichte des Herrentennis. Für Roger Federer war das Saisonfinale im Jahr 2005, damals unter dem Namen Masters Cup ausgetragen, das erste Turnier seit sieben Wochen. Der Schweizer laborierte an einer Verletzung am Knöchel. Auf dem Weg ins Endspiel ließ sich Federer davon aber nicht stoppen, schon gar nicht von Gaston Gaudio. Der French-Open-Sieger von 2004 bekam vom "Maestro" im Halbfinale eine kostenlose Lehrstunde verpasst. Nach 50 Minuten war alles vorbei und der erste "Double Bagel" in der Geschichte des Saisonfinals der acht besten Spieler des Jahres eingetütet. "Ich denke, dass ich gegen einen Kerl gespielt habe, der der Beste in der Geschichte ist", sagte Gaudio über Federer. Für den Schweizer war es der erste 6:0,-6:0-Sieg in seiner Karriere. "Es ist schön, das zu haben, mehr aber auch nicht", kommentierte er trocken. Federer verlor schließlich das Endspiel im Masters Cup nach einer dramatischen Fünfsatzschlacht gegen David Nalbandian. Bei den ATP World Tour Finals 2014 hätte Federer beinahe einen noch denkwürdigeren "Double Bagel" geschafft, als er im Gruppenspiel gegen den zweifachen Grand-Slam-Sieger und Olympiasieger Andy Murray mit 6:0, 5:0 und 30:0 führte. Aus der Höchststrafe wurde jedoch nichts, auch weil es so schien, dass er Murray vor dessen Heimpublikum ein Ehrenspiel schenkte. Federer zeigte sich anschließend erleichtert, dass es zu keinem "Double Bagel" gekommen war.

Juniorenturnier Schweiz: Reto Schmidli - Roger Federer

Aber selbst Roger Federer hat in seiner Karriere die Höchststrafe kassiert, zwar noch nie bei den Profis, dafür aber bei den Junioren. Bei einem Juniorenturnier in der Schweiz wurde der spätere "Maestro" von seinem Landsmann Reto Schmidli vom Platz gefegt. "Ich glaube ich war 13 und Roger zehn Jahre alt. Es war eins der größten Juniorenturniere in der Schweiz in der Baseler Gegend. Wir spielten in der ersten Runde. Da es Rogers erstes Juniorenturnier war, war es zu verstehen, dass er nervös auf dem Platz war. Er hat viele Fehler gemacht. Ich hatte keine Ahnung, dass ich gegen jemanden spiele, der später alle Grand Slams gewinnen würde. Es gab keine Anzeichen, dass er so gut werden würde. Wir konnten damals noch nicht sehen, dass er die Nummer eins der Welt wird", erinnerte sich Schmidli. Aus einer Profikarriere wurde bei Schmidli nichts, stattdessen wurde er Polizist und darf sich über eine Erfahrung freuen, die sonst noch keiner gemacht hat. "Das ist eine tolle Erinnerung. Vor allem, wenn ich ihn im Fernsehen sehe, wie er all diese Turniere gewinnt. Niemand sonst kann sagen, dass er Roger 6:0, 6:0 geschlagen hat. Aber vielleicht hatte ich einfach nur Glück, ihn an diesem Tag als Gegner zu haben. Ich denke, dass jeder Roger an diesem Tag hätte schlagen können. Obwohl er nicht ein einziges Spiel machte, konnte man sehen, dass er ein gutes Gefühl hat. Er hat die ganze Zeit besondere Schläge probiert."

Hier geht es zu den sieben denkwürdigsten Höchststrafen im Damentennis.

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