Die sieben denkwürdigsten Höchststrafen im Damentennis

Sonntag, 07.12.2014 | 20:25 Uhr
© (c) Getty Images (Getty Images)

Ohne Spielgewinn will keine Spielerin den Platz verlassen. Aber selbst einige Tennis-Legenden haben die Höchststrafe kassiert.

Von Christian Albrecht Barschel

Die meisten Profi- oder Freizeitspieler haben es schon erfahren und wissen, wie es sich anfühlt. Sie kamen entweder in den Genuss, ihrem Gegner die Höchststrafe verpasst zu haben, oder schlichen nach dieser Niederlage völlig gedemütigt vom Platz. Die Rede ist vom "Double Bagel" oder auf Deutsch ausgedrückt: "die Brille". 6:0, 6:0, dieses vernichtende Ergebnis gibt es jedes Jahr nicht nur auf den vielen Clubplätzen, sondern auch auf der ATP- und WTA-Tour. Bei den Herren ist auf Grand-Slam-Ebene und im Davis Cup sogar ein "Triple Bagel" möglich, den es in der absoluten Weltspitze bislang nur selten gegeben hat. Wir haben die sieben denkwürdigsten Höchststrafen im Damen- und Herrentennis zusammengestellt.

Hier sind die sieben denkwürdigsten Höchststrafen im Damentennis:

Finale Amelia Island 1981: Chris Evert - Martina Navratilova

Chris Evert gegen Martina Navratilova: Das ist definitiv die größte Rivalität in der Tennisgeschichte, wenn nicht sogar in der Sportgeschichte. Die beiden Tennislegenden duellierten sich von 1973 bis 1988 insgesamt 80-mal, davon 61-mal in einem Endspiel - 14 mal in einem Grand-Slam-Finale. "Das Schöne an unserer Rivalität war nicht nur, dass wir so oft gegeneinander gespielt haben, sondern der Kontrast. Wir waren wie Tag und Nacht. Sie war aggressiv, ich war eine Konterspielerin. Sie war muskulös, ich nicht. Sie kam aus einem kommunistischen Land, ich war eine Amerikanerin aus dem Land der Freiheit. Sie war emotional, ich war cool", sagte Evert zu der gemeinsamen Rivalität, bei der sie mit 37:43 den Kürzeren zog. Ein Match sticht besonders wegen seiner Kuriosität hervor. Es war das 41. Duell zwischen den beiden - im Finale des Sandplatzturniers in Amelia Island. Evert verpasste ihrer ewigen Rivalin Navratilova in 54 Minuten den "Double Bagel". Es war das erste Mal, dass eine ehemalige Nummer-eins-Spielerin die Höchststrafe erhielt. Navratilova zeigte sich bei der Siegerehrung reumütig. "Chris wurde als Virtuosin auf dem Sandplatz vorgestellt. Sie hat bewiesen, dass dies stimmt. Es tut mir leid, dass ich es nicht besser hinbekommen habe. Ich habe hier einen Scheck von 16.000 US-Dollar und denke, dass ich die Hälfte davon an euch zurückgeben sollte." Evert war zu jener Zeit unbesiegbar auf Sand und feierte ihren 49. Sieg in Folge auf der roten Asche. Eine Serie, die sie bis auf 125 Siege am Stück ausbauen sollte. Drei Jahre später standen sich Evert und Navratilova in Amelia Island erneut im Endspiel gegenüber. Doch diesmal siegte Navratilova - mit 6:2, 6:0.

Finale French Open 1988: Steffi Graf - Natalia "Natasha" Zvereva

Ein schlimmeres Debakel kann es kaum geben. Du stehst erstmals in einem Grand-Slam-Finale und nach 32 Minuten ist schon alles vorbei. Diese bittere Erfahrung musste die erst 17-jährige Natalia "Natasha" Zvereva machen, als sie im Finale der French Open 1988 der 18-jährigen Steffi Graf gegenüberstand. Die Deutsche war in der Form ihres Lebens und fegte die völlig überforderte Zvereva vom Platz. Es war das kürzeste Grand-Slam-Finale, das je gespielt wurde. Zvereva machte im Finale nur 13 Punkte, elf davon bekam sie durch Fehler von Graf geschenkt. Die einstündige Regenunterbrechung bei 3:0 im ersten Satz dauerte länger als das Match selbst. "Nach dem ersten Satz habe ich mir überlegt, was ich später am Abend essen würde", sagte die frustrierte Zvereva, die später auf der Pressekonferenz heulte. "Was soll ich machen? 0:6, 0:6 in einem Grand-Slam-Finale zu verlieren, ist die Hölle. Aber ich bin Sportlerin und versuche immer, das beste Tennis aus mir herauszukitzeln", versuchte sich Graf zu entschuldigen. Graf war im Jahr 1988 nicht zu bremsen und krönte ihren Lauf mit dem bislang einmaligen "Golden Slam" . Zvereva kam in ihrer Karriere dennoch zu großen Triumphen. Sie ist mit 18 Grand-Slam-Titeln eine der besten Doppelspielerinnen aller Zeiten.

Halbfinale Miami 2000: Martina Hingis - Monica Seles

Im Halbfinale des WTA-Turniers in Miami kassierte Monica Seles die schlimmste Pleite in ihrer so illustren Karriere. Die Weltranglisten-Erste Martina Hingis brauchte nur 39 Minuten, um die Weltranglisten-Achte vom Platz zu schießen. Nach dem Match, das Seles mit zwei Doppelfehlern in Folge beendete, wurde die gebürtige Jugoslawin von den Zuschauern teilweise ausgebuht. Allerdings schien die ehemalige Weltranglisten-Erste wegen einer Knöchelverletzung stark gehandicapt zu sein und bewegte sich schlecht auf dem Platz. "Ich habe ein leichtes Problem, aber es ist keine große Sache", versuchte Seles die Verletzung herunterzuspielen. Hingis nahm ihre gelegentliche Doppelpartnerin in Schutz. "Ich hatte fast gedacht, dass sie nach dem ersten Satz aufgeben würde. Dann hat sie weitergespielt. Ich dachte mir: ‚Niemand anderes würde das tun, ein Match zu beenden, wenn man nicht bei 100 Prozent ist.'" Kuriosum am Rande: Hingis gewann in Miami zwei Tage später auch das Finale gegen Lindsay Davenport glatt in zwei Sätzen und wurde dennoch von Davenport als Nummer eins der Welt abgelöst.

Halbfinale Indian Wells 2005: Lindsay Davenport - Maria Sharapova

Halbfinale beim prestigeträchtigen Turnier in Indian Wells: Die Nummer eins der Welt Lindsay Davenport, 28 Jahre alt, trifft auf die Nummer drei der Welt, die 17-jährige Maria Sharapova. Es ist angerichtet für ein spannendes und ausgeglichenes Match um den Einzug ins Finale. Davenport wollte Revanche nehmen für die zwei bitteren Niederlagen, die ihr Sharapova im Jahr 2004 zugefügt hatte (Halbfinale in Wimbledon und Finale in Tokio). Die Russin saß der US-Amerikanerin zu diesem Zeitpunkt im Kampf um die Nummer eins im Nacken. Doch an jenem Tag in Indian Wells wurde Sharapova von Davenport gedemütigt. Nach 49 Minuten kassierte die Russin den bislang einzigen "Double Bagel" in ihrer Karriere. "Es war eine seltsame Sensation, eine eigenartige Position, in der man sein kann: ein Match gegen solch eine gute Spielerin zu gewinnen, ohne ein Spiel zu verlieren", sagte Davenport hinterher. Es sollte ihr einziger Sieg gegen Sharapova bleiben. "Es gibt Tage, wenn ich auf den Platz gehe und spüre, dass ich keinen Ball verfehlen werde. Heute war einer dieser Tage, wo ich fürchterlich gespielt habe und sie jeden einzelnen Ball, so hart wie sie konnte, auf die Linie gespielt hat", analysierte Sharapova. Ein paar Monate später entthronte die Russin Davenport als Weltranglisten-Erste und wurde erstmals die Nummer eins der Welt.

WTA Tour Championships 2007: Justine Henin - Marion Bartoli

Eine Revanche kann manchmal sehr süß sein. Beim Wimbledonturnier 2007 hatte Marion Bartoli der damaligen Weltranglisten-Ersten Justine Henin den Einzug ins Finale verdorben und die große Chance auf den noch fehlenden Grand-Slam-Titel genommen. Vier Monate später revanchierte sich die Belgierin dafür auf eindrucksvolle Weise. Im ihrem dritten Gruppenspiel bei den WTA Tour Championships in Madrid schoss Henin die Französin in 57 Minuten vom Platz. "Ich wollte die Revanche. Man konnte sehen, dass ich heute Abend wild entschlossen war. Ich habe unglaubliches Tennis gespielt", freute sich Henin, die schließlich auch das Saisonfinale gewann. Bartoli, die als Ersatzspielerin zum Einsatz kam und noch eine minimale Chance auf den Einzug ins Halbfinale hatte, nahm die Höchststrafe gefasst auf. "Sie hat ein atemberaubendes Match gespielt. Sie hat nichts verfehlt. Wenn sie gut spielt, ist es hart, sie zu schlagen, aber wenn sie fantastisch spielt, ist sie beinahe unschlagbar."

1. Runde Australian Open 2011: Kim Clijsters - Dinara Safina

Dinara Safina war im Jahr 2009 für insgesamt 26 Wochen die Nummer eins der Welt. Nach der Finalteilnahme bei den Australian Open 2010 ging es rasant bergab bei der Russin, die fortan mit Rückenschmerzen zu kämpfen hatte. Der negative Höhepunkt: Safina wurde in der ersten Runde der Australian Open 2011 im Duell der ehemaligen Weltranglisten-Ersten von Kim Clijsters böse auf dem Platz verprügelt. 48 Minuten dauerte das ungleiche Duell, das historischen Charakter hatte. Zum ersten Mal in der Grand-Slam-Geschichte verlor eine Spielerin, die einst die Nummer eins der Welt war, mit 0:6, 0:6. Auf dem Platz hatte Clijsters kein Mitleid mit Safina, im Anschluss an die Demontage hingegen schon. "Ich fühle mich schlecht. Wenn sie nicht gegen mich spielt, jubele ich ihr zu, weil ich möchte, dass sie wieder Selbstvertrauen aufbaut. Aber ich würde ihr kein Mitleidsspiel geben", sagte Clijsters, die schließlich auch den Titel in Melbourne gewann. "Ich wusste nicht, wie ich einen Punkt gewinnen kann. Es gab nichts, was ich tun konnte, um sie zu verletzen. Ich kratze mir meinen Kopf und denke darüber nach, was zur Hölle ich getan habe", erklärte die enttäuschte Safina, die drei Monate später ihr letztes Karrierematch spielte - kurz nach ihrem 25. Geburtstag.

Viertelfinale US Open 2013: Serena Williams - Carla Suarez Navarro

Carla Suarez Navarro erreichte bei den US Open 2013 erstmals das Viertelfinale in New York und durfte an ihrem 25. Geburtstag gegen Serena Williams antreten. Die Weltranglisten-Erste war jedoch alles andere als in Laune, um Geburtstagsgeschenke zu verteilen. Nach 52 Minuten verließ Suarez Navarro den Platz, ohne ein einziges Spiel gewonnen zu haben. Ein echtes Debakel zum Geburtstag. Ein 6:0, 6:0 im Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers war zuvor erst einmal passiert, als Martina Navratilova 1989 bei den US Open die Bulgarin Manuela Maleeva mit diesem Ergebnis bezwang. "Wenn man gegen Serena spielt, weiß man, dass solche Dinge passieren können", erklärte die Spanierin kurz und knapp.

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