Tennis

„Ich liebe die große Bühne“

SID
© Thomas Ammerpohl/Westend-PR

Alexander Zverev spricht im Interview mit tennisnet.com über seinen sensationellen Turniersieg in Braunschweig und die riesige Erwartungshaltung.

Vater Alexander Zverev Senior verzieht sonst hinter seiner Spiegelsonnenbrille keine Miene. Während der Siegerehrung des Challenger-Finals in Braunschweig zückte aber selbst er sein iPad und lief rührend mit auf den Centre Court, um Alexander Jr. zu fotografieren. Mutter Irina und die Oma waren extra angereist und der neutrale Turnierdirektor Michael Stich ließ sich zu einem „Come on, Alex!"-Anfeuerungsruf hinreißen. Es lag etwas Besonderes in der Luft, als Alexander „Sascha" Zverev mit gerade einmal 17 Jahren und 75 Tagen seinen ersten Challenger-Titel gewann - und das als Nummer 665 der Welt und im Endspiel gegen keinen Geringeren als den früheren Top-15-Spieler Paul-Henri Mathieu aus Frankreich. tennisnet.com sprach nach dem 1:6,-6:1,-6:4-Sieg mit dem Hamburger, der sein ATP-Ranking am Montag mehr als halbiert haben wird und etwa auf Platz 280 hochschießt.

Wie ordnen Sie diesen Erfolg in Braunschweig für sich ein?

Zverev: „Mein erster wirklich großer Turniersieg. Ich habe ja auch d ie Junioren-Australian-Open gewonnen . Das ist auch etwas Schönes. Aber dies jetzt ist noch einmal eine ganz andere Klasse, bei den Profis ein Turnier zu gewinnen. Das ist unglaublich."

Sie sind sehr emotional auf dem Platz, haben das Braunschweiger Publikum mit langen „C‘moooon"-Schreien und vielen geballten Fäusten mitgerissen. Sind Sie ein Showman?

Zverev: „Ja, ich mag die große Bühne, ich liebe sie. Das ganze Pushen mache ich eigentlich für mich selber, aber ich habe gespürt, dass das Publikum sehr hinter mir war. Deswegen habe ich das auch ein bisschen ausgenutzt. Man kann mich als Showman bezeichnen, man kann mich auch als Idiot bezeichnen." (lacht)

Turnierdirektor Michael Stich meinte während der Siegerehrung, Sie sollten sich jetzt mal mit ihrem Coach und Vater Alex Sr. ein „Gläschen" genehmigen. Haben Sie das getan?

Zverev: „Nein, ich habe noch nie in meinem Leben Alkohol getrunken. Mein Bruder ist genauso, er ist 26 Jahre alt und hat noch nicht einen Schluck Alkohol getrunken. Das brauche ich nicht. Ich kann auch anders Spaß haben."

Michael Stich hatte Ihnen die Wildcard in Braunschweig gegeben und Sie auch mit einem Fünfjahresvertrag für den Hamburger Rothenbaum ausgestattet . In Ihrem Heimatverein Uhlenhorster HC bestritt Stich einst selbst Punktspiele und er kannte Sie schon als Kleinkind. Welche Rolle spielt der frühere Wimbledon-Sieger für Sie?

Zverev: „Michael Stich ist der beste Turnierdirektor der Welt. Er ist so eine große Persönlichkeit im Tennis und außerhalb des Tennis. So eine Riesenunterstützung von so einem Namen wie Michael Stich zu bekommen, ist einfach unglaublich. Er ist einer der großen Gründe, warum ich in Braunschweig so gut gespielt habe."

Eine andere wichtige Bezugsperson für Sie ist Ihr älterer Bruder Mischa . Es hieß, er werde möglicherweise irgendwann Ihr Trainer. Was ist da dran?

Zverev: „Ich hoffe, er spielt selber noch um die zehn Jahre. Er ist derzeit ein bisschen verletzt am linken Handgelenk, aber er wird sicherlich wiederkommen. Davon bin ich überzeugt, weil ich weiß, wie sehr er es vermisst und wie hart er arbeitet. Wir sind sehr eng beieinander. Er wird jetzt mit nach Stuttgart und Hamburg kommen, um mich zu unterstützen. Es hilft mir, so einen Bruder zu haben."

Wie würden Sie Ihren Spielstil beschreiben?

Zverev: „Da müssen Sie meinen Trainingspartner Mischa fragen, der kann das am besten beantworten. Ich schlag sicherlich ganz gut auf und spiele wohl eine ganz gute Vorhand."

Wie lebt es sich mit dem Label „größte deutsche Tennis-Hoffnung"?

Zverev: „Ich versuche zu vermeiden, das zu hören. Ich bin zwar ganz gut, aber es gibt auch noch andere sehr gute Nachwuchshoffnungen wie Maximilian Marterer oder wie Daniel Masur , mein Doppelpartner in Braunschweig."

Haben Sie einen Karriereplan?

Zverev: „Ich bin erst 17 Jahre alt, ich kann noch keinen Karriereplan haben. Ich hoffe, dass ich irgendwann in die Top 100 einbrechen werde und vielleicht dann noch höher komme. Aber es ist noch ein weiter Weg bis dahin."

Wo liegt der große Unterschied zwischen dem Juniorenbereich und dem Herrentennis?

Zverev: „Man muss sich einfach daran gewöhnen. Wenn man bei den Herren spielt, muss man besser aufschlagen, man muss besser returnieren, man muss jeden Ballwechsel immer weiter ganz bis zum Ende spielen und man darf nie auch nur einen Moment schlechter spielen, egal, wie der Spielstand ist."

Jetzt haben Sie bei den Sparkassen Open gerade 15.300 Euro Preisgeld gewonnen, Ihr bisher dickster Scheck. Was kaufen Sie sich davon?

Zverev: „Das bekommt alles mein Vater." (lacht)

Fühlen Sie sich eigentlich noch als Hamburger Jung?

Zverev: „Natürlich! Ich verbringe zwar den Winter immer mit meiner Familie in Florida, aber im Sommer wohne ich in Hamburg. Und Hamburg ist meine Heimat und wird auch immer meine Heimat bleiben."

Was bedeutet Ihnen das Rothenbaum-Turnier, das ja vom 14. bis 20 Juli ansteht?

Zverev: „Hamburg ist mein größtes Turnier, das ich in diesem Jahr spielen werde. Die Vorfreude ist schon sehr groß. Seit ich drei, vier Jahre alt bin, war ich jedes Jahr als Zuschauer dort. Später als mein Bruder gespielt hat, war ich natürlich auch mit. Und jetzt selber am Rothenbaum mitzuspielen, ist etwas sehr Besonderes."

Michael Stich hat mal gesagt, für Sie gäbe es fast ausschließlich Tennis im Leben, vielleicht ein bisschen zu viel...

Zverev: „Ich bin die meiste Zeit auf dem Tennisplatz, aber ich habe auch noch Hobbys. Wenn ich in Florida bin, spiele ich viel Golf und ganz gut Basketball. Ich bin ein riesengroßer Basketballfan."

Wie würden Sie sich in einem Satz charakterisieren?

Zverev: „Sportlich - auch außerhalb des Tennisplatzes, ich muss in allem, was ich mache, gewinnen!"

Haben Sie ein bestimmte Kindheitsträume im Tennis oder ein besonderes Vorbild?

Zverev: „Mein größter Traum ist, einmal gegen Roger Federer irgendwo zu spielen. Er war mein größtes Idol, als ich aufgewachsen bin. Ich mag ihn einfach - alles, was er macht. Ich würde nicht Nein sagen, wenn er mal mit mir trainieren will."

Das Gespräch führte Inga Radel.

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