Zehn denkwürdige Damen-Matches in Roland Garros

Donnerstag, 22.05.2014 | 07:13 Uhr
© (c) Getty Images (Mike Hewitt)

Wir präsentieren zehn hochklassige Partien, die in der Damenkonkurrenz bei den French Open gespielt wurden.

Von Christian Albrecht Barschel

Zehn denkwürdige Endspiele bei den French Open , darunter fünf bei den Damen, haben wir bereits vorgestellt. Nun präsentieren wir zehn denkwürdige Damen-Matches bei den French Open , die vor dem Finale stattgefunden haben.

Hana Mandlikova - Chris Evert 7:5, 6:4 - Halbfinale 1981

Chris Evert ist die beste Sandplatz-Spielerin, die es im Damentennis je gegeben hat . Zwischen 1973 bis 1979 blieb die US-Amerikanerin in sage und schreibe 125 Matches in Folge auf Sand ungeschlagen und verlor nur acht Sätze in diesen 125 Matches. Allerdings ließ Evert die French Open zwischen 1976 und 1978 aus, um World Team Tennis in den USA zu spielen. Evert kassierte 1979 in Rom ihre erste Sandplatz-Niederlage nach sechs Jahren und ließ dann gleich die nächste lange Serie folgen. Sie gewann bis zum Halbfinale der French Open 1981 64 Matches auf Sand in Folge, ehe sie gegen Hana Mandlikova unterlag. "Das ist der beste Sieg meines Lebens. Chris ist die beste Sandplatz-Spielerin aller Zeiten", freute sich Mandlikova, die dann auch den Titel bei den French Open gewann.

Kathleen Horvath - Martina Navratilova 6:4, 0:6, 6:3 - Achtelfinale 1983

Martina Navratilova spielte im Jahr 1983 beinahe eine perfekte Saison . Die "Grand Dame" gewann in jener Saison 86 Matches und verlor nur ein einziges - im Achtelfinale der French Open gegen Kathleen Horvath . Navratilova hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 36 Spiele in Folge im Jahr 1983 gewonnen und seit Beginn der Saison 1982 126 von 129 Matches für sich entschieden. Navratilova war also die haushohe Favoritin gegen ihre 17-jährige Landsfrau, die auf Platz 45 der Weltrangliste stand. Doch Horvath hatte es im Gefühl, dass sie an diesem Tag Sportgeschichte schreiben würde. "Es war einer dieser perfekten Tage, die man an einer Hand abzählen kann. Ich wachte auf, fühlte mich großartig. Als ich begann mich aufzuwärmen, fühlte ich mich perfekt, so dass ich den Ball auf eine Münze legen könnte", erinnerte sich Horvath. Navratilova nahm die Niederlage sportlich hin. "Natürlich bin ich nicht glücklich darüber. Aber ich wusste, dass ich früher oder später verlieren würde. Das ist kein Desaster."

Mary Joe Fernandez - Gabriela Sabatini 1:6, 7:6 (4), 10:8 - Viertelfinale 1993

Es ist wahrscheinlich die Mutter aller Aufholjagden im Damentennis. Mary Joe Fernandez vollendete im Viertelfinale der French Open 1993 gegen Gabriela Sabatini eines der größten Comebacks in der Tennisgeschichte. Sabatini führte bereits mit 6:1, 5:1 und servierte zum souveränen Einzug ins Halbfinale. "Ich habe gesehen, dass nur 53 Minuten auf der Uhr standen. Ich habe mir gesagt: ‚Das ist unglaublich. Ich muss es bis zur Ein-Stunden-Marke schaffen'", kommentierte Fernandez nach dem Match diese Situation. Sabatini hatte bei 5:1 ihren ersten Matchball und servierte einen Doppelfehler. Fernandez nahm Fahrt auf, wehrte bei 5:3 drei weitere und bei 5:4 einen Matchball ab. Der dritte Satz wurde intensiv. Sabatini servierte bei 7:6-Führung erneut zum Matchgewinn. Wieder wurde es nichts mit dem Sieg. Fernandez überstand auch diese Situation und verwandelte nach 3:34 Stunden Spielzeit ihren Matchball - es war ihr fünfter. "Ich hatte nie Zweifel", witzelte die US-Amerikanerin nach diesem verrückten Match.

Virginie Buisson - Noelle van Lottum - 6:7 (3), 7:5, 6:2 - 1. Runde 1995

Das Erstrundenmatch zwischen der Französin Virginie Buisson und der Niederländerin Noelle van Lottum bei den French Open 1995 ist bis heute das längste Damenmatch, das in Paris gespielt wurde. Buisson setzte sich nach 4:07 Stunden durch. Der erste Satz dauerte dabei 1:45 Stunden. Dass überhaupt so lange gespielt wurde, lag an van Lottum, die im zweiten Satz bei eigenem Aufschlag mit 40:0 führte und drei Matchbälle hatte. Die Niederländerin konnte den Sack nicht zumachen. Buisson gewann fünf Punkte in Folge und anschließend 11 der letzten 13 Spiele. Nach dem Match wurde van Lottum wegen Dehydrierung behandelt und sofort in ein Pariser Krankenhaus gebracht.

Chanda Rubin - Jana Novotna 7:6 (8), 4:6, 8:6 - 3. Runde 1995

Jana Novotna war bekannt dafür, viele sicher geglaubte Siege noch aus der Hand gegeben zu haben. Unvergessen ist ihre Zitterhand im Wimbledonfinale 1993 gegen Steffi Graf . In der dritten Runde der French Open verlor Novotna gegen die US-Amerikanerin Chanda Rubin , nachdem sie im dritten Satz die größtmögliche Führung, die man haben kann, verspielte und zudem neun Matchbälle vergab. Oder andersrum betrachtet: Rubin legte eine der denkwürdigsten Aufholjagden im Tennis hin. Novotna führte im dritten Satz mit 5:0 und 40:0 bei Aufschlag Rubin, ehe sie das Flattern bekam. Die US-Amerikanerin wehrte in diesem Aufschlag nicht nur diese drei, sondern auch drei weitere Matchbälle ab. Novotna begann zu verkrampfen. Bei 5:4 hatte Novotna wieder insgesamt drei Matchbälle, die sie ebenfalls nicht nutze. Rubin gewann das Match schließlich nach 2:50 Stunden mit 8:6 nach einem spektakulären Matchball. "Es ist natürlich leicht, jemanden zu kritisieren und zu sagen, ‚Du hast dies und jenes gehabt'. Aber man muss auch verstehen, dass das Tennis ausmacht. Das passiert jedem und wir sind alle nur Menschen", sagte eine frustrierte Novotna. "Ich habe nicht wirklich daran gedacht, zurückzukommen oder zu gewinnen. Ich habe einfach über jeden einzelnen Punkt nachgedacht und habe meinen Kopf nicht mit zu vielen anderen Gedanken belastet", sagte Rubin.

Lindsay Davenport - Justine Henin 6:3, 2:6, 7:5 - 2. Runde 1999

Diesen Arbeitstag hatte sich Lindsay Davenport sicherlich entspannter vorgestellt. Die damalige Nummer zwei der Welt traf in der zweiten Runde der French Open 1999 auf die Belgierin Justine Henin , die kurz vor ihrem 17. Geburtstag stand. Henin hatte es mit drei Siegen in der Qualifikation erstmals ins Hauptfeld eines Grand Slams geschafft und dann auch ihr Erstrundenmatch für sich entschieden. Gegen Davenport zeigte Henin, warum sie eine zukünftige vierfache French-Open-Siegerin werden sollte. Bei 5:4-Führung im dritten Satz servierte die Belgierin zum Matchgewinn. Davenport spielte dann aber ihre Routine aus und überließ Henin nur noch drei Punktgewinne. "Dieses Mädchen ist sehr gut", kommentierte Davenport anerkennend die Leistung von Henin, die nicht wusste, ob sie sich freuen oder ärgern sollte. "Ich bin zur gleichen Zeit enttäuscht und froh. Ich war nur ein Spiel vom Sieg entfernt. Ich möchte die Dinge nicht zu schnell machen. Es ist nicht gut."

Steffi Graf - Monica Seles 6:7 (2), 6:3, 6:4 - Halbfinale 1999

Insgesamt 15-mal duellierten sich Steffi Graf und Monica Seles . Viermal kreuzten die beiden bei den French Open ihre Schläger. Die Duelle in Paris waren auch die spektakulärsten zwischen den beiden. Im Halbfinale der French Open 1999 trafen Graf und Seles ein letztes Mal aufeinander. Auf dem Court Central, wie das größte Stadion im Stade Roland Garros damals noch hieß, standen sich zwei Schwergewichte im Damentennis gegenüber. Graf hatte bis zu jenem Zeitpunkt fünfmal die French Open gewonnen, Seles dreimal. "Es waren ein oder zwei wichtige Punkte. Steffi hat da einfach besser gespielt und ich etwas zu defensiv. Ich denke, dass sie deshalb gewonnen hat", sagte Seles nach der Niederlage. Graf gewann schließlich zwei Tage später in einem denkwürdigen Endspiel gegen Martina Hingis ihren 22. und letzten Grand-Slam-Titel .

Justine Henin - Serena Willams 6:2, 4:6, 7:5 - Halbfinale 2003

Im Halbfinale der French Open 2003 endete die unglaubliche Siegesserie von Serena Williams bei Grand-Slam-Turnieren. Die US-Amerikanerin hatte zuvor vier "Majors" in Folge gewonnen und ging mit einer Serie von 33 siegreichen Matches in Folge bei Grand Slams in das emotionale Halbfinale gegen Justine Henin. Das Publikum war klar auf der Seite der zierlichen Belgierin. Im dritten Satz ereignete sich eine Szene, die zwischen den beiden in den darauffolgenden Jahren für viel Zündstoff sorgte. Williams führte im dritten Satz mit 4:2 und servierte bei 30:0. Henin hob ihre Hand hob, dass sie noch nicht fertig mit der Vorbereitung war, Williams bemerkte das nicht und schlug den Aufschlag ins Netz. Die US-Amerikanerin wollte, dass ihr erster Aufschlag wiederholt wird. Doch das wurde ihr vom Schiedsrichter nicht gestattet. Henin gewann vier Punkte in Folge und schließlich auch das Match. Nach dem Sieg verteidigte die Belgierin ihre Aktion. "Ich war nicht bereit, den Punkt zu spielen. Der Schiedsrichter ist dafür da, um mit solchen Situationen umzugehen. Ein Punkt im Match ändert nicht den Ausgang", erklärte Henin, die dann auch ihren ersten von vier French-Open-Titeln gewann.

Samantha Stosur - Serena Williams 6:2, 6:7 (2), 8:6 - Viertelfinale 2010

Im Viertelfinale der French Open 2010 zwischen Samantha Stosur und Serena Williams sah zunächst alles nach einem blitzsauberen Sieg der Australierin aus. Stosur servierte bei 5:3-Führung im zweiten Satz zum Einzug ins Halbfinale. Doch dann kam Williams in ihrer unnachahmlichen Weise ins Match zurück. Die für ihre recht schwachen Nerven bekannte Stosur brach nach dem Satzausgleich allerdings nicht ein, hielt dem Druck stand und wehrte bei 4:5 im dritten Satz einen Matchball mit einem Netzangriff ab. Als Stosur dann zum zweiten Mall zum Match servierte, blieb die Australierin dann cool. "Sicherlich wären mir zwei Sätze lieber gewesen. Aber nach einem abgewehrten Matchball zurückzukommen, macht es besonders speziell", erklärte die Australierin.

Virginie Razzano - Serena Williams 4:6, 7:6 (5), 6:3 - 1. Runde 2012

Es war wahrscheinlich die größte Sensation, die es in der Damenkonkurrenz bei den French Open gegeben hat. Serena Williams schied in der ersten Runde der French Open 2012 nach einem wahren Drama gegen Virginie Razzano aus und kassierte ihre bislang einzige Auftaktschlappe bei einem Grand-Slam-Turnier. Dabei sah zunächst alles nach einem Pflichtsieg von Williams aus. Die US-Amerikanerin führte im Tiebreak des zweiten Satzes bereits mit 5:1. Mit sechs Punkten in Folge sicherte sich die Französin Razzano den Satzausgleich. Auf dem Court Philippe Chatrier herrschte eine einzigartige Atmosphäre. Das Publikum trieb ihre Landsfrau nach vorne. Razzano erspielte sich im dritten Satz eine 5:0-Führung. Williams wirkte verzweifelt und blickte immer wieder hilfesuchend in ihre Box. Doch die US-Amerikanerin kam noch auf 3:5 heran, auch weil sie von einem Strafpunkt profitierte, weil Razzano wegen ihrer Krämpfe immer wieder laut aufschrie. Krönender Abschluss dieses 183-Minuten-Dramas war ein 23-minütiges letztes Aufschlagspiel von Razzano, das an Dramatik kaum zu überbieten ist. Das Spiel ging zwölfmal über Einstand. Es gab einen weiteren Strafpunkt, fünf Breakbälle für Williams sowie sieben abgewehrte Matchbälle. Mit dem achten Matchball fixierte Razzano ihren Sensationssieg. "Ich war da und ich wollte das Ding hier unbedingt wie eine Kämpferin zu Ende bringen. Ich wusste, trotz der Probleme, an diesem Tag gibt es keine Limits für mich", erklärte die Französin direkt nach ihrem großen Coup. Wie so oft nach großen Siegen schied auch Razzano in der nächsten Runde aus.

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