Tennis

Die zehn besten Sandplatz-Spielerinnen

© (c) Getty Images (Stu Forster)

Wer erzielte die besten Ergebnisse auf der roten Asche? tennisnet.com hat seine Top Ten zusammengestellt.

Von Christian Albrecht Barschel

tenisnet.com kürt die zehn besten Sandplatz-Spielerinnen seit Gründung der WTA-Tour im Jahr 1973.

Platz 10: Mary Pierce (sechs Sandplatz-Titel, Bilanz auf Sand: 165:75, Siegquote: 68,75 Prozent)

Vielleicht mag der Name Mary Pierce etwas überraschend in den Top Ten auftauchen. Doch die Französin war eine starke Sandplatzspielerin, die vor allem bei ihrem Heim-Grand-Slam, den French Open, immer wieder zur Hochform auflief. Daher hat Pierce auch French-Open-Siegerinnen wie Francesca Schiavone und Svetlana Kuznetsova einen Platz in den Top Ten verwehrt. Pierce spielte insgesamt 15 Endspiele auf der roten Asche, von denen sie sechs gewann. Ihr größter Sandplatz-Titel war ohne Frage der Triumph bei den French Open im Jahr 2000, wo sie die erste französische Titelträgerin in Paris nach 33 Jahren wurde. Pierce stand auch in den Jahren 1994 und 2005 im Endspiel der French Open. Beide Finals gingen allerdings verloren.

Abseits des Platzes machte Pierce vor allem mit der gestörten Beziehung zu ihrem Vater Schlagzeilen . Jim Pierce, der vor der Geburt von Mary bereits einige Jahre wegen Raubüberfalls im Gefängnis saß, wollte seine Tochter mit allen Mitteln zum nächsten Tennisstar machen. Er misshandelte und bedrohte sie. "Er hat mich geohrfeigt, wenn ich ein Match verloren habe, manchmal auch, wenn ich schlecht trainiert habe", gab die Französin an. "Kill the bitch, Mary", so brüllte Jim Pierce seine Tochter bei Juniorenturnieren immer wieder an. Mit 18 Jahren wurde es Mary und ihrer Familie zu bunt. Sie verließen den Vater, erwirkten eine einstweilige Verfügung und nahmen sich Leibwächter. Pierce lebt mittlerweile ein völlig anderes Leben, und zwar auf Mauritius, wo sie als Missionarin bei der protestantischen Gemeinschaft "Church Team Ministries" arbeitet.

Platz 9: Gabriela Sabatini (elf Sandplatz-Titel, Bilanz auf Sand: 196:49, Siegquote: 80 Prozent)

Gabriela Sabatini hat es zwar nie ins Finale der French Open geschafft. Fünf Halbfinalteilnahmen in Paris sowie 24 Endspiele auf Sand, von denen sie elf gewann, rechtfertigen ihren Platz in den Top Ten. Bis heute gilt Sabatini als ein Sexsymbol im Damentennis. Sie war die Vorgängerin von Anna Kournikova und scharte viele männliche Bewunderer um sich. Ihr variantenreiches Spiel mit viel Topspin auf beiden Seiten mischte sie mit leichten Stöhnern bei der Ausführung ihrer Schläge. "Göttliche Argentinierin" und "die Perle von den Pampas" waren zwei ihrer klangvollen Beinamen. Sabatini war ihrer Wirkung auf die Männerwelt stets bewusst. "Ich bevorzuge es, für meine Schönheit und andere Qualitäten Wertschätzung zu erfahren, als nur als Tennis-Champion gesehen zu werden" äußerte sie sich in jungen Jahren selbstbewusst.

Bis heute ist der Name Gabriela Sabatini nicht nur eingefleischten Tennisfans geläufig. Die Argentinierin ist seither erfolgreiche Geschäftsfrau, macht Werbung für ihre gleichnamige Parfümserie und ist daher nicht nur in aller Munde, sondern auch in so mancher Nase. Vor kurzem gestand Sabatini, dass sie große Probleme mit ihrer Schüchternheit und Ruhm hatte. "Als ich jünger war und gedacht habe, dass ich nach Turniersiegen reden muss, habe ich häufig im Halbfinale verloren, sodass ich es letztendlich nicht musste. Es war so schlimm! Ich war sehr introvertiert. Ich glaube, dass mein Ruhm und meine öffentliche Bekanntheit etwas damit zu tun haben, dass ich nicht die Nummer eins geworden bin. So berühmt zu sein, wäre ebenfalls ein Problem für mich gewesen, wenn ich Nummer eins gewesen wäre."

Platz 8: Conchita Martínez (20 Sandplatz-Titel, Bilanz auf Sand: 294:88, Siegquote: 76,96 Prozent)

Nur zwei Spielerinnen haben mehr Matches auf Sand gewonnen als Conchita Martínez . Die Spanierin gewann 20 Titel auf der roten Asche. Den größten Erfolg feierte die Sandplatzspezialistin ausgerechnet in Wimbledon, bei dem Turnier, dass sie in den ersten Profijahren gemieden hatte. Martínez gewann 1994 den Titel in Wimbledon. Auf der geliebten roten Asche klappte es aber nicht mit dem Grand-Slam-Sieg. Dreimal stand sie bei den French Open im Halbfinale, im Jahr 2000 sogar im Endspiel, das sie gegen Mary Pierce verlor.

Für die heutige Spielergeneration gibt Martínez den passenden Rat mit auf den Weg. "Was du brauchst, ist, dass du dich auf deine Karriere konzentrierst. Fokussiere dich darauf, deinen Job zu machen und das Bestmögliche herauszuholen, um als Spielerin und Mensch zu wachsen. Achte nicht darauf, was andere Leute denken oder sagen werden. Manchmal ist das schwer, weil du Dinge liest und Leute immer eine eigene Meinung haben. Aber das ist, was ich anderen empfehle - auf sich selbst zu konzentrieren."

Platz 7: Serena Williams (zehn Sandplatz-Titel, Bilanz auf Sand: 131:31, Siegquote: 81,37 Prozent)

Serena Williams ist die einzig aktive Spielerin, die sich in dieser Bestenliste wiederfindet. Die 32-jährige US-Amerikanerin hat also die Chance, sich in der nächsten Zeit mit weiteren Erfolgen auf Sand weiter nach vorne zu arbeiten. Williams machte mit dem Triumph bei den French Open 2002 zwar den ersten Schritt zum "Serena Slam" (vier Grand-Slam-Titel in Folge, dennoch fühlte sie sich auf der roten Asche meist recht unwohl. Bis zum Jahr 2012 hatte die US-Amerikanerin nur drei Sandplatz-Titel in ihrer Bilanz stehen.

In den letzten beiden Jahren kamen dann aber sieben weitere Titel hinzu, unter anderem ihr zweiter Triumph bei den French Open. Williams war zwischendurch 28 Spiele ungeschlagen auf Sand, ehe sie vor kurzem ihr Auftaktmatch in Charleston überraschend verlor. Eine ihrer bittersten Niederlagen kassierte die aktuelle Weltranglisten-Erste aber auch auf Sand. Bei den French Open 2012 schied Williams erstmals in der ersten Runde eines Grand-Slam-Turniers aus - nach einem dramatischen und emotionalen Match gegen die Französin Virginie Razzano.

Platz 6: Martina Navratilova (18 Sandplatz-Titel, Bilanz auf Sand: 201:46, Siegquote: 81,38 Prozent)

Den Namen Martina Navratilova verbindet man eher mit dem "Heiligen Rasen" in Wimbledon. Doch auf der roten Asche hat die "Grande Dame" des Damentennis zahlreiche Erfolge gefeiert. Navratilova gewann 18 Titel auf Sand. Besonders hervorstechen tun ihre zwei French-Open-Siege in den Jahren 1982 und 1984. Die US-Amerikanerin stand insgesamt sechsmal im Endspiel der French Open. Zwischen 1985 und 1987 verlor sie drei Finals in Folge. Im Jahr 1983 wäre Navratilova beinahe eine perfekte Saison gelungen . Sie gewann in jenem Jahr insgesamt 86 Spiele und verlor nur ein einziges Mal - auf Sand im Achtelfinale der French Open.

Platz 5: Monica Seles (14 Sandplatz-Titel, Bilanz auf Sand: 142:25, Siegquote: 85,93 Prozent)

Monica Seles war gerade einmal 18 Jahre und sechs Monate alt, da hatte sie bereits dreimal bei den French Open triumphiert. Die gebürtige Jugoslawin gewann zehn ihrer 14 Sandplatz-Titel im Teenager-Alter. Auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs wurde Seles böse gestoppt. Am 30. April 1993 wurde sie während ihres Viertelfinalspiels am Hamburger Rothenbaum von einem gestörten Steffi-Graf-Fan mit einem Küchenmesser in den Rücken gestochen. Die körperlichen Wunden nach dem Messerattentat verheilten schnell. Laut Aussage der Ärzte hätte Seles schon nach gut drei Monaten wieder auf dem Platz stehen können. Doch die seelischen Narben waren einfach zu groß, die eine schnelle Rückkehr in den Tenniszirkus unmöglich machten.

"Ich bin niedergestochen worden auf dem Tennisplatz vor zehntausend Leuten. Es ist nicht möglich distanziert darüber zu sprechen. Es veränderte meine Karriere unwiderruflich und beschädigte meine Seele. Ein Sekundenbruchteil machte aus mir einen anderen Menschen" gab Seles offen zu. Seles hatte mit Angstzuständen, Depressionen und Alpträumen zu kämpfen und begab sich in eine psychologische Therapie, ehe sie im August 1995 auf die WTA-Tour zurückkehrte. An die herausragenden Ergebnisse zu Beginn ihrer Karriere konnte Seles nicht mehr anknüpfen. 1998 schaffte sie es noch mal ins Endspiel bei den French Open, was sie aber gegen Arantxa Sánchez Vicario verlor.

Platz 4: Justine Henin (13 Sandplatz-Titel, Bilanz auf Sand: 130:22, Siegquote: 85,53 Prozent)

Eleganz. Mit diesem Wort lässt sich die Spielweise von Justine Henin , die für das Spiel auf dem langsamen Sandboden wie gemacht war, gut beschreiben. Die zierliche Belgierin gewann 13 ihrer 16 Endspiele auf Sand. Viermal krönte sie sich zur Siegerin im Stade Roland Garros in Paris. Am 14. Mai 2008, kurz bevor Henin als dreifache Titelverteidigerin in Paris an den Start gehen sollte, überraschte sie die Tenniswelt, dass ihre Karriere mit sofortiger Wirkung beendet sei - und das als unangefochtene Nummer eins der Weltrangliste mit riesengroßen Vorsprung. Einen Rücktritt vom Rücktritt schloss Henin aus: "Wer mich kennt, weiß, dass es das definitive Ende ist." Doch Henin kehrte im Januar 2010 nach 20 Monaten auf die WTA-Tour zurück, vielleicht auch angespornt vom erfolgreichen Comeback ihrer Landsfrau Kim Clijsters.

Die zweite Karriere der Belgierin war nur von kurzer Dauer. Ein Jahr nach ihrem Comeback beendete Henin ihre Karriere erneut, diesmal unfreiwillig. Schmerzen im Ellbogen verhinderten eine Fortsetzung der Karriere. Die kleine Belgierin war das Gegenstück zu der oft kraftvollen, eindimensionalen Spielweise der meisten Damen auf der Tour. Sie beherrschte jeden Schlag, agierte mit Spielwitz statt mit Powertennis und besaß die weltbeste einhändige Rückhand. Auch ihr Volleyspiel war im Vergleich zu ihren Kolleginnen ausgereift. Ihr Ballgefühl und ihre Spielintelligenz bleiben ebenso in Erinnerung wie ihre mentale Stärke. Während ihre Kolleginnen oft nur Tennis arbeiteten, spielte Henin das Spiel "Tennis" nahezu perfekt.

Platz 3: Arantxa Sánchez Vicario (19 Sandplatz-Titel, Bilanz auf Sand: 342:103, Siegquote: 76,85 Prozent)

Das Damentennis in Spanien ist ganz eng mit dem Namen Arantxa Sánchez Vicario verknüpft. Keine Spielerin feierte so viele Erfolge wie die "Hummel aus Barcelona", wie die Spanierin aufgrund ihrer Einsatzbereitschaft und Lauffreudigkeit genannt wurde. Sánchez Vicario erspielte sich 342 Siege auf der roten Asche - so viel wie keine andere Spielerin. Ihr Stern ging bei den French Open 1989 auf, als sie im Alter von 17 Jahren und 174 Tagen Steffi Graf entthronte.

Die Spanierin stand insgesamt sechsmal im Finale der French Open, von denen sie drei Endspiele gewann. Sánchez Vicario war eine lebende Ballwand. Gegen die Spanierin musste man sich jeden Punkt hart erkämpfen. Ihre Spielweise war prädestiniert für den langsamen Sandboden. Sánchez Vicario bestritt 37 Endspiele auf der roten Asche und ging in diesen 19-mal als Siegerin vom Platz. "Ich habe alles erreicht, worauf ein Sportler hofft. Ruhm, Triumphe und ganz viel Liebe", sagte Sánchez Vicario nach ihrem Karriereende.

Platz 2: Steffi Graf (32 Sandplatz-Titel, Bilanz auf Sand: 273:30, Siegquote: 90,10 Prozent)

Steffi Graf gewann ihren ersten und letzten Grand-Slam-Titel jeweils auf Sand. Die "Gräfin" leitete ihren Titel-Reigen bei den "Majors" mit dem French-Open-Triumph im Jahr 1987 ein und schloss ihn bei den French Open 1999 ab - mit einem Erfolg im denkwürdigen Finale gegen Martina Hingis. Die Deutsche gewann 32 Titel auf der roten Asche und stand achtmal im Endspiel der French Open. Sechsmal durfte Graf die Siegestrophäe in die Luft stemmen. "Ich will absolute Perfektion erreichen. Und ich denke, dass ich das erreichen kann", sagte Graf zu ihrer aktiven Zeit. Und die "Gräfin" kam auch nah heran an die Perfektion.

Mit ihrer Vorhand-Peitsche, ihrem starken Aufschlag und der gefürchteten Slice-Rückhand dominierte sie phasenweise das Damentennis nach Belieben, unvergessen ist unter anderem ihr 6:0, 6:0 nach nur 32 Minuten im Finale der French Open 1988 gegen die überforderte Natalia Zvereva. Seit ihrem Einstieg ins Profigeschäft war Graf eine öffentliche Person, deren Privatsphäre ständig durchleuchtet wurde. "Ich habe nie gewünscht, dieses Leben zu führen. Ich wollte einfach nur Tennis spielen, ich wollte keine öffentliche Person werden. Das ist der Grund, warum ich gelegentlich etwas zickig sein kann", sagte die Deutsche, die sehr unter ihrem Ruhm zu leiden hatte.

Platz 1: Chris Evert (66 Sandplatz-Titel, Bilanz auf Sand: 312:20, Siegquote: 93,98 Prozent)

Die klare und verdiente Nummer eins bei den besten Sandplatz-Spielerinnen ist Chris Evert . Die US-Amerikanerin hat eine überragende Siegquote von 93,98 Prozent auf Sand vorzuweisen. Evert, die die beidhändige Rückhand im Damentennis salonfähig gemacht hat, gewann 66 Titel auf der roten Asche. Sie ist mit sieben Titeln bei neun Endspielteilnahmen nicht nur Rekordhalterin bei den French Open, sondern blieb auch zwischen 1973 bis 1979 in sage und schreibe 125 Matches in Folge auf Sand ungeschlagen und verlor nur acht Sätze in diesen 125 Matches. Allerdings ließ Evert die French Open zwischen 1976 und 1978 aus, um World Team Tennis in den USA zu spielen.

Evert kassierte 1979 in Rom ihre erste Sandplatz-Niederlage nach sechs Jahren und ließ dann gleich die nächste lange Serie folgen - bis 1981 gewann sie 65 Sandplatz-Matches in Folge. Evert räumte auch in den drei Jahren (1975 bis 1977), in denen die US Open auf Sand ausgetragen wurden, jeden Titel ab, womit sie zehn ihrer insgesamt 18 Grand-Slam-Trophäen auf Sand gewonnen hat. Die US-Amerikanerin war "Americas Sweetheart" und bekam zunächst den Namen "Eisprinzessin" verpasst, später wurde sie die "Eiserne Jungfrau" genannt, da sie auf dem Platz mit versteinerter Miene kaum Gefühlsregungen zeigte und mit unerschütterlicher, stoischer Ruhe ihr Spiel machte und die Gegnerin zu Verzweiflung trieb.

Mit einer Siegquote von 90 Prozent ist Evert auch die prozentual erfolgreichste Einzelspielerin, die es je im Damentennis gegeben hat. Abseits des Platzes gehörte Evert zu den beliebtesten Spielerinnen im Damentennis. Die US-Amerikanerin zeigte nie Starallüren und eroberte durch ihre offene Art die Herzen. "Chris Evert hat nie einen Wutanfall bekommen, über ihre Gegnerinnen geschimpft oder Offizielle beschuldigt. Eine Fehlentscheidung hat sie nur eisern erstarren lassen. Chris hat sich wie eine Erwachsene verhalten, die volle Verantwortung für ihr Auftreten und ihr Verhalten übernommen hat", sagt die Kulturhistorikerin Camille Paglia.

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