Tennis

„Ob ich nun 17 oder 30 bin, das ändert nichts für mich“

© (c) GEPA pictures/ Matthias Hauer

Die Vorarlbergerin verbuchte mit der dritten Runde bei den Australian Open ihr bestes Grand-Slam-Ergebnis und spürt noch viel Potential in sich.

Frau Meusburger, gegen die zweifache Titelverteidigerin Victoria Azarenka hat es am Samstag eine klare Niederlage gegeben. Wie haben Sie das Match empfunden?

Ich habe einen guten Start erwischt und mich gut gefühlt. Ich konnte das leider nicht über das ganze Match mitnehmen. Dementsprechend ist das Ergebnis klar ausgefallen. Ich habe am Anfang kein Aufschlagspiel durchgebracht, was mich sehr verunsichert hat. Mein Selbstbewusstsein ist gesunken. Vom Spielerischen her war ich am Anfang voll dabei. Ich nehme viel Positives mit und weiß, woran ich arbeiten muss. Es gibt keinen Grund, enttäuscht zu sein.

Was hätten Sie im Match gegen Azarenka besser machen können?

Sie hat sehr gutes Tennis gespielt und wenige Fehler gemacht. Aber du musst viel aggressiver gegen sie spielen, als ich es gemacht habe. Es hat mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben, dass ich in der letzten Zeit immer wieder gute Matches gespielt habe und gegen die Top-Spielerinnen antreten durfte. Das tut mir sehr gut. Ich bin überzeugt, dass man durch solche Matches weitaus mehr lernen kann, auch wenn diese in die Hose gehen, als durch die Siege.

Was fehlt Ihnen noch, um Matches gegen die Top-Spielerinnen etwas enger zu gestalten?

Wenn ich meinen Aufschlag noch verbessere und mir noch etwas mehr zutraue, denke ich, dass es ein komplett anderes Spiel wird. Vom Spielerischen her sehe ich nicht die ganz großen Unterschiede. Wir haben sehr viel an meinem Spiel gearbeitet. Mein Spiel hat einen enormen Schritt nach vorne gemacht. Es sind Kleinigkeiten, die entscheiden. Vieles spielt sich im Kopf ab. Du darfst nicht mit der Einstellung in solch ein Match gehen, dass du ein gutes Match spielen willst, sondern du musst es dir zutrauen, sie zu schlagen. Denn jede Gegnerin ist schlagbar.

War es ungewohnt für Sie auf so einem großen Platz zu spielen, dazu noch in der Nightsession?

Es war nicht einfach. Es war die erste Nightsession für mich. Das ist immer eine spezielle Situation, mit der muss man umgehen können. Ich habe versucht, das Beste daraus zu machen. Der Platz ist ganz anders, die Ausmaße sind viel größer. Ich finde, dass die Außenplätze viel schneller sind als der Platz in der Rod Laver Arena. Das sind zwar Kleinigkeiten, aber diese machen dennoch etwas aus. Ansonsten war es ein schönes Erlebnis, dort zu spielen. Mir hat das sehr gut gefallen. Ich hoffe, dass es nun öfters vorkommt, dann kann ich mit der Situation auch besser umgehen.

Ist das Match gegen Azarenka Ihr bislang größtes Match gewesen oder eher das Match gegen Agnieszka Radwanska in Wimbledon?

Das Match gegen Azarenka ist schon höher einzustufen als das Match gegen Radwanska. Es war Nightsession in der Rod Laver Arena. Das steht über dem Match in Wimbledon.

Wie fällt Ihr Fazit nach den Australian Open aus?

Es ist auf alle Fälle ein super Turnier für mich gewesen. Ich habe zum ersten Mal die dritte Runde bei einem Grand Slam erreicht. Es gibt aber noch viele Sachen, an denen ich arbeiten werde. Ich schaue positiv in die Zukunft.

Warum hat es erst im 19. Anlauf geklappt, um bei einem Grand-Slam-Turnier in die dritte Runde einzuziehen?

Jeder Mensch entwickelt sich anders. Es gibt Spielerinnen, die sich schnell entwickeln und andere, die sich langsamer entwickeln. Zu diesen Menschen gehöre ich anscheinend. Dann gibt es auch noch Spielerinnen, die sich schwer tun, wo der Durchbruch gar nicht kommt. Man muss es so akzeptieren, wie es ist. Der Knopf ist bei mir jetzt aufgegangen, darüber bin ich sehr froh. Ob ich nun 17 oder 30 bin, das ändert nichts für mich, denn das Gegebene, das ich erreicht habe, das habe ich erreicht.

Ist die dritte Runde hier in Melbourne höher einzustufen als Ihr Turniersieg in Bad Gastein?

Ich vergleiche die beiden Sachen nicht miteinander. Ein Grand Slam ist komplett was anderes. Der WTA-Titel war natürlich etwas ganz Besonderes und wird es auch immer bleiben. Die dritte Runde bei einem Grand Slam ist auch was Spezielles, was ich ja vorher noch nicht geschafft habe. Das ist besonders schön, weil es hier in Australien bei meinem Lieblings-Grand-Slam passiert ist. Jeder Erfolg hat seinen eigenen Stellenwert.

Die Australian Open haben sich auch finanziell sehr gelohnt. Haben Sie schon eine Idee, was Sie mit dem Preisgeld machen?

Ich weiß gar nicht genau, wie viel ich bekomme. Das geht definitiv aufs Konto, da wir das Geld immer wieder für den Sport verwenden müssen. Daher tut das Preisgeld auch gut. Für die Zukunft ist das sicherlich auch hilfreich, wenn man sich eine Wohnung oder ein kleines Haus kaufen möchte. Ein bisschen werde ich aber sicherlich von dem Preisgeld ausgeben. Eine kleine Shoppingtour zu Hause wird schon drin sein.

Wie geht es nach den Australian Open für Sie weiter?

Erstmals geht es zurück nach Hause. Dann stehen Paris und der Fed Cup in Budapest auf dem Programm. Ansonsten werde ich alle großen Turnieren spielen in der nächsten Zeit: Doha, Dubai, Acapulco, Indian Wells und Miami.

Nach den Australian Open werden Sie auf Platz 40 stehen - so gut wie noch nie. Hätten Sie das vor einem Jahr für möglich gehalten?

Das ist auf alle Fälle schon ein bisschen verrückt. Ich freue mich riesig darüber. Das ist etwas, was mir keiner nehmen kann. Ich habe das erreicht, und auf das darf man auch stolz sein.

Was hat Ihr Trainer Joachim Kretz mit Ihnen angestellt, dass Sie auf einmal so durchstarten?

Wir haben an meiner Persönlichkeit gearbeitet. Da habe ich einen Riesensprung gemacht, privat, als Mensch. Er hat mir da den richtigen Weg geleitet. Ohne ihn hätte ich das nicht geschafft. Das ist der Schlüsselfaktor zum Erfolg, denke ich. Joachim ist mein Haupttrainer, hier in Australien bin ich mit Daniel Huber, der ebenfalls zum Team gehört. Jeder hat sein Quäntchen zum Erfolg beigetragen.

Was hat sich im letzten Jahr am meisten bei Ihnen verändert?

Das letzte Jahr war sehr gut mich. Ich habe mich sportlich, aber vor allem auch persönlich extrem weiterentwickelt. Das ist der Schlüsselfaktor. Tennis spielen können wir alle. Vieles spielt sich im Kopf ab. Da habe ich mich sehr entwickelt und kann mein Vorhaben mehr und mehr auf dem Platz umsetzen. Das hat die letzte Saison auch bestätigt.

Was glauben Sie, wohin die Reise mit Ihnen noch gehen kann?

Ich muss ehrlich sagen, dass ich fühle, dass noch viel Potential in mir ist. Wenn ich nur mein Tennis betrachte, glaube ich, dass noch ein Sprung nach vorne möglich ist. Ich muss an bestimmten Sachen arbeiten. Aber ich bin ein Mensch, der nicht aufgeben will und die Dinge verbessern möchte. Bevor ich diese Dinge nicht in den Griff bekomme, höre ich nicht auf.

Im Februar steht der Fed Cup in Budapest auf dem Programm. Was sagen Sie zur Auslosung?

Die Auslosung ist gut. Die Gruppenspiele sind absolut machbar. Wir haben ein gutes Team und wir können das schaffen.

Waren Sie überrascht, dass alle Spielerinnen sofort zugesagt haben?

Nein, ich war nicht überrascht. Diejenigen, die nun im Team dabei sind, wollen auch unbedingt Fed Cup spielen.

Das Gespräch führte Christian Albrecht Barschel.

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