Australian Open

Als Karsten Braasch die Williams-Schwestern vernaschte

Donnerstag, 23.01.2014 | 17:02 Uhr
© (c) Ingrid Gerencser

Der Kettenraucher aus Deutschland zeigte 1998 in Melbourne Serena und Venus Williams die Grenzen auf.

Von Christian Albrecht Barschel

Es war Dienstag, der 27. Januar 1998. Die zweite Turnierwoche bei den Australian Open in Melbourne war angebrochen. Das große Thema des Tages war jedoch nicht die Viertelfinals bei den Damen, sondern die Geschehnisse, die sich auf Platz 12, einem kleinen Platz auf der Anlage im Melbourne Park, abspielten. Das Duell der Geschlechter zwischen dem 31-jährigen Deutschen Karsten Braasch und den beiden Schwestern Serena Williams (damals 16 Jahre alt) und Venus Williams (damals 17 Jahre alt) stand auf dem Programm.

Wie kam es überhaupt zu dem ungewöhnlichen Vergleich? Die Williams-Schwestern waren es gewohnt, mit Männern zu trainieren. Und so ließ sich Serena Williams, zum Zeitpunkt der Australian Open die Nummer 53 der Welt, zu der Aussage hinreißen, dass sie einige Spieler in den Top 200 der Herren-Weltrangliste besiegen würde. Eine gewagte These der Teenagerin, die überprüft werden wollte. Karsten Braasch nahm die Herausforderung an. Der Deutsche befand sich in den Endzügen seiner Karriere und war bekannt als Lebemann. Braasch war in den Neunzigern ein richtiger Typ, quasi der Mario Basler des Tennissports. Er rauchte wie ein Schlot und gönnte sich hin und wieder ein Bier. Seine Markenzeichen waren seine Brille, der Schnurrbart, den er viele Jahre trug, und seine unkonventionelle Spielweise. Vor allem mit seinem Korkenzieher-Aufschlag sorgte er regelmäßig für Schmunzeln bei den Zuschauern.

Golf und Radler als Vorbereitung

Braasch hatte 1998 seine beste Zeit bereits hinter sich. Vier Jahre zuvor stand er noch auf seinem Karriere-Hoch auf Platz 38. Bei den Australian Open schied er nach erfolgreicher Qualifikation in der ersten Runde aus. "Zur Zeit der Australian Open 1998 haben die Williams-Schwestern, Venus und Serena, einigen Männern beim Training zugeguckt. Aus ihren Eindrücken waren sie überzeugt davon, dass sie einen Mann, der um Platz 200 in der Weltrangliste notiert war, schlagen könnten. Sie wollten ein Match arrangieren. Zu dieser Zeit stand ich auf Platz 203. Der Manager der ATP-Tour erwähnte die Möglichkeit dieser Herausforderung und dachte, dass ich der perfekte Kandidat dafür sei. Es brauchte wenig Überzeugungskraft. Es schien, dass es einige spaßige Angelegenheit werden würde", erinnerte sich Braasch in der britischen Zeitung "The Guardian".

Das mit Spannung erwartete Duell wurde allerdings ein paar Mal verschoben, ehe es tatsächlich stattfand. "Mein Spiel gegen beide musste ein paar Mal umorganisiert werden. Die Vorbereitung ist wichtig. Man muss sich erinnern, dass solch ein Spiel unbeschwert ist. Es zu ernst zu nehmen, wäre ein Fehler. Meine Trainingsvorbereitung beinhaltete eine gemütliche Runde Golf am Morgen gefolgt von einigen Radlern. Ich tauchte auf dem Platz angemessen entspannt auf." Braasch knöpfte sich zunächst Serena Williams vor und machte sich sogar das Handicap, zu Beginn des Matches nur einen Aufschlag zu haben. Gespielt wurde nur ein Satz. Dennoch wurde es eine einseitige Angelegenheit und eine Trainerstunde. "Ich fühlte mich so entspannt, dass ich mich nicht mal richtig aufgewärmt habe. Wir haben angefangen zu spielen und ich raste zu einer 5:0-Führung. Zu diesem Zeitpunkt tauchte Venus auf, um es sich anzuschauen. Sie hatte gerade ihre Pressekonferenz nach ihrer Viertelfinal-Niederlage gegen Lindsay Davenport beendet. Schließlich habe ich mein Match gegen Serena mit 6:1 gewonnen", erzählte Braasch.

Zigarettenpause beim Seitenwechsel

Serena Williams fand kein Mittel, um halbwegs konkurrenzfähig gegen den Deutschen zu sein. "Es war sehr schwer. Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer wird. Ich habe Schläge gemacht, die auf der WTA-Tour Gewinnschläge gewesen wären, aber er hat sie einfach erreicht", sagte Serena nach der Niederlage. So einfach, dass sich Braasch während des Seitenwechsels eine Zigarette anzündete. Nach der Niederlage von Serena wollte Venus ihr Glück versuchen. "Venus stand auf dem Platz, um es gegen mich zu probieren. Das Match gegen Venus war sehr ähnlich. Es endete mit einem 6:2 für mich." Es gab also zwei klare Siege für Braasch, den sie in Tenniskreisen "die Katze" nannten. Der Deutsche spielte nicht annähernd sein bestes Tennis, wie einige Beobachter berichteten. "Ich denke nicht, dass sie jemals einen Spieler in den Top 500 besiegen können, weil ich heute wie ein Typ, der auf Platz 600 notiert ist, gespielt habe", erzählte Braasch hinterher. Dennoch hatte er lobende Worte für die Williams-Schwestern übrig.

"Beide Schwestern sind tolle Tennisspielerinnen und schlagen den Ball extrem gut. Wie auch immer, wenn du auf der Herren-Tour spielst, gibt es gewisse Schläge, die man machen kann, um sie in Bedrängnis zu bringen. Versuche, viel Spin in den Ball zu bekommen. Ich habe den Ball mit einigem Spin versehen, den sie nicht jede Woche bekommen. Ein weiterer Schlüssel ist, jedem Ball hinterher zu rennen. In unserem Match haben sie Schläge in die Ecken platziert, die auf der Damen-Tour Gewinnschläge wären, aber ich konnte sie returnieren. Letztendlich habe ich gewonnen, aber weder ich noch Venus oder Serena haben das Match zu ernst genommen. Wir hatten einfach ein wenig Spaß."

Serena Williams rudert zurück

Nach den Duellen gaben die Williams-Schwesten bekannt, dass sie sich nun einen anderen Spieler suchen würden, der allerdings über Platz 350 in der Weltrangliste steht. Braasch nahm das zum Anlass, um zu scherzen. "Ich habe den Journalisten, der mir das erzählt hat, informiert, dass ich in der nächsten Woche viele ATP-Punkte verlieren werde und in der Rangliste hinter Platz 350 fallen werde. Ich habe ihm gesagt, dass, wenn Venus und Serena eine Woche warten würden, sie mich erneut herausfordern könnten. Das passierte aber nie, aber als ich Venus ein paar Monate später bei den French Open sah, kam sie mit einem breitem Grinsen in ihrem Gesicht auf mich zu und sagte, ‚Du kennst die Sache in Australien - das ist nie passiert!'"

2010 setzte Serena Williams dem Krieg der Geschlechter ein Ende. "Ich denke, dass Damen- und Herrentennis sehr verschieden sind. Männer sind einfach stärker als Frauen. Es ist so, als wenn man Äpfel mit Birnen vergleicht. Ich hätte niemals eine Chance gegen einen Mann innerhalb der Top 100", erklärte die US-Amerikanerin. 2013 kam Andy Murray allerdings mit dem Vorschlag, ein Match gegen Serena in Las Vegas zu spielen. "Er will gegen mich spielen? Ist er sicher? Ich glaube nicht, dass ich einen Punkt machen würde, aber das wäre ein Spaß. Wir können ein wenig Show bieten", antwortete Williams auf die Offerte von Murray.

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