Tennis

Das Fazit

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Wie ist es den Spielern und Spielerinnen ergangen, die wir für das Jahr 2012 auf dem Zettel hatten.

(Auf dem Foto von links nach rechts: Bojana Jovanovski, Ryan Harrison, Laura Robson)

Von Christian Albrecht Barschel und Manuel Wachta

Am Silvestertag 2011 hatten wir fünf Herren, fünf Damen und fünf österreichische Spieler für die Saison 2012 vorgestellt, von denen wir uns viel versprachen. Wie ist es ihnen im Jahr 2012 ergangen? Hier ist das Fazit!

Herren:

Bernard Tomic (Ende 2011: Platz 42; Ende 2012: Platz 52)

Es war ein turbulentes Jahr für Bernard Tomic. Der Australier startete gut in die Saison mit dem Halbfinale in Brisbane und dem Achtelfinale bei den Australian Open. Doch dann setzte allmählich der Abwärtsstrudel bei Tomic ein. In Miami wollte der mittlerweile 20-Jährige seinen Vater von der Tribüne verbannen. Im September verlor er mit Australien das Relegationsspiel im Davis Cup gegen Deutschland. Dann ermittelte auch noch die Polizei wegen einer Prügelei mit einem Freund gegen ihn. Zu guter Letzt warf Patrick Rafter ihn auch noch aus dem Davis-Cup-Team für die Begegnung Anfang Februar. 2013 kann es fast nur besser werden für Tomic.

Fazit: Erwartungen nicht erfüllt.

Ryan Harrison (Ende 2011: Platz 79; Ende 2012: Platz 69)

Der große Durchbruch blieb bei Ryan Harrison im Jahr 2012 aus. Seine größten Erfolge in der abgelaufenen Saison waren das Achtelfinale in Indian Wells und die Halbfinals bei den Rasenturnieren in Eastbourne und Newport. Zwischenzeitlich hatte sich der 20-jährige US-Amerikaner bis auf Platz 43 vorgespielt. Doch zum Jahresende ging es wieder abwärts.

Fazit: Erwartungen nicht ganz erfüllt.

Benjamin Mitchell (Ende 2011: Platz 227; Ende 2012: Platz 326)

Auch für den zweiten Australier, den wir für 2012 auf dem Radar hatten, ging es nicht aufwärts, sondern abwärts. Benjamin Mitchell verlor im Vergleich zum Vorjahr knapp 100 Plätze in der Weltrangliste. 13-mal scheiterte Mitchell in der ersten Runde, viermal war in der ersten Quali-Runde Schluss. Zum Ende des Jahres ging die Formkurve des Australiers wieder nach oben. Mitchell gewann ein Future-Turnier in seiner Heimat und erreichte ein weiteres Endspiel.

Fazit: Erwartungen überhaupt nicht erfüllt.

Jiri Vesely (Ende 2011: Platz 603; Ende 2012: Platz 263)

Die richtig großen Schlagzeilen hat Jiri Vesely 2012 nicht geschrieben, dennoch hat sich der Tscheche Stück für Stück nach oben gespielt. Vesely machte in der abgelaufenen Saison einen Sprung von gut 350 Plätzen in der Weltrangliste. Der 19-Jährige gewann fünf Future-Turniere und stand zwischenzeitlich auf Platz 254. Vesely wird 2013 noch mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen und die Top 100 knacken. Da sind wir uns sicher.

Fazit: Erwartungen teilweise erfüllt.

James Duckworth (Ende 2011: Platz 275; Ende 2012: Platz 209)

Der dritte Australier in unserer Liste, und dabei der einzige, für den es tatsächlich nach vorne gegangen ist: James Duckworth hat sich 2012 auf der Challenger-Ebene etabliert. Mit zwei Halbfinals, vier Viertelfinals sowie seinem ersten Hauptbewerbssieg bei einem Grand Slam (bei seinem Heimspiel, den Australian Open in Melbourne) spielte er sich zwischenzeitlich bis auf Platz 167. Er überwintert jedoch außerhalb der Top 200, auch weil er bereits Ende September die Saison beendete, um sich auf den australischen Sommer 2013 vorzubereiten.

Fazit: Erwartungen teilweise erfüllt.

Damen:

Christina McHale (Ende 2011: Platz 43; Ende 2012: Platz 33)

Christina McHale spielte 2012 konstant gut, aber noch nicht gut genug für die richtige Weltspitze. Die US-Amerikanerin stand zwischenzeitlich auf Platz 24. Bei den Grand Slams erreichte die 20-Jährige dreimal die dritte Runde. McHale schlug meistens die in der Weltrangliste hinter ihr stehenden Spielerinnen, schied dann aber immer wieder gegen vor ihr platzierte Kolleginnen aus. Um den nächsten Schritt zu machen, muss McHale auch mal Top-10 und Top-20-Spielerinnen besiegen.

Fazit: Erwartungen teilweise erfüllt.

Bojana Jovanovski (Ende 2011: Platz 73; Ende 2012: Platz 56)

Bojana Jovanovski stand 2011 schon auf Platz 50. Doch so richtig voran will es bei der Serbin nicht gehen. Jovanovskis Höhepunkt 2012 war der Titelgewinn in Baku. Es war ihr erster WTA-Turniersieg. Am heutigen Silvestertag wird die Serbin 21 Jahre alt. Jovanovski gehört nicht zu den geduldigsten Spielerinnen. Sie ist vor allem bekannt für ihr exzessives Stöhnen. In der zweiten Runde beim diesjährigen Wimbledonturnier beschwerte sich Sabine Lisicki beim Schiedsrichter über das laute Stöhnen. Jovanovski wurde anschließend merklich leiser, verlor den Faden und das Match.

Fazit: Erwartungen teilweise erfüllt.

Laura Robson (Ende 2011: Platz 132; Ende 2012: Platz 53)

Im ersten Halbjahr lief bei Laura Robson noch nicht allzu viel zusammen. Doch in der zweiten Jahreshälfte platzte bei der Britin der Knoten. Die 18-Jährige erreichte zunächst das Halbfinale in Palermo. Berühmtheit erlangte Robson dann als Mixed-Partnerin von Andy Murray bei den Olympischen Spielen. Das Duo holte die Silbermedaille für Großbritannien. Beflügelt von der olympischen Erfahrung spielte Robson bei den US Open groß auf, beendete die Karriere von Kim Clijsters und schaffte den Einzug ins Achtelfinale. Im chinesischen Guangzhou stand sie wenige Wochen später in ihrem ersten Finale auf der WTA-Tour. In ihrer Zeit in China entstand auch ein kultiges Video an der Seite der Kanadierin Eugenie Bouchard. Robson und ihre gute Freundin parodierten den Welthit "Gangnam-Style" und sorgten damit für einige Lacher.

Fazit: Erwartungen erfüllt.

Caroline Garcia (Ende 2011: Platz 147; Ende 2012: Platz 154)

Bei Caroline Garcia ging es 2012 nicht wirklich bergauf, sondern eher etwas bergab. Die 19-Jährige versuchte sich, auf der WTA-Tour zu etablieren. Doch der Versuch ist vorerst gescheitert. Mit ihrer gleichaltrigen Landsmännin Kristina Mladenovic könnte Garcia eines Tages das französische Fed-Cup-Team stellen. Mladenovic hat im Vergleich zu Garcia die Top 100 bereits geknackt.

Fazit: Erwartungen nicht erfüllt.

Dinah Pfizenmaier (Ende 2011: Platz 262; Ende 2012: Platz 141)

Dinah Pfizenmaier tauchte 2011 wie Phönix aus der Asche auf. Von 0 auf Platz 262 in nur vier Monaten. Die Deutsche hatte alle überrascht, am meisten wohl sich selbst. In diesem rasanten Tempo ging es 2012 nicht ganz voran. Dennoch verbesserte sich Pfizenmaier in der Weltrangliste bis auf Platz 121. Bei den French Open qualifizierte sie sich zum ersten Mal für ein Grand-Slam-Turnier, überstand die erste Runde und durfte im zweiten Match auf dem Court Philippe Chatrier spielen. In der neuen Saison gilt es für Pfizenmaier, den Sprung auf die WTA-Tour zu schaffen.

Fazit: Erwartungen erfüllt.

ÖsterreicherInnen:

Gerald Melzer (Ende 2011: Platz 345; Ende 2012: Platz 281)

Der ganz große Sprung ist sich auch 2012 nicht ausgegangen, dazu waren vor allem bis Ende Juli zu viele zwischenzeitliche Leerläufe dabei. Dennoch war auch dieses Jahr für Gerald Melzer wieder ein kleiner Schritt nach vorne. Der 22-jährige Niederösterreicher schließt die Saison über 60 Plätze besser als die letzte auf seinem Career High von Rang 281 ab. Mut macht vor allem das so starke Finish mit zwei Turniersiegen und zwei Finals sowie vier Doppel-Titeln bei seinen letzten vier Antritten.

Fazit: Erwartungen teilweise erfüllt.

Dominic Thiem (Ende 2011: Platz 640; Ende 2012: Platz 310)

Die Top 200 hatte sein gestrenger Trainer Günter Bresnik von ihm für 2012 gefordert. Doch mit nur fünf ATP-Punkten bis in den Mai hinein war schnell klar, dass dieses Ziel wohl außer Reichweite bleiben würde. Danach deutete der 19-jährige Niederösterreicher jedoch an, warum ihm von fast allen Seiten so großes Potential bescheinigt wird. Er verteidigte etwa den Achtelfinal-Einzug beim ATP-Turnier in der Wiener Stadthalle und schloss das Jahr mit zwei Titeln bei stark besetzten 15.000-Dollar-Futures in Marokko ab. Die Richtung stimmt also wieder.

Fazit: Erwartungen teilweise erfüllt.

Dennis Novak (Ende 2011: kein ATP-Ranking; Ende 2012: Platz 708)

Bei ÖTV-Turnieren und auf der ITF-Junioren-Tour überzeugte er schon länger mit guten Leistungen, jetzt hat Dennis Novak diese auch erstmals auf die Future-Ebene transportiert. War für den Alters- und Trainingskollegen von Dominic Thiem zuerst meist in den Qualifikationen Endstation gewesen, so holte er im Juni in Marburg bei seinem 15. internationalen Herren-Turnierstart endlich den ersten ATP-Punkt - und stürmte gleich bis ins Finale und schrieb danach bei fast jedem Future zumindest an. Ab Mitte September konnte er jedoch nur noch zwei Turniere bestreiten.

Fazit: Erwartungen teilweise erfüllt.

Patrick Ofner (Ende 2011: kein ATP-Ranking; Ende 2012: Platz 742)

Die Matura am BORG Hubertusstraße in Klagenfurt im Juni und der Gang zum Österreichischen Bundesheer nach dem Sommer standen bei Patrick Ofner im Vordergrund. Und so blieb's 2012 nur bei einem Hineinschnuppern in die Herren-Futures, der Kärntner bestritt gerade einmal neun internationale Turniere. Dafür ist ein Einstieg unter die Top 750 im ATP-Ranking also absolut zufriedenstellend. Punkte konnte er zwar nur bei vier Turnieren verbuchen, Mitte August feierte der 19-Jährige aber in Innsbruck schon seinen ersten Future-Titel.

Fazit: Erwartungen erfüllt.

Barbara Haas (Ende 2011: kein WTA-Ranking; Ende 2012: Platz 528)

Schien sie 2011 in ihrer Entwicklung ein wenig steckengeblieben zu sein, so zeigte Barbara Haas 2012 wieder, warum sie als das derzeit mit Abstand größte rot-weiß-rote Talent im Damentennis gilt. Ein Turniersieg (mit erst 16 Jahren bei ihrem Heimspiel beim UTC La Ville in Wien), zwei weitere Finals, drei weitere Halbfinals, je ein Viertel- und ein Achtelfinale und keine einzige Erstrunden-Niederlage bei ihren 10.000-Dollar-Turnierstarts, das kann sich sehen lassen. Zudem stürmte sie mit dem Finaleinzug und dem Doppeltitel bei den Eddie Herr International Junior Tennis Championships in Bradenton unter die ITF-Top-30. Bei allem Raum nach oben: eine wahrlich gelungene Saison.

Fazit: Erwartungen erfüllt.

Morgen stellen wir fünf Herren, fünf Damen und fünf ÖsterreicherInnen vor, die man für 2013 im Auge behalten sollte.

(Fotos: GEPA pictures)

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