Tennis

Zehn denkwürdige Endspiele in New York

© GEPA pictures

tennisnet.com präsentiert Finals in New York, die für viel Aufsehen gesorgt haben.

Von Christian Albrecht Barschel

Herren:

2011: Novak Djokovic - Rafael Nadal 6:2, 6:4, 6:7 (3), 6:1

Ob es das beste US-Open-Finale bei den Herren war, darüber lässt sich natürlich streiten. Wahrscheinlich spiegeln die nackten Zahlen auch nicht die Intensität dieses packenden Fights zwischen Novak Djokovic und Rafael Nadal wider. Der Serbe und der Spanier lieferten sich eine zähe Auseinandersetzung über 4:10 Stunden. Ballwechsel mit 20 oder mehr Schlägen und Marathon-Spiele mit bis zu 20 Minuten waren keine Seltenheit. Das Finale war ein ständiges Auf und Ab. Nadal führte in den Sätzen eins und zwei mit Break. Die Sätze gingen aber an Djokovic, der bei 6:5-Führung im dritten Satz zum Titelgewinn servierte. Nadal kämpfte sich in seiner unnachahmlichen Art zurück. Im vierten Satz zeigte der "Djoker" aber seine ganze Klasse und gewann zum ersten Mal die US Open. "Ich habe alles versucht, aber der Typ da drüben ist Wahnsinn", sagte Nadal im Anschluss. "Gegen Rafa zu spielen, ist immer eine Herausforderung. Ich hoffe, wir haben noch viele harte Matches", sagte Djokovic und behielt damit natürlich Recht.

2010: Rafael Nadal - Novak Djokovic 6:4, 5:7, 6:4, 6:2

Die US Open 2010 standen ganz im Zeichen von Rafael Nadal. Der Spanier zeigte sich in einer Überform und spazierte ohne Satzverlust ins Endspiel. Nadal hatte die große Chance, als siebter Spieler den Karriere-Grand-Slam zu schaffen und in den Tennis-Olymp aufzusteigen. Novak Djokovic hatte natürlich was dagegen und wollte seinerseits zum ersten Mal die US Open gewinnen. Im Endspiel war aber Nadal der dominierende Mann, der sich auch durch eine zweistündige Regenpause und dem Satzausgleich nicht aus der Ruhe bringen ließ. Nadal sicherte sich nach 3:42 Stunden den US-Open-Titel und das letzte noch fehlende Puzzlestück zum Karriere-Grand-Slam. "Das ist mehr, als ich mir erträumt habe", freute sich Nadal und sagte zu Djokovic. "Gratuliere, du hast ein super Turnier gespielt, und ich glaube, du wirst das Turnier hier bald gewinnen." Ein Jahr später war es dann so weit mit dem Titelcoup von Djokovic.

2005: Roger Federer - Andre Agassi 6:3, 2:6, 7:6 (1), 6:1

Die US Open 2005 freuten sich auf ihr erhofftes Traumfinale zwischen dem damaligen Weltranglisten-Ersten Roger Federer und dem Altmeister Andre Agassi. Federer war zu diesem Zeitpunkt mit fünf Grand-Slam-Titeln dekoriert, Agassi griff nach seinem neunten Titel. Es war also ein Finale der Superlative. Agassi war mit 35 Jahren einer der ältesten Finalisten, die es in New York je gab. Der US-Amerikaner spielte seine 20. US Open und leistete Federer drei Sätze lang erbitternden Widerstand. Am Ende war die Dominanz des Schweizers aber zu groß. "Das ist wahrscheinlich das besonderste Grand-Slam-Finale in meiner Karriere. Gegen Andre in New York zu spielen, ist ein Traum", sagte Federer. Agassi nahm seine Niederlage sportlich, wohl auch mit der Gewissheit, gegen den besten Spieler aller Zeiten verloren zu haben. Ich habe gegen jemanden verloren, der einfach besser ist. Er ist der Beste, gegen den ich je gespielt habe", sagte der US-Amerikaner. Ein Jahr später beendete Agassi mit seinem 21. Auftritt bei den US Open seine Karriere.

2002: Pete Sampras - Andre Agassi 6:3, 6:4, 5:7, 6:4

Das US-Open-Finale 2002 wurde, was zu dem Zeitpunkt noch keiner wissen konnte, das letzte Spiel von Pete Sampras. Es hätte für den US-Amerikaner wohl keinen besseren Abschluss der Karriere geben können, als mit einem Grand-Slam-Titel abzutreten. Der Finalgegner von Sampras war sein Landsmann und ewiger Rivale, Andre Agassi. Beide hatten sich schon 1990 beim ersten Grand-Slam-Erfolg von Sampras im Finale der US Open gegenübergestanden. Zwölf Jahre später schloss sich dann der Kreis. Sampras und Agassi waren mittlerweile über 30 Jahre alt und duellierten sich in einem der ältesten Grand-Slam-Finals. Sampras setze sich in vier Sätzen durch und gewann seinen 14. und letzten Titel bei einem Grand-Slam-Turnier. "Einen Rivalen wie Andre zu besiegen, wäre ein Bilderbuchende. Es wäre schön, jetzt aufzuhören", sagte Sampras und ließ seine Ankündigung wahr werden. 50 Wochen später gab er in New York sein Karriereende bekannt.

1988: Mats Wilander - Ivan Lendl 6:4, 4:6, 6:3, 5.7, 6:4

1988 war ein Traumjahr für das schwedische Tennis. Mats Wilander gewann die Australian Open und die French Open. Stefan Edberg triumphierte in Wimbledon. Wilander hatte bei den US Open die Chance, mit dem Titelgewinn die dreijährige Regentschaft von Ivan Lendl als Weltranglisten-Erster zu beenden und selbst Nummer eins zu werden. Es kam zum Endspiel zwischen dem Schweden und dem dreifachen Titelverteidiger Lendl. Ein Jahr zuvor hatten es sich die deiden im Finale vier Stunden und 47 Minuten gegeben. 1988 setzten Wilander und Lendl noch einen drauf und spielten mit 4:54 Stunden das längste US-Open-Finale in der Geschichte. Wilander setzte sich in fünf Sätzen durch und war am Tennisgipfel angekommen. "Das ist das größte Match, das ich je gespielt habe. Es bedeutet mir so viel", sagte Wilander. Nachdem er Nummer eins geworden war, ging es beim Schweden aber steil bergab. Wilander gewann danach nur noch zwei Turniere.

Damen:

2009: Kim Clijsters - Caroline Wozniacki 7:5, 6:3

Das US-Open-Finale 2009 war eigentlich recht unspektakulär. Kim Clijsters setzte sich im Endspiel recht souverän gegen Caroline Wozniacki durch. Wäre da nicht dieses sagenhafte Comeback von Clijsters gewesen, das den Höhepunkt mit dem Triumph in New York fand. Ein Jahr nach der Geburt ihrer Tochter Jada fasste Clijsters den Entschluss, auf die Tennisbühne zurückzukehren. Bei den US Open 2009 spielte die Belgierin erst ihr drittes Turnier nach der Rückkehr und konnte in New York nur dank einer Wildcard teilnehmen. Clijsters schaffte das kaum für möglich Gehaltene und sicherte sich den Titel bei den US Open. Noch nie zuvor hatte eine Spielerin mit einer Wildcard ein Grand-Slam-Turnier gewonnen. "Ich kann es immer noch nicht glauben. Ich hatte gar nicht den Plan, hier zu gewinnen. Ich bin nur gestartet, um wieder einmal zu spüren, wie es ist, ein Grand-Slam-Turnier zu spielen Noch vor 18 Monaten habe ich überhaupt nicht an Tennis gedacht", bejubelte Clijsters mit ihrer Tochter ausgelassen den Triumph. Das "Kimback" der Belgierin war auf dem vorläufigen Höhepunkt.

2001: Venus Williams - Serena Williams 6:2, 6:4

Der 8. September 2001 war ein historischer Tag für das Damentennis. Zum zweiten Mal in der Tennisgeschichte standen sich mit Venus Williams und Serena Williams zwei Schwestern in einem Grand-Slam-Finale gegenüber. Das allererste Mal ereignete sich dies beim Wimbledonturnier 1884 zwischen Maud Watson und Lillian Watson. Hochklassig war das 69-minütige Finale zwischen den Williams-Schwestern allerdings nicht. Venus setzte sich glatt in zwei Sätzen durch und feierte ihren zweiten US-Open-Titel. "Eine öffentliche Tracht Prügel im Finale, das viel mehr historisch als dramatisch war", schrieb die "Associated Press". "Es gab einige gute Sachen und einige schlechte Sachen. Ich will immer gewinnen. Aber ich bin die große Schwester. Ich will sicher gehen, dass sie alles hat, auch wenn ich nichts habe. Es ist hart. Ich liebe sie zu sehr. Das ist das, was zählt", sagte Venus hinterher. Es sollte nicht das einzige Grand-Slam-Finale der Williams-Schwestern bleiben. In sieben weiteren Endspielen kreuzten Venus und Serena ihre Schläger. Sechsmal hatte Serena das bessere Ende für sich.

1995: Steffi Graf - Monica Seles 7:6 (6), 0:6, 6:3

Auf dieses Spiel hatte die Tenniswelt gewartet. Im US-Open-Finale 1995 standen sich Steffi Graf und Monica Seles gegenüber. Es war ein Endspiel mit einer ganz besonderen und traurigen Vorgeschichte. Seles wurde im April 1993 in Hamburg von einem irren Steffi-Graf-Fan niedergestochen. Die körperlichen Wunden verheilten schnell, doch die seelischen blieben. Erst im August 1995 gab Seles ihr Comeback und siegte in Toronto gleich bei ihrem ersten Turnierauftritt. Kurze Zeit später schaffte sie den Einzug in das Finale der US Open, wo sie auf Graf traf. Ein Duell, das die Erinnerung an das Messerattentat wieder in ihr Gedächtnis brachte. Auch Graf plagten persönliche Probleme zu der Zeit. Ihr Vater Peter wurde ein paar Wochen zuvor wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung in Untersuchungshaft genommen. Graf gewann das Endspiel gegen Seles trotz eines 0:6 im zweiten Satz. "Es ist ein Traum, es scheint irreal. Ich glaube, dass ich jetzt jedes Grand-Slam-Turnier viermal gewonnen habe. Das ist wirklich erstaunlich", freute sich Graf. Auch Seles war stolz auf ihr tolles Comeback. "Ich habe die richtige Entscheidung getroffen. Ich tue jetzt das, was ich liebe, nämlich Tennis spielen. Mein Leben geht wieder vorwärts."

1988: Steffi Graf - Gabriela Sabatini 6:3, 3:6, 6:1

Das Tennisjahr 1988 gehörte ganz eindeutig Steffi Graf. Die Deutsche ging mit den Grand-Slam-Siegen in Melbourne, Paris und Wimbledon in die US Open und hatte die große Chance, den Grand Slam - dem Sieg bei allen vier Grand-Slam-Turnieren in einem Kalenderjahr - zu erreichen. Graf spielte sich souverän ins Endspiel vor und vollendete mit dem Finalsieg gegen Gabriela Sabatini den Traum aus vier Teilen. Die 19-Jährige schaffte nach Maureen Connolly (1953) und Margaret Court (1970) als dritte Spielerin den Grand Slam. "Ich bin sehr glücklich. All das Gerede über den Grand Slam ist jetzt vorbei. Das ist eine schöne Erleichterung. Jetzt habe ich es geschafft, es ist kein weiterer Druck mehr auf mir. Es gibt nichts anderes, was ich noch tun muss", freute sich Graf. Aber es gab noch etwas zu tun für die Deutsche. Drei Wochen nach dem Erfolg gewann Graf auch noch die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Seoul und schuf den Begriff "Golden Slam". Eine Leistung, die im Tennis wohl einmalig bleiben wird.

1981: Tracy Austin - Martina Navratilova 1:6, 7:6 (4), 7:6 (1)

Die US Open sind immer noch das einzige Grand-Slam-Turnier, bei dem im letzten Satz der Tiebreak gespielt wird. 1981 kam es zu einer Premiere. Zum ersten Mal wurde ein Grand-Slam-Finale in einem Tiebreak entschieden. Die US-Amerikanerin Tracy Austin, die zwei Jahre zuvor als 16-Jährige in New York triumphiert hatte, traf im Endspiel auf Martina Navratilova, die kurz zuvor die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten hatte. Austin sicherte sich nach deutlich verlorenem ersten Satz die nächsten Sätze im Tiebreak und gewann ihren zweiten Titel bei den US Open. "Das bedeutet mit mehr als der erste Sieg. Mit 16 kam alles so schnell. Es war wie ein Sprungbrett. Ich kam auf die Damentour und wurde schrittweise immer besser. Ich war zu jung, um zu begreifen, wie wichtig das war", sagte Austin. (Foto: GEPA pictures)

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung