Tennis

Hobbyspieler Tumphart schafft mit Kohlschreiber Sensation

SID
© Foto: GEPA pictures/ Hans Osterauer

Der Oberösterreicher, nur die Nummer 121 in der ÖTV-Rangliste, gewann das erste Match mit dem Deutschen und steht im Viertelfinale.

Manuel Wachta live aus Kitzbühel

Seinen Platz im Doppel-Hauptfeld des bet-at-home Cups Kitzbühel an der Seite von Philipp Kohlschreiber hatte er sich trotz 4216 Konkurrenten über die Aktion „Spiel deines Lebens“ gesichert – und ein solches ist es für ihn tatsächlich geworden: Stephan Tumphart hat mit dem Deutschen sensationell das Viertelfinale erreicht. Die beiden besiegten den Tschechen Lukas Rosol, Bezwinger von Rafael Nadal in Wimbledon, und den Argentinier Horacio Zeballos vor voller, begeisterter Kulisse auf dem Grandstand mit 5:7, 6:4 und 10:5 im Match Tiebreak. Das „Spiel deines Lebens“ gibt’s für Tumphart damit völlig unerwartet ein zweites Mal. Um einen Platz im Halbfinale warten nun entweder die topgesetzten Julian Knowle (Österreich) und Frantisek Cermak (Tschechien) oder die Deutschen Martin Emmrich und Andre Begemann.

„Voll riskiert und alles aufgegangen“

Ein paar Spielgewinne hätten die meisten dem Duo Kohlschreiber/Tumphart zugetraut, doch einen Sieg, den hätte wohl niemand für möglich gehalten. „Ich hab vorher nur gehofft, dass ich ein paar Aufschläge zurückbringe und von der Grundlinie ein bisschen mithalten kann“, nannte Tumphart die bescheidene und vermeintlich realistische Erwartungshaltung. Doch wie diese Sensation, ein absolutes Novum in der Geschichte der ATP-Tour, dann möglich war? Die simple Erklärung: „Ich hab einfach voll riskiert und es ist mir alles aufgegangen.“ Den Vogel schoss an dieser Stelle Einzel-Titelverteidiger Robin Haase ab, der kurz ins Gespräch reinplatzte, zu Tumphart sagte: „Mit mir hättest du’s sogar in zwei Sätzen gewonnen“ – und Kohlschreiber dabei schelmisch angrinste…

Kohlschreiber: „Eine echte Gaude“

Von seinem Doppelpartner höchst angetan war Kohlschreiber: „Er hat schon beim Einspielen supergeil gespielt“, meinte der im Einzel topgesetzte Augsburger. „Da hab ich schon gewusst, dass wir zumindest mal nicht voll abgeschossen werden. Erst am Weg zum Platz haben wir uns dann ein bisschen über die Taktik unterhalten, ich hab ihm ein wenig über Rosol und Zeballos erzählt. Wir haben super harmoniert und eine echte Gaude gehabt. Ich hab ihn oft angeredet, ihm gesagt, er soll einfach Spaß haben und hab mir gedacht, er hört vielleicht auf zu viel nachzudenken, wenn ich ihm Tipps gebe.“ So war es dann auch: „Ich war nicht so nervös, wie ich es erwartet hätte, und das hat mir zudem geholfen, dass Philipp mir so oft gut zugeredet und mich beruhigt hat“, bestätigte Tumphart.

Der Ball wird flach gehalten

Wann den beiden erstmals bewusst war, dass diese Riesen-Überraschung möglich war? „Ich finde, wir hatten auch im ersten Satz schon Chancen, da hab ich mir schon gedacht, dass da was gehen könnte“, meinte Kohlschreiber. Tumphart glaubte erst etwas später daran: „Als wir Zeballos, gegen den im ersten Satz nichts zu holen war, gleich zu Beginn des zweiten Satzes zu null gebreakt haben.“ Während Tumphart den Erfolg sichtlich noch nicht mal annähernd realisiert hatte, bemühte sich Kohlschreiber, den Ball flach zu halten: „Jetzt können wir mal den Sieg genießen. Aber man muss das alles auch ganz realistisch betrachten. Wir hatten ein bisschen Glück, hatten einen super Tag, haben ohne Erwartungen gespielt. Ich freue ich mich auf jeden Fall, noch ein Doppel mit ihm zu spielen.“

Antonitsch: „So etwas gibt’s nur im Sport“

Mit 45 ATP-Punkten wird Tumphart, Student der Technischen Physik an der TU Graz, in die Doppel-Weltrangliste einsteigen, und zwar auf einem Platz um 765. Kennengelernt hatten er und Kohlschreiber einander übrigens erst Sonntagnachmittag: „Da hat er sich bei mir dann vorgestellt“, sagte „Kohli“. Nur ein gemeinsames Training am Montag ging sich aus, ehe es am Nachmittag zur Sache ging und der Coup gelang. Dieser begeisterte auch Turnierdirektor Alex Antonitsch: „So etwas gibt’s nur im Sport. Das ist einfach toll. Da kann man beiden nur gratulieren. Ich muss mich bei ‚Kohli’ auch nochmal herzlich bedanken, dass er sich dafür zur Verfügung gestellt hat.“ (Foto: GEPA pictures/ Hans Osterauer)

Hier die aktuellen Ergebnisse aus Kitzbühel: Qualifikation, Hauptbewerb, Doppel, Spielplan.

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