Tennis

„So viele Talente sind auf der Strecke geblieben“

SID
© tennisnet

tennisnet.com im Gespräch mit Österreichs ehemaliger Nummer eins.

Jahrelang stand Werner Eschauer den Medien nicht zur Verfügung. Gemeinsam mit Roland Berger startet die ehemalige Nummer eins von Österreich, der in seiner Laufbahn ein ATP-Finale erreichte und bei zehn Challenger-Events triumphierte, nun im Trainer-Business durch. In ihrem Leistungszentrum Tennis Zone international (TZI) betreut der 37-Jährige nationale und internationale Profis und die, die es noch werden wollen. Gegenüber tennisnet.com brach Eschauer sein Schweigen und sprach über seine neue Aufgabe, worum es im Profi-Tennis wirklich geht und warum nicht nur die Top-Spieler der jeweiligen Altersklassen gefördert gehören.

Herr Eschauer, im Vorjahr konnten wir Sie zu keiner einzigen Stellungnahme überreden. Was hat sich geändert?

Werner Eschauer: Der Zeitpunkt ist gekommen, unsere Akademie aus dem stillen Kämmerlein zu holen und ihr auch international einen Namen zu machen. Bis jetzt haben wir ausschließlich von Mundpropaganda gelebt, jetzt suchen wir den Weg nach vorne, wollen uns medial auch besser vertreten.

Sie haben Ihre intensive internationale Karriere erst vor ein paar Jahren beendet, waren vor noch nicht allzu langer Zeit die Nummer 52 der Welt. Denken Sie, dass die Spieler dadurch mehr zu Ihnen aufsehen?

Es ist sicher kein Nachteil, dass ich vor ein paar Jahren noch erfolgreich auf der Tour war. Ich denke, meine Tipps kommen bei den Spielern gut an.

Wie lautet Ihre Philosophie?

Es reicht einfach nicht mit 220 km/h zu servieren. Meine Leute müssen begreifen, wann man welchen Ball wohin spielt. Oder wie sie sich aus gewissen Situationen befreien. Es geht bei ihnen nicht darum, wie viele Winner sie schießen, sondern wie sie das System umsetzen, das wir uns im Training erarbeitet haben.

Wie setzt sich so ein System zusammen?

Ein Spieler ist zum Beispiel zwei Meter groß, der andere nur ein Meter 60. Die beiden können natürlich nicht dasselbe Tennis spielen. Jeder Spielertyp ist anders und benötigt ein eigenes Spielsystem, eine auf ihn zugeschnittene Taktik.

Warum haben Sie die Trainerlaufbahn eingeschlagen? Was treibt Sie an?

Ansporn ist, dass früher nur sehr wenige an mich geglaubt haben. Es sind so viele Talente auf der Strecke geblieben, die einfach viel zu früh vergessen wurden, weil sie im Ranking nicht ganz vorne dabei, oder zu alt waren.

In welche Spieler setzen Sie Ihr Vertrauen?

Jeder Spieler der griffig ist, hart trainieren und langfristig arbeiten will, verdient eine Chance. Da spielt auch das Alter keine Rolle. Natürlich gibt es keine Erfolgsgarantie. Trotzdem steht für mich die Einstellung an erster Stelle. Eines ist aber klar: Wir sind beim TZI kein Wohltätigkeitsverein – Tennis ist ein Job wie jeder andere. Die Spieler müssen begreifen, dass in der nächsten Zeit Tennis Priorität Nummer eins in ihrem Leben sein muss.

So wie bei Ihnen damals, ist bei vielen Spielern des TZI das Geld knapp...

Der finanzielle Aspekt spielt immer eine große Rolle. Jeder kann sich nur in seinem Bereich bewegen. Manche Spieler müssen sich mit kleinen Preisgeldturnieren und der Liga über Wasser halten und verlieren dadurch wertvolle Jahre. (Foto: GEPA pictures, TZI; Collage: tennisnet.com)

Das Interview führte Christoph Wagner

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