Olympia

Sensationssiegerin Ester Ledecka dachte an einen Zeitfehler

Von Von Christoph Kristandl, Pyeongchang
Ester Ledecka: Ohne Make-up zum Olympiasieg
© GEPA

Wer darauf verzichtet hatte, sich für den olympischen Damen-Super-G aus dem Bett zu quälen, hat Sportgeschichte verpasst. Denn mit Sensationssiegerin Ester Ledecka holte sich eine junge Tschechin Gold, deren Wikipedia-Artikel sie am frühen Samstagnachmittag koreanischer Zeit noch als Snowboarderin ausweist.

Das dürfte sich nach dem Coup im Alpincenter von Jeongseon allerdings bald ändern. Geändert haben sich auch die Pläne der selbst überraschten 22-Jährigen.

"Ich will nicht unhöflich zu euch sein, aber eigentlich würde ich jetzt lieber snowboarden als hier zu sitzen. Ich sollte jetzt schon drei Trainingsruns absolviert haben", meinte die Neo-Olympiasiegerin, während sie mit aufgesetzter Skibrille die Fragen der versammelten Presse beantwortete. "Ich habe nicht damit gerechnet, nach dem Rennen hier zu sitzen. Deswegen habe ich auch kein Make-up aufgetragen ", erklärte Ledecka, die am kommenden Samstag ihr unfassbares Märchen weiterschreiben könnte. Im Parallel-Riesentorlauf der Snowboarderinnen gilt die Weltmeisterin als Favoritin.

Platz 1 - "Wirklich seltsam!"

"Jedes Mal wenn ich zu einem Rennen fahre, will ich mein Bestes geben und gewinnen - aber heute war es natürlich auch für mich sehr überraschend", gab Ledecka zu. Das war ihr auch nach dem Abschwingen im Ziel anzusehen, als sie Sekundenlang regungslos und ungläubig verharrte.

"Ich weiß auch nicht, das ist schwer zu erklären, aber ich dachte zuerst, die Anzeige hätte einen Fehler", gestand sie. "Ich habe darauf gewartet, dass die Zeit umspringt und ein paar Sekunden dazu kommen. Aber die Zuschauer haben gejubelt und ich dachte, ok, das ist wirklich seltsam."

Silber glänzt für Veith wie Gold

Auch Anna Veith, der somit bereits sicher geglaubtes Gold entrissen wurde, brauchte etwas, um zu realisieren, was da gerade passiert war. "Ich dachte natürlich schon, dass es Gold wäre", meinte die lange Zeit in Führung gelegene und letztlich nur um eine Hundertstel geschlagene Salzburgerin. "Dass jemand mit einer Startnummer über 20 gewinnt, hatten wir in dieser Saison noch nicht", meinte sie weiter und gab zu: "Weil Ester auch Snowboard fährt, ist sie ja nicht so oft im Weltcup dabei, deswegen wussten wir gar nicht, wie gut sie wirklich ist."

Für Veith ist jedenfalls nicht Gold verloren gegangen, sondern Silber gewonnen worden. "In einer ersten Reaktion habe ich mich gefragt: ‚Ist das möglich?' Aber Silber ist für mich wie Gold. Nach meinen Verletzungen ist jede Medaille unglaublich", freute sich Veith.

Ester Ledeckas Erfolg bleibt indes vorerst ein kleines Mysterium, denn wie die junge Dame aus Prag selbst festhält, sind die Überschneidungen zwischen Snowboarden und Skifahren doch überschaubar: "Beides geht den Berg hinunter!"

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