Wintersport

Anti-Doping-Kämpfer Wilhelm Lilge: "Peter Schröcksnadel ist seit langem untragbar"

Von SPOX Österreich
Peter Schröcksnadel
© GEPA

Der Doping-Skandal im österreichischen Ski-Verband zieht weitere Kreise. Anti-Doping-Kämpfer und Leistungsdiagnostiker Wilhelm Lilge greift nun ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel an, glaubt nicht, dass der ÖSV nichts von den Doping-Machenschaften in den eigenen Reihen mitbekommen haben soll.

Denn im gestrigen Interview mit dem ORF wies der 77-jährige Schröcksnadel jegliche Schuld von sich: "Wir wussten nichts davon. Ich verstehe vom Langlaufen relativ wenig. Ich will diese Leute einfach alle nicht mehr sehen." Schröcksnadel kündigte die Verbannung des Langlaufsports aus dem ÖSV an, wolle sich stark machen, "dass für den Spitzensport im Langlauf kein Geld mehr ausgegeben wird." An einen sauberen Langlaufsport glaube er nicht mehr.

ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt hinterfragte die Einzeltäter-Theorie, die der ÖSV die Öffentlichkeit glauben machen wolle, schon lange nicht mehr: "Ich verstehe nicht, wie der ÖSV das nicht mitbekommen hat." Schröcksnadel schob die Schuld zur Gänze auf die Dominik Baldauf und Max Hauke zu, die im Zuge einer groß angelegten Doping-Razzia ("Operation Aderlass") festgenommen wurden. Beide wurden von Schröcksnadel als "Trotteln" bezeichnet: "So viel Dummheit wie diese zwei Burschen, das darfst du gar nicht haben."

ÖSV habe keine Maßnahmen gesetzt, "um Doping zu verhindern"

Auch der Leistungsdiagnostiker Wilhelm Lilge glaubt der Einzeltäter-Theorie nicht. Im Interview mit dem Standard wundert er sich über den mittlerweile vierten Doping-Skandal im ÖSV: "Das ist total irre. Da stellt sich schon die Frage, ob die Strukturen in diesem Verband angemessen sind. Es sieht nicht so aus, als hätte man nach den vergangenen Fällen die geeignete Maßnahmen gesetzt, um Doping zu verhindern."

Vor allem ÖSV-Boss Schröcksnadel selbst stehe in der Verantwortung: "Für mich ist er seit langem untragbar. Er ist verantwortlich für sein Personal. Er hat die Leute ausgesucht und eingesetzt, die ganz nahe an den Sportlern dran waren." Es gebe zwei Möglichkeiten, wenn ein Trainer eines dopenden Sportlers behauptet, er hätte davon nichts mitbekommen: "Entweder der Trainer ist ein Lügner, oder er ist ein sehr, sehr schlechter Trainer. Einem guten Trainer fällt schon eine Leistungssteigerung um ein, zwei Prozent auf. Ich verstehe nicht, dass Schröcksnadel so viel politische Unterstützung hat."

Lilge: "Schröcksnadels Aussagen? Finde ich menschlich schäbig"

Die öffentliche Bloßstellung, mit der Schröcksnadel beide Sportler ("Hunde", "Trotteln") bedachte, fiel Lilge des Weiteren ungut auf: "Ich finde das völlig deplatziert und sogar menschlich schäbig. Ich hasse Doping, das können Sie mir glauben, aber deshalb kann man doch einen Menschen nicht Hund heißen. Ich kann einen Menschen, der dopt, Betrüger nennen. Und aus."

Den beiden Betrügern Baldauf und Hauke geht es allerdings definitiv an den Kragen. Beiden droht sogar Haft, mindestens aber eine mehrjährige Sperre vom Spitzensport.

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