Wintersport

ÖSV-Adler brauchen Zeit - "Extrabetreuung" für Gregor Schlierenzauer

Von APA
Skispringen.
© getty

Die österreichischen Skisprung-Fans werden sich wohl gedulden müssen. Die von Neotrainer Andreas Felder nach der enttäuschenden Olympiasaison eingeleitete Neuausrichtung des gesamten Systems brauche ihre Zeit, erklärte Mario Stecher, Sportlicher Leiter der Skispringer im ÖSV. Für die Vierschanzen-Tournee ist er aber trotzdem guter Dinge, denn Stefan Kraft sei in guter Verfassung.

Stärke auf ganzer Linie, wie sie das ÖSV-Team viele Jahre hindurch bieten konnte, werde es von heute auf morgen aber nicht mehr geben. "In dieser erfolgreichen Zeit, in der Österreich zweifelsohne die beste Nation war, sind hinten nach ein paar Generationen weggefallen, die fehlen uns jetzt. Das gilt es wieder aufzuholen, das dauert aber", erklärte Stecher beim Kombinierer-Weltcup in Ramsau im Gespräch mit der APA.

Felder sei erst seit einem halben Jahr Cheftrainer, in dieser kurzen Zeit sei keine Verbesserung auf breiter Basis möglich gewesen. "Man kann nicht erwarten, dass er eine Mannschaft, die davor auch nicht mehr gut war, ganz nach oben hebt. Das ist ein Prozess, der über viele Jahre gehen muss. Das muss man auch ganz klar sagen."

Mario Stecher: Weniger Nachwuchs als vor zehn Jahren

Die Ideen von Felder müssten dafür aber in allen Bereichen ankommen. "Die anderen Gruppen müssen auf die Linie, die die erste Gruppe fährt, aufspringen. Das ist das, was ich mir wünsche, und das ist das, woran es liegen wird, um irgendwann wieder vorne dabei zu sein." Erschwert werde der Umbau durch das immer kleiner werdende Reservoir an jungen Athleten. "Natürlich haben wir Nachwuchs, aber es ist schon weniger als vor 10, 15 Jahren", so Stecher.

Stecher sieht aber keinen Anlass, in Panik zu verfallen. "Sorgen mache ich mir prinzipiell keine um die Skispringer. Man hat in Engelberg mit drei unter den ersten zehn gesehen, dass sie schon auch wieder zu sehr großen Taten bereit sind. Blöderweise ist am nächsten Tag wieder sehr viel schiefgelaufen", analysierte Stecher. Durch den neuerlichen Rückschlag in Engelberg sei das Selbstvertrauen leider erneut angeknackst worden. "Es ist natürlich schwierig, aus so einer Sache wieder gestärkt herauszukommen."

Stecher glaubt aber, dass sich das Team von dem neuerlichen Rückschlag schnell erholen kann. "Ich denke nicht, dass es eine großartige Sache sein wird, das wieder auszumerzen." Dementsprechend sei er auch hinsichtlich Tournee positiv gestimmt. "Ich glaube schon, dass wir ganz vorne mitmischen können." Allen voran Doppelweltmeister Stefan Kraft, der im WM-Winter noch auf einen Podestplatz wartet. "Er ist eigentlich gut in Schuss, aber er muss auch seine Übermotivation oft einmal heraußen halten."

Vierschanzentournee: Gregor Schlierenzauer fehlt

Insgesamt sei das Team deutlich stärker als es die völlig missglückte Tournee-Generalprobe mit Kraft als ÖSV-Topmann auf Rang zwölf ausweise. "Ich sehe da keine solchen Riesenprobleme, wie sie der zweite Tag in Engelberg zum Vorschein gebracht hat."

Von Gregor Schlierenzauer, der bei der Tournee fehlt, erwartet er sich ehestmöglich Fortschritte. Der Weltcup-Rekordsieger erhalte jede Unterstützung. "Er hat Zeit, wenn es Mitte Jänner wird, dann habe ich kein Problem damit. Er hat einen kompetenten Trainer, der ihn unterstützt."

Der Ex-Tourneesieger müsse mit der kompletten Technikumstellung inmitten der WM-Saison eine knifflige Angelegenheit bewerkstelligen. "Es ist eine sehr, sehr schwierige Aufgabe, aber wenn es einer schafft, dann Gregor Schlierenzauer. Darauf hoffen wir, wir brauchen den Gregor, wenn er in Form ist."

Der ehemalige Seriensieger verdiene sich die gewährte Sonderbetreuung. "Er hat sich das durch seine Erfolge - man darf nicht vergessen von wem der österreichische Skisprungsport in den letzten Jahren gelebt hat - verdient. Wenn es er nicht verdient hat, dass er so eine Extrabetreuung bekommt, dann weiß ich nicht wer."

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