Wintersport

Kristoffersen gewinnt den Hundertstelkrimi

Von APA
Dienstag, 24.01.2017 | 21:46 Uhr
Hirscher fehlen neun Hundertstel auf Kristoffersen

Ein ungemein spannender Nachtslalom von Schladming ist Geschichte! Vor über 40.000 Zusehern krönte sich der Norweger Henrik Kristoffersen zum Sieger des Night Races. Hirscher knallte im zweiten Durchgang zwar eine Fabelzeit in den Schnee, am Ende reichen Kristoffersen aber neun Hundertstel.

Der Sieger des 20. Nightrace in Schladming heißt Henrik Kristoffersen. Der Norweger, vor zwei Tagen in Kitzbühel ausgeschieden war, setzte sich am Dienstagabend in einem Zweikampf der Superlative um neun Hundertstelsekunden gegen Marcel Hirscher durch. Dritter wurde der Russe Alexander Choroschilow, damit entspricht das Podium jenem vom Vorjahr exakt. Manuel Feller belegte den sechsten Rang.

Die dominanten Slalom-Akteure seit gut zwei Jahren fuhren vor fast 44.000 Zuschauern im Stadion und entlang der Piste in einer eigenen Liga, wobei Kristoffersen erneut bewies, dass er die Nase vor Hirscher hat. Diesmal distanzierte er den Österreicher, der am Sonntag den Kitzbühel-Slalom gewann, aber nur um weniger als eine Zehntelsekunde. Choroschilow lag 0,63 Sekunden zurück, der vierte Julien Lizeroux aus Frankreich bereits 1,53.

22 Jahre, 15 Weltcup-Siege

"Allen Zuschauern hier in Schladming vielen, vielen Dank! Es ist eine unglaubliche Stimmung. Das beste Weltcup-Rennen der Welt", adelte Kristoffersen das Publikum. Dem Blondschopf gelang es als erstem Läufer seit Reinfried Herbst 2010, seinen Nightrace-Triumph aus dem Vorjahr zu wiederholen. Insgesamt war es der 15. Weltcup-Erfolg in der Karriere des 22-Jährigen, zum 14. Mal setzte er sich an die Spitze einer Slalom-Ergebnisliste.

"Henrik verdient diesen Sieg zu hundert Prozent. Es ist immer schön, ihm zuzuschauen. Es ist auch schön, ihm etwas nähergekommen zu sein, und 80 Punkte sind wieder im Sack", meinte Kitzbühel-Sieger Hirscher. Der Salzburger büßte in der Weltcup-Gesamtwertung 20 Punkte auf Kristoffersen ein und liegt nun 368 Zähler vor dem Norweger in Front. Im Slalom-Ranking nimmt er 60 Punkte vor Kristoffersen die Spitzenposition ein.

Neben Hirscher, der in der Saison 2016/17 zum neunten Mal auf dem zweiten Rang landete, holten vier weitere Österreicher Punkte. Am besten schnitt Feller ab. Der Tiroler, der nach zwei Einfädlern erstmals wieder durchkam, dürfte damit sein WM-Ticket nach St. Moritz gebucht haben. "Die Erleichterung ist schon riesengroß. Es war nicht einfach, vor allem im ersten Durchgang sind die letzten Rennen schon noch ziemlich im Hinterkopf gehangen", sagte Feller. "Im zweiten ist mir der Lauf einfach gut entgegengekommen. Ich habe gewusst, ich darf eh nicht zurückziehen."

Marco Schwarz kam unmittelbar vor Michael Matt, der als frustrierter Halbzeit-30. den entscheidenden zweiten Abschnitt eröffnete, auf den 18. Platz. Christian Hirschbühl musste sich mit Rang 24 zufriedengeben. Marc Digruber verpatzte die WM-Generalprobe total und fädelte früh im ersten Durchgang ein.

Hirscher: "Könnte mir in den Arsch beißen"

Hirscher lag zur Halbzeit 0,52 Sekunden hinter Kristoffersen. "Die Sicht war wesentlich besser als letztes Jahr", scherzte der Salzburger, der 2016 im ersten Lauf aufgrund eines falsch eingesetzten Brillenglases keinen Durchblick hatte. In der Entscheidung ging er es nach dem Start wild an, fuhr aber den Schlussteil nicht ideal. "Sicherlich der zweite Durchgang war oben weg war ein Hurrikane. Aber wie ich im Ziel habe ich schon gemerkt, ich könnte mir in den Arsch beißen. Die letzten 15 Tore waren einfach zu feig", betonte Hirscher, der trotzdem ex aequo mit Choroschilow Bestzeit markierte.

Feller wählte im ersten Abschnitt eine etwas vorsichtigere Technik, um das Risiko eines neuerlichen Ausfalls zu minimieren und kam auf Rang elf. "Natürlich war es nicht hundertprozentig was ich kann, aber es war schon nahe dran. Es waren ein paar Passagen, wo ich ein bisschen herausgenommen habe. Aber grundsätzlich bin ich schon stolz auf mich selbst", gab er sich zufrieden. "Aus einem Loch mit so einem Rennen wieder rauszukommen, ich glaube, das schaffen nicht viele."

Für Kristoffersen war es der dritte Sieg in Schladming nach 2014 und 2016. Erfolgreichste Nightrace-Absolvent ist der heutige ORF-Experte Benjamin Raich mit vier Siegen. Unter die Zuschauer bei der Jubiläumsausgabe mischten sich auch Schauspieler Peter Simonischek, als Darsteller in "Toni Erdmann" möglicherweise bald Mitwirkender in einem Oscar-Film, Sportminister Hans Peter Doskozil (SPÖ), Ex-Skisprung-Grande Thomas Morgenstern oder BSO-Präsident Rudolf Hundstorfer (SPÖ).

Der Bewerb in Schladming war der letzte Spezialslalom vor der Weltmeisterschaft. Im zum Slalom-Weltcup zählenden City Event am kommenden Dienstag in Stockholm sind nur die Top zwölf der Disziplin-Weltrangliste plus die Top vier der Gesamt-Weltrangliste startberechtigt.

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