Tennis

Davis Cup: Österreich auch ohne Dominic Thiem mit "garantierter Gänsehaut"

Von APA
Jurij Rodionov spielt erstmals im Davis Cup.
© GEPA

Erstmals seit sechs Jahren mischt Österreichs Davis-Cup-Team wieder im Konzert der Großen, also in der Weltgruppe, mit. Im reformierten Tennis-Traditionsbewerb geht es am Freitag und Samstag in der SalzburgArena gegen Chile um einen Platz im lukrativen Finalturnier. Eröffnet wird der Länderkampf am Freitag (15.00 Uhr im LIVETICKER) von Debütant Jurij Rodionov gegen Nicolas Jarry.

Im Anschluss misst sich, im erstmals auch in der Weltgruppe nur noch auf zwei Gewinnsätze gespielten, zweiten Einzel Österreichs Nummer eins, Dennis Novak, mit Christian Garin.

Der 19-jährige Rodionov, Sohn weißrussischer Eltern, in Nürnberg geboren, aber seit seiner frühen Kindheit in Österreich lebend, freut sich schon sehr auf sein Debüt. "Natürlich ist es überwältigend. Als 19-Jähriger das erste Mal Davis Cup spielen zu dürfen, ist ein Ehre, das können nicht viele sagen", meinte Rodionov nach der Auslosung am Donnerstag im Terminal 2 des Flughafens Salzburg. "Das Einzige, was ich jetzt machen kann, ist auf den Platz zu gehen, 110 Prozent zu geben und mein Land stolz zu machen", versprach der Teenager.

Jurij Rodionov gegen Chile: "Alles ist möglich"

Die Tatsache, dass das Debüt nun sogar in der Weltgruppe erfolgt, worauf viele Spieler ihr Leben lang warten müssen, begeistert den Youngster noch mehr: "Das macht es nur noch etwas süßer." Die Bedingungen in der rund 4.500 Zuschauer fassenden und ausverkauften SalzburgArena taugen Rodionov. "Die Halle ist phänomenal. Ich denke, wenn sie voll sein wird, kann es ein echter Hexenkessel werden. Ich bin schon gespannt wie die Atmosphäre wird, ich habe garantiert Gänsehaut."

Gegen seine Gegner Jarry sowie Christian Garin (am Samstag) hat er noch nie gespielt (wie übrigens auch Novak nicht). "Ich werde sie noch ein bisschen anschauen. Stefan (Koubek) und auch Jürgen (Melzer) werden mir einige Tipps geben." Die aktuelle Nummer 197 sieht sich sowohl gegen Jarry (41.) als auch gegen Garin (95.) als Außenseiter. "Aber ich habe letzte Woche erstmals einen Top-50-Spieler geschlagen, also alles ist möglich."

Dennis Novak läuft in Abwesenheit seines nicht fitten, besten Freundes Dominic Thiem erstmals als Nummer 1 für Österreich ein. "Ich freue mich natürlich, dass ich die Nummer 1 im Team bin. Aber eigentlich bringt es nichts, ob du Nummer 1 oder 2 bist. Jeder hat dieselbe Aufgabe, und die ist es, Punkte für Österreich zu holen." Als Nummer 154 im ATP-Ranking ist auch Novak auf dem Papier Außenseiter.

"Natürlich sind wir Außenseiter. Aber meine Davis-Cup-Leistungen im letzten Jahr geben mir mental einiges. Ich weiß, dass ich es auch drehen kann, wenn ich nicht Favorit bin." Bei "Rookie" Rodionov hängt freilich viel davon ab, wie dieser mit der neuen Situation umgeht. "Bei Jurij wird man sehen, wie er mit der Nervosität und dem ganzen Drumherum zurechtkommt. Aber er ist ein Junger mit sehr viel Selbstvertrauen und die Zuschauer sind sowieso für uns", glaubt Novak.

Österreich - Chile: Auslosung im Überblick

DatumÖsterreichChileUhrzeit/Ergebnis
Fr., 01.02.2019Jurij RodionovNicolas Jarry15.00 Uhr (LIVETICKER)
Fr., 01.02.2019Dennis NovakChristian Garinim Anschluss (LIVETICKER)
Sa., 02.02.2019Oliver Marach/Jürgen MelzerJulio Peralta/Hans Podlipnik13.00 Uhr
Sa., 02.02.2019Dennis NovakNicolas Jarryim Anschluss
Sa., 02.02.2019Jurij RodionovChristian Garinim Anschluss

Dominic Thiem fehlt beim Davis Cup - Jürgen Melzer dabei

Österreichs Aushängeschild, Dominic Thiem, wird übrigens nun auch nicht als Zuschauer nach Salzburg kommen. "Herkommen wird er nicht. Ich glaube, es geht ihm ganz gut. Ich weiß nicht, wann er wieder zu trainieren beginnt", sagte Novak, der natürlich auch selbst weiß, dass Thiem der große Abwesende bei diesem Heim-Davis-Cup ist. "Jeder hätte ihn gerne dabei gehabt, aber das man muss so nehmen wie es ist."

Das Eröffnungsmatch am Samstag (13.00 Uhr), noch ehe im neuen Weltgruppen-Modus die zwei weiteren Einzel am gleichen Tag absolviert werden, bestreiten die "Oldies" im Team Oliver Marach und Jürgen Melzer im Doppel.

Marach gab nach seiner in Melbourne erlittenen Verletzung nochmals Entwarnung. "Alles gut, ich bin seit der Landung in Wien schmerzfrei gewesen. Ich hatte Therapie beim Davis-Cup-Arzt Uli (Ulrich Lanz, Anm.) und habe voll trainiert die letzten Tage."

Für Rekordmann Jürgen Melzer, der schon in seinen 36. Länderkampf geht, geht es knapp 20 Jahre nach seinem Debüt beim Weltgruppensieg über Schweden (3:2 im Jahr 1999) wieder für Österreich auf den Platz. "Es ist für mich immer wieder eine Ehre. Ich habe das Jahr gut begonnen und mir die Einberufung auch verdient."

Melzer rechnet nicht mit einem Einsatz im Einzel am Samstag. "Wenn ich (vorher) Doppel spiele am Samstag wäre das ein sehr anstrengender Tag, da müssten schon alle Stricke reißen."

Marach freut sich, noch einmal in der Weltgruppe antreten zu können. "Es ist sicherlich etwas Besonderes, vor allem jetzt zu Hause. Das sind die besten Erinnerungen, auch wenn ich es manchmal verloren habe."

Davis Cup: Madrid 2019 das große Ziel

Und auch wenn die Favoritenrolle nach der Thiem-Absage auf Chile übergegangen ist, zählt für das ÖTV-Team nur eines: "Natürlich ist es ganz klar das Ziel des Teams, uns für Madrid zu qualifizieren. Dass es eine schwierige Ausgangsposition ist, da brauchen wir nicht drum herumreden", sagte Melzer und fügte kämpferisch hinzu: "Nichtsdestotrotz kann es das Ziel nur sein, dass wir Madrid 2019 erreichen."

Was sagt Melzer dazu, dass Thiem nun gar nicht nach Salzburg kommt? "Man weiß selbst, was man als Sportler zu tun hat. Wenn man in einer Therapiephase ist, passt es vielleicht auch manchmal nicht rein. Er hat sich bei uns gemeldet und uns alles Gute gewünscht, da ist das für uns okay."

Den chilenischen Spitzenspieler Nicolas Jarry, der einst gerne in die Fußstapfen von Doppel-Olympiasieger Nicolas Massu (Kapitän der Chilenen), Ex-Nummer 1 Marcelo Rios (als Co-Trainer ebenfalls in Salzburg) und Fernando Gonzalez treten will, hat Thiems Aufgabe in Melbourne "sehr überrascht". "Die Chancen sind jetzt ausgeglichen, aber wir spielen immer noch auswärts und im Davis Cup ist der Heimvorteil sehr wichtig."

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