Darts

"Ich hoffe, Deutschland landet hinter uns"

Suljovic wäre für die Premier League eingeplant gewesen

Mensur Suljovic ist das Aushängeschild der deutschsprachigen Darts-Szene. Beim World Cup of Darts (alle Sessions mit Elmar Paulke und Roland Scholten live auf DAZN) tritt er gemeinsam mit Rowby-John Rodriguez für Österreich an. Davor erklärt The Gentle bei SPOX, warum die Leistungsdichte im österreichischen Darts-Sport größer als in Deutschland ist. Zudem verrät er, wie ein Interview seine Teilnahme an der Premier League verhinderte.

SPOX: Sie wurden in Serbien geboren. Wann sind Sie nach Wien gekommen?

Mensur Suljovic: 1994 wegen des Kriegs. Meine Brüder waren schon hier, sie haben beide ein Lokal betrieben. Dort sind die Geräte gestanden. Die Gäste haben immer zu acht an den Automaten gespielt, auch meine Brüder haben Pfeile geworfen. Irgendwann haben sie einen Doppelpartner gebraucht. Ich habe zuerst gesagt, ich kann das nicht. Aber dann habe ich gemerkt, dass ich gar nicht so schlecht bin. So hat alles angefangen.

SPOX: Mittlerweile gehören Sie zu den besten zehn Spielern der Welt. Bei der letzten Weltmeisterschaft sind Sie aber bereits in Runde zwei ausgeschieden. Waren Sie mit dem Abschneiden unzufrieden?

Suljovic: Ja, ich war schon enttäuscht. In einem anderen Setting hätte ich vielleicht gewonnen, aber bei der WM stehen wir noch mehr unter Druck. Alle haben erwartet, dass ich nach diesem super Jahr mehr schaffe.

SPOX: Nach der WM haben Sie zwei Monate überhaupt nicht gespielt. Sind Sie mit dem bisherigen Jahr zufrieden?

Suljovic: Meine Frau erwartet ein Kind, aber sie verträgt die Schwangerschaft nicht. Daher habe ich gesagt, ich bleibe bei meiner Familie. Darts ist nicht das Wichtigste im Leben. Diese zwei Monate haben ein bisschen Kraft, Konzentration und Training gekostet, aber mittlerweile läuft wieder alles ganz normal. Zuletzt habe ich in Gibraltar das Finale erreicht.

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SPOX: Wirken sich private Faktoren im Darts noch mehr auf die Leistungen aus als in anderen Sportarten?

Suljovic: Absolut. Wenn es zuhause nicht passt, stehst du vor der Scheibe und triffst nichts. Der Kopf muss frei sein. Man merkt es auch bei Michael van Gerwen. Letztes Jahr hat er fast alle Turniere gewonnen. Aber nun ist seine Frau schwanger. Seitdem er sich um sie kümmert, hat sein Spiel ein wenig nachgelassen.

SPOX: Also heißt das WM-Finale in 30 Jahren Suljovic junior gegen van Gerwen junior?

Suljovic: (lacht) Lassen Sie es uns hoffen.

SPOX: Ab Donnerstag steht in Frankfurt der World Cup of Darts vor der Tür. Bei DAZN wird das Turnier vom legendären Duo Elmar Paulke und Roland Scholten kommentiert. Was verbindet Sie mit den beiden?

Suljovic: Ich kenne beide sehr gut. Elmar Paulke sehe ich fast jedes Wochenende bei den Turnieren. Er ist ein echter Gentleman. Roland Scholten hat ihm als Kommentator aber etwas voraus, denn er weiß genau, welcher Druck auf uns lastet, wenn wir vor der Scheibe stehen. Er hat das richtige Gefühl für uns Darts-Spieler.

SPOX: Ist es für Sie etwas Besonderes, gemeinsam mit Ihrem Freund Rowby-John Rodriguez für Österreich anzutreten?

Suljovic: Ich freue mich darauf, aber der Druck ist groß. Jeder erwartet von uns eine gute Platzierung, die anderen schlafen aber auch nicht. Es wird schwer.

SPOX: Würden Sie gerne gegen Team Deutschland antreten?

Suljovic: Lieber nicht. Das Publikum in Frankfurt mag uns, aber wenn wir gegen die Deutschen spielen, haben wir keine Chance. Da werden wir ausgepfiffen und dann wird es schwierig.

SPOX: Was trauen Sie dem deutschen Team um Max Hopp und Martin Schindler zu?

Suljovic: Ich hoffe, sie landen hinter uns (lacht). Natürlich vergönne ich ihnen jeden Erfolg, wir sind momentan aber wohl besser in Form.

SPOX: Du liegst du momentan auf Platz sieben der Weltrangliste. Hopp, der beste Deutsche, belegt den 41. Rang, nur knapp vor dem zweitbesten Österreicher Rowby-John Rodriguez (42.). Was sind die Unterschiede zwischen dem Darts-Sport in Deutschland und in Österreich?

Suljovic: In Deutschland gibt es viel mehr Darts-Spieler, aber sie leben über das ganze Land verteilt. Wir haben den Vorteil, dass die besten Spieler in Wien beheimatet sind und dort gemeinsam trainieren können. Das Niveau steigt automatisch, wenn du gegen stärkere Spieler antrittst. Dadurch ist die Leistungsdichte höher.

SPOX: Dafür ist Darts in Deutschland populärer als in Österreich. Wird der Sport dort besser vermarktet?

Suljovic: Viel besser. Es gibt viel mehr Events. Wenn Max Hopp ein Wochenende frei hat, kann er immer eine Exhibition spielen und bekommt ein schönes Geld. Bei uns ist das anders. Die Leute wollen, dass wir zu Veranstaltungen kommen und den ganzen Abend gratis spielen.

Teil 1: Warum Österreichs Darts-Spieler besser als die Deutschen sind

Teil 2: Wie ein Interview seine Premier-League-Nominierung vermasselte

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