Boxen

Bergmann: "Mayweather steht als Sieger fest"

Reporter-Legende Bergmann spricht über den Jahrhundert-Kampf
© GEPA/getty

Boxen verbinden österreichische Sport-Fans automatisch mit Sigi Bergmann. Der legendäre ORF-Reporter kommentierte in seiner langen Karriere rund 3500 Boxkämpfe, unter anderem alle großen Schlachten von Muhammad Ali.

Auch der Jahrhundert-Fight zwischen Floyd Mayweather und Conor McGregor (in der Nacht auf Sonntag ab 3 Uhr LIVE bei DAZN) lässt den 79-Jährigen nicht kalt. Im SPOX-Interview gibt der leidenschaftliche Opern-Fan eine Sieg-Prognose ab und erklärt, warum der Boxsport in einer Krise steckt.

SPOX: Wer wird den Fight zwischen Mayweather und McGregor gewinnen?

Sigi Bergmann: Normal müsste Mayweather gewinnen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass McGregor ihn erwischt. Er hat noch nie einen Boxkampf bestritten, das Tänzeln im Ring fehlt bei MMA ja völlig. Es geht nur darum, den Gegner auf den Boden zu bringen und ihn möglichst schnell fertig zu machen.

SPOX: Aber Mayweather (40) hatte seine Karriere bereits beendet. Sein Gegner ist elf Jahre jünger. Kann dieser Altersunterschied den Ausschlag geben?

Bergmann: Natürlich kann das eine Rolle spielen. Man braucht nur an den letzten Kampf zwischen Wladimir Klitschko und Anthony Joshua denken. Klitschko hat den Kampf gut geführt, aber nach der sechsten Runde hat sich bemerkbar gemacht, dass Joshua 14 Jahre jünger ist. Wenn es um das reine Boxen geht, die richtigen Bewegungen im Ring und das Wegducken, dann hat McGregor keine Chance.

SPOX: Der Online-Streamingdienst DAZN wird den Kampf in der Nacht auf Sonntag ab 3 Uhr live übertragen. Werden Sie ihn sich anschauen?

Bergmann: Danke, dass Sie mich darauf hinweisen. Mein Enkelsohn hat mir davon bereits erzählt, jetzt bin ich selbst im Bilde. Ich weiß aber noch nicht, ob ich dann auch wirklich einschalte. Mir geht es fast genauso wie Lennox Lewis, der sagt, dass dieser Kampf nicht ernst zu nehmen ist. Es ist nicht das erste Mal, dass es so ein Spektakel gibt. Schon 1976 kämpfte Muhammad Ali gegen den japanischen Wrestler Antonio Inoki. Das war unendlich peinlich. Ali ist die ganze Zeit nur am Boden gesessen, weil Inoki seine Füße attackierte. Otto Wanz (ehemaliger Wrestling-Star aus Österreich, Anm.) hat den Kampf mit mir kommentiert. Er war so entsetzt, wie das Ganze abgelaufen ist, dass er sich bei den Zuschauern entschuldigte und einfach während der Übertragung nach Hause fuhr.

SPOX: Sie sehen den Kampf zwischen Mayweather und McGregor also eher kritisch?

Bergmann: Es ist eine Mega-Show, aber der sportliche Wert ist gering. Diese ganzen Schimpfereien im Vorfeld des Kampfes sind peinlich. Normalerweise haben Boxer einen weiten Weg hinter sich, ehe sie gegen einen Weltmeister antreten dürfen. Aber McGregor hat noch nie einen Boxkampf bestritten. Mayweather steht jetzt schon als Sieger fest.

SPOX: McGregors UFC hat den traditionellen Box-Verbänden in den letzten Jahren jedoch ordentlich den Rang abgelaufen. Viele Experten meinen daher, eine Niederlage von Mayweather wäre das Ende des Boxsports. Teilen Sie diese Meinung?

Bergmann: Diese Gefahr ist auf jeden Fall da. Die Popularität des Box-Sports ist in letzten Jahren zurückgegangen. Lennox Lewis, Muhammed Ali, Joe Frazier, Floyd Patterson oder auch der Mittelgewichtler Sugar Ray Robinson waren Künstler in ihrem Sport, aber diese großen Namen gibt es im Augenblick nicht. Als Ali nach seiner Sperre gegen Frazier kämpfte, waren im österreichischen Fernsehen um halb drei in der Früh über zwei Millionen Zuschauer dabei. Der Box-Sport braucht einfach wieder diese tollen Könner, die das Boxer-Handwerk richtig erlernen und nicht nur auf harte Schläge gehen. Die US-Amerikaner versuchen nun, mit großen Shows den Stillstand zu maskieren. Wenn Mayweather jetzt auch noch verlieren würde, wäre das für das Boxen sehr schlecht.

SPOX: Ist Mayweather die letzte große US-amerikanische Box-Legende?

Bergmann: Ja, oder fällt ihnen ein Name ein? Der US-amerikanische Boxsport war stets ein Vorreiter, aber nun befindet er sich in der Krise. Ansonsten würde es diesen Kampf nicht geben - mit einem Boxer, der eigentlich schon aufgehört hat und einem Superstar aus einer anderen Sportart.

SPOX: Kann der junge Engländer Anthony Joshua nach seinem Sieg gegen Klitschko neuen Schwung ins Boxen bringen?

Bergmann: England ist das Mutterland des Boxens, sein Aufstieg wäre sicher ein gutes Mittel. Ich hoffe, dass wir in Zukunft wieder öfters solche Kämpfe wie Joshua gegen Klitschko sehen. Damit kann das Boxen wieder interessant gemacht werden.

SPOX: Bei DAZN wird Wladimir Klitschko als Co-Kommentator fungieren. Was verbinden Sie mit ihm?

Bergmann: Ich kenne beide Klitschkos sehr gut. Nur die wenigsten wissen, dass sie einen ihrer ersten Profi-Kämpfe in der Arena Nova in Wiener Neustadt bestritten haben. Ich bin der einzige Reporter, der sowohl den Olympiasieg von Klitschko als auch jenen von Joshua kommentiert hat. Klitschko gewann 1996 in Atlanta, Joshua holte 2012 Gold in London.

Hier boxt Wladimir Klitschko mit David Alaba:

SPOX: Was tut sich eigentlich im österreichischen Box-Sport?

Bergmann: Es ist dem österreichischen Boxen schon einmal besser gegangen. Marcos Nader hat seine Karriere mittlerweile beendet. Im Hintergrund versuchen die Verantwortlichen, gute Aufbau-Arbeit zu leisten. Vielleicht gibt es einmal ein Wunder.

SPOX: Abschließend die Frage aller Fragen: Werden Sie auch bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio wieder die Boxkämpfe kommentieren?

Bergmann: Eher nicht. Ich werde am 3. Jänner 80 Jahre alt. Angebote dafür hätte ich zwar, aber ich weiß nicht, ob ich als 82-Jähriger die jungen Menschen noch begeistern kann.

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