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David Lama: Das tragische Schicksal eines Ausnahmetalents

Von APA
David Lama
© GEPA

Die Berge waren seine Welt - und in ihnen fand er nunmehr wohl einen tragischen Tod: Der 28-jährige Tiroler David Lama galt als Ausnahmetalent der Alpinisten- und Klettererszene, geadelt von ewigen Größen wie Reinhold Messner und Peter Habeler. Ein Leben für den Alpinismus, das nunmehr wohl ein viel zu frühes Ende fand.

Die Tiroler Bergsteiger und Kletterer David Lama und Hansjörg Auer sowie US-Alpinist Jess Roskelley werden seit Mittwoch in Kanada vermisst. Sie sind von einer Lawine verschüttet worden. Wie der Standard berichtet, habe die Rettungshubschrauberbesatzung "überzeugende Beweise" für die Involvierung und den Tod der drei Alpinisten gesehen.

Am Anfang der Karriere von David Lama stand Peter Habeler: Über die Zillertaler Extrembergsteigerlegende soll Lama seine Berufung gefunden haben, nachdem er im Alter von fünf Jahren einen Kletterkurs bei Habeler besucht hatte. Dieser erkannte bereits damals sein außergewöhnliches Talent. Der frühe Beginn einer steilen Karriere. Jahre später, 2017, bildeten Habeler, damals 74, und Lama übrigens ein Tandem und bezwangen die berühmte Heckmair-Route an der Eiger-Nordwand - 43 Jahre nach Habelers und Messners Rekorddurchsteigung.

Jüngster Weltcupsieger der Geschichte

Mit sechs Jahren kletterte der Sohn eines aus dem Mount Everest-Gebiet in Nepal stammenden Vaters und einer Innsbrucker Mutter in der Sportklettergruppe des österreichischen Alpenvereins der Sektion Innsbruck. 2004 und 2005 gewann er jeweils die Gesamtwertung des Kletter-Jugendeuropacups, sowie die Jugendweltmeisterschaften in Edinburgh und Peking. Im Jahr 2006 war er der erste Kletterer, dem es gelang, in seiner ersten Saison im Weltcup sowohl einen Boulder-Weltcup als auch einen Vorstieg-Weltcup zu gewinnen. Zugleich wurde er damit der bis dahin jüngste Weltcupsieger der Geschichte.

Erstbegehung der Kompressor-Route am Cerro Torre

Ab 2010 konzentrierte sich der Tiroler schließlich auf den Alpinismus. Schwierige Erstbegehungen folgten, einer seiner größten Erfolge war die erste Begehung der Kompressor-Route am Cerro Torre mit Peter Ortner im freien Kletterstil im Jahr 2012. Eine Leistung, die nicht zuletzt Reinhold Messner beeindruckte: "Als du den Cerro Torre frei geklettert bist, waren wir alle begeistert - nicht nur ich. Wir standen mit offenem Mund da und haben gesagt, das ist es", meinte die Südtiroler Bergsteigerlegende einmal voller Hochachtung zu Lama. Am 25. Oktober 2018 gelang ihm schließlich die Erstbesteigung des 6.895 Meter hohen Lunag Ri in Nepal über den Westpfeiler im Alleingang. Rund ein halbes Jahr später muss die Alpinistenszene wohl um einen ihrer größten Söhne trauern.

Reinhold Messner: "Es ist ein sehr schlimmes Unglück"

Tief betroffen über den wahrscheinlichen Tod der Tiroler Alpinisten David Lama und Hansjörg Auer sowie ihres US-Kollegen Jess Roskelley hat sich Extrembergsteigerlegende Reinhold Messner gezeigt. "Es ist ein sehr schlimmes Unglück, schrecklich", sagte Messner im Gespräch mit der APA. Alle drei hätten zu den besten Bergsteigern der Welt gehört, erklärte der Südtiroler.

Sowohl Lama als auch Auer habe er persönlich gut gekannt, so Messner, der den Angehörigen sein tiefes Mitgefühl aussprach. Lama habe seine "Kletterkunst in große Dimensionen getragen" und zudem über eine "starke Ausstrahlung" verfügt. Auer wiederum, mit dem er in noch engerem Kontakt stand, sei "in jeder Disziplin absolute Weltspitze" gewesen. Er vermute, dass bei dem Unglück in den Rocky Mountains ein Stück der Eiswand heruntergebrochen ist und letztlich zu dem tödlichen Unfall geführt hat.

Messner: "Bergsteigen in dieser Dimension schwer zu vertreten"

Der Unfall zeige einmal mehr, dass das traditionelle Bergsteigen, bei dem man sich in die "absolute Wildnis" begebe und dabei alles selber mache, "wahnsinnig gefährlich" sei. "Es handelt sich dann nicht mehr um eine Frage des Könnens, sondern von Glück und Unglück", meinte Messner.

Von den Weltbesten, die sich in diesem Bereich bewegen, komme die Hälfte ums Leben - dies sei schon immer so gewesen. "Bergsteigen in dieser Dimension ist faszinierend. Aber es ist auch schwer zu vertreten", zeigte sich Messner nachdenklich.

Peter Habeler: "David war eine Ikone"

Erschüttert vom noch nicht endgültig bestätigten Tod der Tiroler Alpinisten David Lama und Hansjörg Auer hat sich auch Bergsteigerlegende Peter Habeler gezeigt. "Schlimm, schlimm, schlimm. Das waren die Besten der Besten. Überflieger im positiven Sinn", so Habeler im Gespräch mit der APA. Vor allem Lama stand Habeler sehr nahe: "David war eine Ikone."

Die Zillertaler Alpinistenlegende erinnerte sich an den fünfjährigen David Lama, der damals einen Kletterkurs bei ihm besucht hatte. "Mit einem Schmunzeln hab ich gesagt: 'David, du kletterst ja schon wie ein Weltmeister. Du wirst einmal Weltmeister'", so Habeler. Er habe sofort gesehen, dass da ein außergewöhnlicher Könner heranreift. Später habe Lama dann den Übergang von den Kletterhallen in die freie Wildnis, zum traditionellen Bergsteigen, geschafft: "Er hat die Natur mögen. Die mögen ja auch nicht alle. Er wurde ein Vorbild für viele. David war ein humorvoller, ruhiger Mensch. Ich habe ihn über alle Maßen geschätzt".

Gemeinsame Eiger-Bezwingung

Ewig im Gedächtnis werde ihm auch die gemeinsame Tour mit Lama über die berühmte Heckmair-Route durch die Eiger-Nordwand im Jahr 2017 bleiben - 43 Jahre nach Habelers und Reinhold Messners Rekorddurchsteigung. Mit fast 75 Jahren schaffte Habeler, mit Lamas Hilfe, noch einmal die Eiger-Bezwingung. Kurz nach der Tour sei er dann wegen einer Verletzung im Krankenhaus gelegen. "Und wer hat mich als erster besucht? David", so der Zillertaler.

Beeindruckend an Lama sei zudem gewesen, dass dieser auch die "Kunst des Umdrehens" bei widrigen (Wetter)-Verhältnissen beherrscht habe. Deshalb könne er sich auch vorstellen, dass der Lawinenabgang in Kanada bereits beim Zustieg passiert ist, und nicht erst in der Eiswand. Man brauche Glück, um in diesem Dimensionen zu überleben. Es sei keine Frage des Könnens, pflichtete Habeler seinem Freund Reinhold Messner bei. "Denn gekonnt haben diese Burschen ohnehin alles", sagte der 76-Jährige.

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